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Auction SOSAKU HANGA AND JAPANESE PRINTS - 1512 - ending in 3 days, 23 hours, 56 minutes and 52 seconds.

Japanische Farb-Holzschnitte

By Utamaro Kitagawa 1750-1806

By Utamaro Kitagawa 1750-1806

Die Kunst des japanischen Farb-Holzschnitts hat ihre Urspruenge in China. Aber erst die japanischen Kuenstler entwickelten diese Technik zu einer Hochform, die ihresgleichen in der Welt sucht. Japanische Farb-Holzschnitte stehen bei Kunstliebhabern und Sammlern weltweit hoch im Kurs.

Die Kunst des japanischen Farb-Holzschnitts

Die Kunst des Holzschnitts entwickelte sich seit dem 6. Jahrhundert in China und fand allmaehlich weltweite Verbreitung. Schliessich bescherte ihm der Expressionismus in Deutschland einen Hoehepunkt im 20. Jahrhundert.

Dennoch ist die japanische Kunst des Holzschnitts eine einzigartige Erscheinung. Nicht nur, weil die japanischen Kuenstler darin mit einer graphischen Technik an die Tradition der Malerei anknuepften und die aufwendige Technik des Farb-Holzschnitts zu einer Perfektion von magischer Schoenheit entwickelten. Sondern vor allem, weil der Holzschnitt erstmals nicht der Reproduktion existierender Kunstwerke der Malerei diente.

Von den Anfaengen der Holzschnittkunst in Japan des 17. Jahrhunderts an fertigten Kuenstler explizit Entwuerfe fuer die Umsetzung in der Drucktechnik. So emanzipierte sich die Kunst des Holzschnitts und gab der japanischen Kultur ein geeignetes Ausdrucksmittel an die Hand, die Anschauung mit der Kultur und Lebensphilosophie zu verbinden.

Die fruehe Kunst Japans

Die Bewohner der japanischen Inseln pflegten ueber Jahrhunderte hinweg lediglich die Baukunst sowie die Kunst der kultischen Skulptur. Mitte des 6. Jahrhunderts begann der Einfluss Chinas auf Japan und setzte eine rasche politische, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung des Landes in Bewegung.

Die Rueckkehr zur selbstaendigigen Entwicklung vollzog sich seit dem 9. Jahrhundert, anfaenglich nur zuegernd begleitet von einer eigenen Malerei und Graphik. Erst im 12. Jahrhundert bildete sich die unverkennbare Aesthetik der japanischen Kunst heraus, dabei in Verbindung mit dekorativem Kunsthandwerk sowie mit der in der Kunstgeschichte ebenfalls singulaeren Lackmalerei.

Trotz der eigenstaendigigen Entwicklung der Kunst in Japan, riss die Verbindung zu China nicht ab. Dort reifte die Kunst des Farb-Holzschnitts zu Reproduktion von Werken der Malerei weiter.

Die beruehmten Vorlagensammlungen fuer Maler "Zehnbambushalle" (etwa 1627) und "Senfkorngarten" (1679 und 1701) zeigen bereits durch entsprechendes Verreiben der Druck-Tusche auf dem Druckstock erreichte fliessende Farbabstufungen, die es ermoeglichten, den malerischen Vorlagen gerecht zu werden.

Im 17. Jahrhundert entstehen parallel dazu in Japan die ersten Einzelblaetter, also keine Buchdruckbilder mehr, in der Holzschnitt-Technik. Sie sind zunaechst schwarz-weiss, von der nahezu ornamentalen Linienfuehrung her allerdings geeignet, in den umrissenen Feldern bald Farbe aufzunehmen.

Die japanische Tradition des Ukiyo-e gilt damit als begruendet.

Entwicklung des Ukiyo-e

Der Holzschnitt funktioniert nach dem Hochdruckverfahren. Anders als in den Tiefdrucktechniken (Radierung, Aquatinta, Kupferstich etc.) muss der Holzschneider die Vorlage des Kuenstlers als Negativ seitenverkehrt auf den Druckstock uebertragen.

Was aus der Holzplatte nicht herausgeschnitten wird, nimmt die Druckfarbe auf. Es besteht also die Moeglichkeit, nicht nur Linien, sondern auch groessere Farbflaechen zu drucken: Ideale Voraussetzungen, Farbe ins Spiel zu bringen.

Die Anfaenge in Japan sind um 1700 schlicht, lediglich ein- bis zweifarbig und handkoloriert. Doch schon 1740 tauchen die ersten Farbdrucke auf, zunaechst nur mit drei Druckplatten fuer Schwarz, Rosa und Gruen, seit etwa 1765 aber bereits als echte Vielfarbendrucke. Die Tradition des japanischen Farb-Holzschnitts nahm damit seinen Anfang.

Die Technik des Farb-Holzschnitts ist ein hoechst aufwendiges Verfahren, in dem eine Vielzahl (bekannter Rekord liegt bei 78) von Druckstuecken hergestellt werden muss, der Anzahl der verwendeten Farben entsprechend.

Vergleichbar den europaeischen Kuenstlerwerkstaetten jener Zeit wurden die Aufgaben vom Entwurf bis zum Verkauf auf mehrere Personen verteilt.

Zum Team gehoerte der Kuenstler, der die Entwuerfe und Vorlagen lieferte, der Holzschneider, der die Druckstuecke herstellte, und der Drucker, der die Abzuege auf handgeschoepftem Papier mit Natur-, spaeter Anilin-Farben herzustellen hatte.

Der Leiter des Unternehmens war der Verleger, der die Auftraege vergab, die Herstellungskosten uebernahm und fuer den Vertrieb sorgte.

Hochphase des Japanischen Farb-Holzschnitts

Die Isolation Japans in den Jahren von 1603 bis 1868 (Edo-Periode), verbunden mit Frieden und Wohlstand, liess einen grossen Bedarf an Vergnuegungen und dem Traeumen davon aufkommen.

Dies bestimmte denn auch die Themen der Farb-Holzschnitte, die vor allem Szenen des Kabuki-Theaters und Portraets der Schauspieler, Kurtisanen aus Edelbordellen und Sumo-Kaempfer darstellten.

Die Blaetter erfreuten sich hoechster Beliebtheit und gehoerten zum Schmuck eines jeden Hauses. In technischer wie Kuenstlerischer Hinsicht erreichten die Arbeiten des 19. Jahrhunderts (also auch fortgesetzt in der Meiji-Periode) einen Grad der Perfektion sowie aesthetischer Schoenheit von feinsten Nuancen und malerischen Farbverlaeufen.

Die Umwaelzungen, ausgeloest durch die Oeffnung des Landes, stellten Japan vor eine Zerreissprobe, die einen gravierenden Einschnitt in der Kultur Japans darstellte. Die hohe Kunst des Farb-Holzschnitts erlebte dabei jedenfalls einen jaehen Niedergang.

Wiedergeburt als Hanga

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es, die Kunst des traditionellen japanischen Holzschnitts vor dem Vergessen zu bewahren. Sie wurde mit der Hanga-Bewegung neu belebt und auf verschiedene Weise modernisiert.

Die Kuenstler des Shin-Hanga suchten den Weg in die Moderne in der Verbindung mit westlichen Elementen. Sie wahrten sorgfaeltig die Tradition, auch in Bezug auf die Teamarbeit, bereicherten ihre Werke aber mit westlichen Charakteristika wie Licht- und Schatten-Modellierung und Anwendung der Perspektive.

Sosaku-Hanga ("kreative Druckgraphik") orientierte sich hingegen weitestgehend nach dem westlichen Verstaendignis des modernen, individuellen Kuenstlers, der den Schaffensprozess gaenzlich alleine zu bewaeltigen hatte.

Die stilistische Aehnlichkeit zur klassischen europaeischen Moderne ist dabei nicht zu uebersehen, was mit einer gewissen Vereinfachung, andererseits einer thematischen Oeffnung einherging.

Auch wenn die Werke des Sosaku-Hanga bisweilen naiv erscheinen, ermoeglichten sie einen Anschluss an die internationale zeitgenoessische Kunst. Fuer diese Entwicklung wird zunehmend der Begriff Moku-Hanga gepraegt und schliesst nicht-japanische Kuenstler ein, die sich - in welcher stilistischen Ausrichtung auch immer - der traditionellen japanischen Technik bedienen.

Sie finden sich mittlerweile auf der ganzen Welt, sind auch oft bekannter als die japanischen Meister. Mit Hilfe der jaehrlichen, am internationalen Interesse gewinnenden Ausstellung der Druckgraphik des CWAJ (College Women Association of Japan) in Tokio gelingt es aber zunehmend, die Einzigartigkeit und hohe Qualitaet der japanischen Kunst einem internationalen Publikum zugaenglich zu machen.

Und somit hielt die traditionelle japanische Kunst des Farb-Holzschnitts Einzug ins 21. Jahrhundert.

Dieter WanczuraAuthor: Dieter Wanczura

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