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Yuji Hiratsuka - geboren 1954

Yuji Hiratsuka I
Zeitgenössische Japanische Grafiken
Zeitgenössische Japanische Grafiken
Mastermind, 1996
copyright Yuji Hiratsuka

This article in English: Biography of Yuchi Hiratsuka

Das grafische Werk von Yuji Hiratsuka ist eine witzige und originelle Synthese von alter, japanischer Ukiyo-e Tradition und modernen, westlichen Elementen. Es hat nicht nur Auszeichnungen in zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben errungen, sondern auch die Herzen eines internationalen Sammlerpublikums.

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Modernes Japan

Hiratsuka sieht Japan als Land der Kontraste. An der Oberfläche macht es einen ziemlich westlichen Eindruck mit McDonald und Coca Cola. Aber hinter der Fassade blieben japanische Kultur und Werte unverändert. Der Künstler gibt zwei Beispiele:

"Zum Beispiel werden japanische Gärten auf den Dächern von 30-stöckigen, westlichen Wolkenkratzern kultiviert. Oder die Leute essen bei McDonald und verfolgen dabei auf dem Fernsehschirm eine Sportveranstaltung im Sumo Ringen. In meinen Arbeiten erforsche ich diese chaotische Koexistenz."

Hiratsuka wurde, wie vermutlich die meisten jungen Japaner, in dieser Mischung aus Ost und West aufgezogen. Und seine Kunst ist eine Art von Spiegelbild dieser Kontraste - und genau so vom Künstler auch beabsichtigt.

Gehe nach Westen, junger Mann ! - immer in östlicher Richtung !

Yuji Hiratsuka II
Shigeki Kuroda - Biography
Shigeki Kuroda - Biography
Ananas Kopf, 2002
copyright Yuji Hiratsuka

Yuji Hiratsuka wurde in Osaka geboren. Von 1973 bis 1978 studierte er an der Tokyo Gakugei Universität, die er im Jahr 1978 mit einem BS (Batchelor of Science) in Kunsterziehung abschloss.

Im Jahr 1985 beschloss der junge Künstler, 33 Jahre alt, ein Flugzeug in östlicher Richtung zu nehmen und in die U.S.A. umzusiedeln. Hiratsuka war nicht der erste, der diesen Weg ging. Viele japanische Künstler des 20. Jahrhunderts gingen in die Vereinigten Staaten von Amerika - einige um dort zu studieren, andere um zu lehren. Einige blieben nur ein oder zwei Jahre und andere für immer.

Yuji Hiratsuka ist bis jetzt in seiner neuen Heimat geblieben. Zuerst hat er seine Studien ausgeweitet und intensiviert. Von 1985 bis 1987 machte er seinen MA (Master of Arts) in Grafikkunst an der New Mexico State University in Las Cruces, New Mexico. Und von 1987 bis 1990 studierte er an der Indiana University, Bloomington und absolvierte mit einem MFA (Master of Fine Arts) in Grafikkunst.

Im Jahr 1987 begann er als Kunstlehrer tätig zu werden. Seit 1993 ist er Assoziierter Professor am der Abteilung für Kunst an der Oregon State University in Corvallis.

Ukyio-e trifft sich mit zeitgenössischer westlicher Kunst ...

Yuji Hiratsuka III
Ukiyo-e
Ukiyo-e
Medallions, 1998
copyright Yuji Hiratsuka

Yuji Hiratsuka ist eine freundliche Persönlichkeit. Er ist offen und unkompliziert und er gehört zu der Minderheit an Künstlern, die versuchen ihre Kunst zu erklären. Es ist sicherlich einfacher sich auszudrücken wenn man was zu sagen hat. Und Yuji Hiratsuka hat was zu sagen - in einer Sprache, die jeder verstehen kann. Nun - dann lassen wir den Künstler sprechen. Hier ist ein Auszug von einer seiner Stellungnahmen.

"Es gibt viele und unterschiedliche Ansichten im modernen Japan. Einige kommen aus historischen Epochen mit bedeutenden, ästhetischen und philosophischen Entwicklungen. Insbesondere zwei Epochen haben zu dem beigetragen, was als traditionelle japanische Kunst bekannt ist."
"Während der ersten Epoche, in der Mitte des 16. Jahrhunderts, schlossen die Shogun Herrscher Japan von der Aussenwelt ab und trugen damit zu einer Kunst bei, die unabhängig von chinesischen Mustern war. Der wichtigste Einfluss war das Prinzip der Einfachheit, das im Geiste der Zen Sekte entstanden war. Kunst, die auf Zen basierte, war mehr Suggestion als Ausdruck. Sie betonte die Wichtigkeit leerer Flächen und einfacher Formen."
"Die zweite Epoche ist die Edo Ära des 17. Jahrhunderts, während der die Ukiyo-e Schulen eine populäre Kunstform entwickelten, zumeist Holzschnitte und Reproduktionen, billig hergestellt und für das Volk gemacht. Ukiyo-e Kunst war dekorativ, in kräftigen Farben gehalten und stellte oft Poster-ähnliche Karikaturen von nationalen Berühmtheiten dar (Yakusha-e)."
"In meiner Arbeit verwende ich alte und zeitgenössische Formen um den unausgewogenen Mischmasch darzustellen, der das heutige japanische Leben darstellt. Der Aspekt des Zen kann in meinen Portraits gesehen werden. Ich lasse das Gesicht immer frei oder flach und halte das Profil sehr simpel."
"Meine Portraits haben keine Augen oder Nasen. Das menschliche Gesicht ändert sich ständig. Das Gesicht bei der Arbeit ist sehr unterschiedlich von dem bei Liebesfreuden. Auch das Altern verändert ein Gesicht. Ich möchte in meinen Grafiken diese Veränderungen zum Ausdruck bringen. Die Portraits sind zweideutig gehalten so dass der Betrachter seine Interpretationen selbst machen kann. Dies ist der Aspekt der Suggestion statt der Expression. Und im übrigen interessiert mich auch der Aspekt des Humors und die Farben der Ukiyo-e Poster Kunst."
"In meinen Portraits möchte ich ein Element des Humors durch Übertreibung und Verzerrung integrieren. Zum Beispiel indem ich kleine Flächen mit hellen, skurilen Farben auffülle. Um den zeitgenössischen Aspekt zum Ausdruck zu bringen, kleide ich eine Figur in westlichem Stil. Meine wichtigsten Quellen für meine Themen sind Photografien, oft in schwarz/weiss, die ich aus Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen herausreisse. Dieses Material halte ich in meinem Studio oder in meiner Tasche. Und immer wenn ich eine neue Zeichnung machen möchte, wühle ich in den zerknitterten Blättern."
"Manchmal gibt es in meinen Arbeiten kleine Übergänge. Mein Interesse liegt dann an der unvorhersehbaren Textur, die aus der aufgerauhten Oberfläche der Kupferplatte herrührt. Meine Grafiken loten die komplexen Zusammenhänge zwischen Papier, Farbe und der Platte aus, um meine Gedanken zu beschreiben. Aber ebenso der Zusammenhang zwischen einer Figur und dem Raum, um andere menschliche Erfahrungen auszudrücken. Und immer versuche ich das maximale Potential zu ergründen, das mir als Grafiker zur Verfügung steht."

... und Yuji erobert die amerikanischen Herzen

Yuji Hiratsuka IV
Grafiken von Paul Binnie
Grafiken von Paul Binnie
Grosszügige Ernte, 2008
copyright Yuji Hiratsuka

Hiratsukas Grafiken haben rasch die Herzen der amerikanischen Kunstfreunde erobert. Und von den USA aus, hat sich seine Anerkennung auch nach Europa und Asien einschliesslich Japan ausgebreitet.

Wenn sie gerne einige der feinsten Galerien für zeitgenössische Kunst kennlernen möchten, dann folgen sie am besten immer den Ausstellungen des Künstlers. Hier sind einige und die Liste ist sicherlich nicht vollständig.

  • Ren Brown Collection, Bodega Bay, California
  • White Lotus, Eugene, Oregon
  • Adair Margo, El Paso, Texas
  • Azuma Gallery, Seattle, Washington
  • Tolman Collection of Tokyo
  • Castle Fine Arts, San Ramon, CA
  • American Art Company, Tacoma, WA
  • Pulliam Deffenbaugh Gallery, Portland, OR

Chine Collé mit Radierung

Yuji Hiratsuka V
Ryohei Tanaka - Biografie
Ryohei Tanaka - Biografie
Red Hair, 1989
copyright Yuji Hiratsuka

Der Künstler verwendet eine spezielle Drucktechnik, eine Mischtechnik von Chine Collé und Radierung. Auch dazu gibt der Künstler eine perfekte Beschreibung dieser zeitaufwendigen Druckmethode, die sehr viel Geschick und Erfahrung erfordert.

"Meine persönliche Technik aus Chine Collé und traditioneller und innovativer Radierung funktioniert so:
Mit zunehmenden Veränderungen auf der Kupferplatte drucke ich Sequenzen von schwarz, gelb, rot und blau, wobei ich die gleiche Platte für jedes Design und jede Farbveränderung benutze.
Die ersten Tonungen auf der Platte entstehen durch Radierung, Kaltnadel, Aquatint, "softground" oder photografischer Übertragung. Ich mache einen Abzug mit der ersten Farbe. Nach diesen ersten Abzügen arbeite ich wieder an der Platte um die hellen Töne zu verstärken und das Motiv besser zu akzentuieren. Dann mache ich mich an die zweite, dritte und vierte Farbe.
Und ganz zum Schluss wird die Grafik von hinten mit einem Hochdruckverfahren wie Holzschnitt oder Linolschnitt bearbeitet um Formen und/oder Farben zu intensivieren.
Zum Drucken nehme ich das Papier das für meine Arbeiten am besten erscheint; es ist ein dünnes japanisches Papier, das als Toyama Kozo bekannt ist (japanischer Maulbeerbaum). So wie beim französischen Chine Collé bringe ich auf der Rückseite des Kozo Papiers Klebestoff, bringe es auf einem schweren Büttenpapier an (BFK Rives oder Somerset, etc.) und gebe es so in die Druckpresse. Was der Betrachter sieht ist mein 4-Farben Tiefdruck, der mit saturierten Farben von der Rückseite eines Toyama Kozo Papiers kommt, das mit einem westlichen Büttenpapier fest verbunden ist."

Ehren, Ehren, ... und Sammlungen

Yuji Hiratsuka VI
Tom Kristensen - Biografie
Tom Kristensen - Biografie
Entomology, 2003
copyright Yuji Hiratsuka

Hiratsuka hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten. Seine grafischen Arbeiten sind in den Sammlungen bedeutender Museen wie zum Beispiel:

  • Achenbach Foundation for the Graphic Arts, San Francisco, U.S.A.
  • The British Museum, London, UK
  • Tokyo Central Museum, Tokyo, Japan
  • New York Public Library, N.Y., U.S.A.

Dieter Wanczura
(Juni 2004, überarbeitet November 2009)

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