This article in English: Yoshitoshi Tsukioka - Biography
Tsukioka Yoshitoshi lebte in einer Epoche, in der Japan dramatische Veränderungen durchlief. Nach der erzwungenen Öffnung des Landes durch die Flotte der Vereinigten Staaten von Amerika erlebte das Land einen teilweise blutigen Übergang von dem alten Herrschaftssystem des Shogunats in die Neuzeit.
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Das Leben von Yoshitoshi war wie eine Analogie dieser schwierigen Epoche. Der Kampf ums Überleben in einem neuen Zeitalter und die Zerrissenheit zwischen Tradition und westlicher Modernisierung kennzeichneten sein Leben. Sein Werk repräsentiert die traditionellen japanischen Werte.
Der Künstler wird auch oft unter dem Namen Yoshitoshi Taiso geführt. Taiso war sein go ab 1873 - d.h. der Name, den er in seiner Signatur benutzte.

Der Geburtsname von Yoshitoshi war Yonejiro. Über seine Jugend ist nur wenig bekannt. Aber alle Anzeichen sprechen dafür, dass es keine leichte war. Sein Vater hatte sich eine andere Lebensgefährtin genommen und der Junge war vermutlich im Weg. Er wurde jedenfalls von seinem Onkel aufgezogen.
Im Alter von nur 11 Jahren kam Yoshitoshi bei dem großen Ukiyo-e Meister Kuniyoshi Utagawa in die Lehre. Einer seiner "Klassenkameraden" war Yoshiiku. Yoshiiku schikanierte und tyrannisierte den jüngeren Yoshitoshi. Die Rivalität und Feindschaft zwischen den beiden sollte sich ein Leben lang fortsetzen.
Im Alter von 14 Jahren schuf Yoshitoshi seinen ersten Farbholzschnitt - ein Triptych der berühmten Seeschlacht von Dannoura in der der Minamoto Clan im Jahre 1185 die Streitkräfte des Taira Clans besiegte. Zur gleichen Zeit, im Jahr 1853 kam der US Kommandant Perry mit seiner Flotte in Japan an und erzwang die Öffnung des Landes gegenüber dem Westen.
Kuniyoshi war zu Yoshitoshi wie ein Vater. Als der Meister im Jahr 1861 starb, kamen auf den jungen Schüler harte Zeiten zu. Er hatte kaum genügend Aufträge um sich über Wasser zu halten.
Die frühen sechziger Jahre waren von Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der alten Shogun Regierung und deren Gegnern gekennzeichnet. Die Gegner hatten sich um den Kaiser geschart. Dieser war während der langen Dauer des Shogunats, d.h. seit 1192, eine machtlose, rein repräsentative Einrichtung gewesen.
Zusätzlich zu den politischen Instabilitäten befand sich auch die japanische Wirtschaft in einer tiefen Rezession - begleitet durch Hyperinflation und durch Missernten.
Im Jahr 1868 dankte der letzte Shogun ab nachdem 2000 loyale Shogunat Truppen in der blutigen Schlacht von Ueno von einer kaiserlichen Armee vernichtend geschlagen wurden. Es war mehr ein Massaker als eine reguläre Schlacht. Die kaiserlichen Soldaten waren mit modernsten Gewehren und Kanonen ausgerüstet, während ihre Gegner mit Schwertern kämpften.
Tsukioka Yoshitoshi wurde zufällig Augenzeuge dieser Schlacht. Sofort im Anschluss daran schuf er mehrere Farbholzschnitte mit extrem blutigen und grausamen Szenen - oft gegen einen schwarzen Hintergrund. Man muss diese Farbholzschnitte vor dem Ablauf der Geschehnisse sehen. Und auch damals galt schon die Regel, dass sich Blut, Sex und Verbrechen gut verkaufen ließen.
Mit der sogenannten Meiji Restauration erlebte Yoshitoshi eine kurze Zeit bescheidenen kommerziellen Erfolges - gefolgt von einem abrupten Rückgang an Aufträgen und bitterer Armut. In den frühen siebziger Jahren tauchten erstmals Anzeichen psychischer Krankheit und Depressionen auf. Unfähig zu jedweder Arbeit schuf er über 2 Jahre kaum eine einzige Grafik.
Im Jahr 1873 erholte er sich wieder und änderte seinen Namen zu Taiso, was soviel wie "große Auferstehung" bedeutet. Aber trotz aller neuer Energien, hielt seine Armut an. Yoshitoshi wurde nichts erspart. Um ihn zu unterstützen verkaufte sich seine Geliebte, Okoto, an ein Bordell. Okoto teilte das Schicksal vieler Frauen von verarmten ehemaligen Samurai, die ihre Familien nicht mehr ernähren konnten. Nach dem Ende des Shogunats waren die einstigen Privilegien dieser Krieger-Kaste abgeschafft worden.
Im Jahr 1877 veränderten die politischen Ereignisse das Leben von Yoshitoshi aufs neue - diesmal zu seinen Gunsten. Ein Aufruhr der Samurai endete in einem dramatischen Finale. Die Samurai wurden von Saigo Takamori angeführt. Die kaiserlichen Truppen hatten die Samurai nach und nach in die Hügel von Kagoshima zurück gedrängt. In der letzten Schlacht begingen Saigo Takamori und seine letzten Getreuen in Samurai Tradition Selbstmord, als ihre Lage aussichtslos geworden war.
Im Nachgang dieses Aufstandes gab es eine enorme Nachfrage nach Illustrationen der Ereignisse und Yoshitoshi wurde mit Aufträgen überschüttet.
In den 80-er Jahren hatte Yoshitoshi Taiso es schließlich geschafft. Er zog in ein großes eigenes Haus und heiratete eine Frau aus dem Bordellviertel. Seine Schule florierte. Im Jahr 1882 bekam er eine feste Anstellung bei einem Zeitungsverlag. Dies gab ihm ein festes und stetiges Einkommen und bedeutete das Ende der langen Jahre der Armut.
Yoshitoshi's Ruhm wuchs und trotz seiner schlechten Gesundheit schuf er eine große Zahl an Holzschnitten. Diese Jahre waren die produktivsten von Yoshitoshi - quantitativ und qualitativ zugleich. Im Jahre 1985 erschienen die ersten Ausgaben von Hundert Ansichten des Mondes. Die Serie war extrem populär. Die Leute standen in langen Schlangen an sobald ein neues Design publiziert war.
Im Jahr wurde die Serie 32 Ansichten von Sitten und Gebräuchen veröffentlicht - eine Serie schöner Frauenbilder. Im Jahr 1889 kam eine neue Serie mit Geister Motiven auf den Markt: Neue Formen von 36 Geistern. Yoshitoshi Taiso glaubte selbst fest an die Existenz von Geistern. Er war überzeugt, selbst übernatürliche Erscheinungen gehabt zu haben.
Die Symptome seiner Geisteskrankheit wurden jetzt immer häufiger. Trotzdem arbeitete Tsukioka Yoshitoshi weiter. Er starb am 9. Juni 1892 im Alter von 53 Jahren. Die Ärzte diagnostizierten einen Gehirntumor.
Dieter Wanczura
(Mai 2001, überarbeitet April 2009)
John Stevenson, "One Hundred Aspects of the Moon", published by Avery Press, 600 Kalmia Avenue, Boulder, CO 80304, ISBN 0-9632218-0-9.
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