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Shozaburo Watanabe - 1885-1962

Shozaburo Watanabe
Die Shin Hanga Bewegung
Die Shin Hanga Bewegung
Sonnenuntergang am West Park in Fukuoka
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This article in English: The Publisher Watanabe Shozaburo

Die Kunstbewegung Shin Hanga, was so viel bedeutet wie Neue Grafiken, ist genauso eng mit dem Namen von Shozaburo Watanabe verkn�pft wie Pop Art mit Andy Warhol. Aber Watanabe war ein Verleger und kein K�nstler. Aber vor allem war er ein genialer Gesch�ftsmann.

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Das Handswerkszeug erlernen

Als junger Mann arbeitete Watanabe in einer Exportgesellschaft, die auch mit Grafiken handelte. Somit hatte er die M�glichkeit alles �ber das Exportgesch�ft zu lernen und gleichzeitig Kontakte zu Importeuren im Ausland zu kn�pfen. Im Jahr 1906 gr�ndete Watanabe seine eigene Firma.

Watanabe - das Marketing Genie

Hasui Kawase 1883-1957
Biografie von Hasui Kawase
Biografie von Hasui Kawase
Kiyomizu Tempel
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Watanabe war niemals im Ausland gewesen. Aber er hatte eine feste Vorstellung welche Art von Kunst an Europ�er und Amerikaner verkauft werden konnte. Er praktizierte, was Jahrzehnte sp�ter an Management Schulen als die Essenz des Marketing gelehrt werden w�rde. Verkaufen f�ngt nicht erst an wenn das fertige Produkt vom Fliessband oder aus der Werkstatt rollt. Verkaufen muss am Reissbrett beginnen - indem das Produkt auf die tats�chlichen Bed�rfnisse des Marktes zugeschnitten wird.

Und Watanabe war �berzeugt, dass der amerikanische und europ�ische Markt Bilder eines idealisierten, exotischen Japans wollte - eine romantische Vision, ein Disneyland Phantom, das zum Ende der Edo Epoche im Jahr 1868 zu existieren aufgeh�rt hatte.

Die Kopierer und die Arbeitsbienen

Hiroaki Takahashi 1871-1945
Shotei (Hiroaki Takahashi) - Biography
Shotei (Hiroaki Takahashi) - Biography
Edo-gawa - Abendscene am Edo-gawa Fluss
copyright protected

Zu Beginn exportierte Watanabe Holzschnitt Reproduktionen ber�hmter und popul�rer Drucke von K�nstlern wie Harunobu. F�r die Herstellung dieser Reproduktionen besch�ftigte Watanabe professionelle Kunsthandwerker.

Watanabe war aber nicht damit zufrieden nur Reproduktionen zu machen wie viele andere auch. Er wollte auch zeitgen�ssische Grafiken verkaufen. F�r die Realisierung dieses Projekts ben�tigte er die Mitarbeit von K�nstlern und Kunsthandwerkern.

In jenen Tagen war die Situation f�r K�nstler und Kunsthandwerker, die im traditionellen Ukiyo-e Stil ausgebildet waren, nicht besonders lustig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die traditionelle japanische Kunst des Holzschnitts eine offensichtlich sterbende Gattung. Diejenigen, die noch mit Verbissenheit daran festhielten, verdienten sich ihren Lebensunterhalt mehr als Illustratoren f�r Zeitungen und mit dem Entwerfen von kuchi-e - Titelbilder f�r Romane oder Beilagen in Zeitschriften.

Eine Zusammenarbeit zwischen armen K�nstlern und Kunsthandwerkern auf der einen Seite und einem cleveren Export-Gesch�ftsmann sah wie die ideal Gewinner-Situation f�r beide aus.

Der erste K�nstler, der sich darauf einlies, war Takahashi Hiroaki (1871-1945) - auch Takahashi Shotei genannt - der im Jahr 1907 begann f�r Watanabe Holzschnitte zu entwerfen. Takahashi Hiroaki machte bis an das Ende seines Lebens hunderte von Grafikentw�rfen f�r Watanabe. Sie waren zumeist klein und schmal im Format und zeigten sch�ne Szenen eines imagin�ren Japan Disneyland. Aber es waren h�bsche Holzschnitte und sie verkauften sich in Europa und Nordamerika gut. F�r Watanabe waren sie sowas wie das T-Modell f�r Ford oder der K�fer f�r VW - nichts, das jemanden vor Aufregung umhaut, aber ein gutes, solides und profitables Produkt.

Die Stars

Shinsui Ito 1898-1972
Ito Shinsui - Biografie
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Den Fr�hling betrachten

Watanabe h�tte mit seinem erfolgreichen K�fer Modell zufrieden sein k�nnen. Aber er wollte mehr, er wollte einen Mercedes produzieren - er wollte im high-end Bereich des Grafikmarktes mitmischen. Er kannte die Praxis der limitierten Editionen in Europa und die Vorliebe f�r gr�ssere Formate im Marktsegment f�r teure Feine Kunst. Und Watanabe ging auf die Jagd nach K�nstlern, die in der Lage waren, sein Mercedes Produkt zu entwerfen.

Als erstes stiess er auf den �sterreichischen Maler Capelari, der damals in Tokio lebte und mit dem er einige Grafiken zusammen machte. Dann entdeckte Watanabe Hashiguchi Goyo (1880-1921), der vermutlich der gr�sste japanische K�nstler des 20. Jahrhunderts geworden w�re, wenn er nicht so fr�h gestorben w�re. Watanabe und Goyo machten eine Grafik zusammen - und dann sagte Goyo "tsch�ss" und ging seine eigenen Wege.

Die Kopfjagd begann aufs neue - und wurde mit Ito Shinsui (1888-1972) f�ndig. Und diesmal passte es. Ito Shinsui und Watanabe arbeiteten Jahrzehnte lang zusammen. Sp�ter begannen noch mehr Star K�nstler f�r Watanabe zu arbeiten. Hasui Kawase (1883-1957) verst�rkte die Truppe im Jahr 1918 vor allem als Spezialist f�r Landschaftsgrafiken. Und Yamamura Toyonari und Natori Shunsen (1886-1960) fingen mit Schauspielerportraits an nachdem der pfiffige Watanabe bemerkt hatte, dass die Europ�er Sharaku entdeckt hatten und verr�ckt nach Schauspielerportraits waren. Und von 1926 an versorgte Ohara Koson (1877-1945) Watanabe mit Grafiken von V�geln und Blumen f�r den Export. Auch Elizabeth Keith (1887-1956) als die prominenteste ausl�ndische K�nstlerin sollte hier als Mitglied des Watanabe Zirkels erw�hnt werden.

Die Ausreisser

Shiro Kasamatsu 1898-1992
Shiro Kasamatsu - Biografie
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Mt. Fuji im Sonnenuntergang

Nicht alle K�nstler kamen mit Watanabes rigidem Kunst Management zurecht und beendeten entweder die Zusammenarbeit fr�h wie Hashiguchi Goyo oder schauten sich vorsichtig nach anderen Verlegern um, von denen sie sich mehr k�nstlerische Freiheit erhofften.

Shiro Kasamatsu war einer dieser Ausreisser. Bis in die sp�ten vierziger Jahre hatte er ungef�hr 50 Grafiken f�r Watanabe entworfen. In den fr�hen 50-er Jahren begann er eine Zusammenarbeit mit Unsodo, einem Verleger und Watanabe Wettbewerber aus Kyoto.

Der Prominenteste unter den Abtr�nnigen war Hiroshi Yoshida. Er begann im Jahre 1920 f�r Watanabe zu arbeiten und schuf insgesamt sieben Holzschnitte bis zu dem grossen Kanto Erdbeben im Jahr 1923. Im Jahr 1924 er�ffnete er seine eigene Werkstatt als freischaffender K�nstler und besch�ftigte selbst Schnitzer und Drucker. Hiroshi Yoshida war der einzige Shin Hanga K�nstler, der ohne einen Verleger erfolgreich war. Dies war auf 3 einzigartige Erfolgsfaktoren zur�ck zu f�hren. Erstens hatte er bei ausgedehnten Reisen in die USA und Europa eigene Kontakte zu Gesch�ftspartnern aufgebaut und ein Gef�hl f�r den Auslandsmarkt bekommen. Zweitens hatte Hiroshi Yoshida selbst gelernt wie man Holzbl�cke schnitzt und wie man druckt. Und drittens war er einfach ein herausragend guter K�nstler.

... und ein Amateur

Hiroshi Yoshida 1876-1950
Hiroshi Yoshida - Biografie
Hiroshi Yoshida - Biografie
Sumida Fluss (Abend) - 12 Szenen von Tokio

Watanabe versuchte sich sogar selbst als K�nstler. Es gibt zwei Holzschnitte von ihm. Es benutzte den K�nstlernamen "Kako" f�r sein k�nstlerisches Experiment. Einer der Holzschnitte tr�gt dne Namen "Fukuoka Nishi Koen no Yusho" (Das Abendgl�hen am West Park in Fukuoka) und ist im obersten Teil dieser Seite zu sehen.

Watanabe wurde sicherlich bald klar dass er nicht ein guter K�nstler und ein erfolgreicher Gesch�ftsmann zur gleichen Zeit sein konnte. Sein Interesse an einer eigenen k�nstlerischen Karriere schwand rasch. Aber dieses Experiement gab ihm die n�tigen Kenntnisse um das Schnitzen der Bl�cke und den Druckvorgang pers�nlich beurteilen und �berwachen zu k�nnen.

Nach dem Erdbeben

Nachdem Watanabe sein Exportgesch�ft etabliert hatte, musste er im Lauf seines Lebens einige schwierige Herausforderungen bew�ltigen. Die erste war das Grosse Kanto Erdbeben im Jahr 1923. Die Feuer, die 3 Tage lang w�teten, hatten seinen Laden und seine Werkstatt mit allen Druckst�cken zerst�rt. Er musste fast wieder von vorne anfangen. Aber er hatte noch sein gr�sstes Kapital - die K�nstler und Kunsthandwerker, die f�r ihn arbeiteten und die Verbindungen zu seinen Gesch�ftspartnern in Europa und Nordamerika. Am Anfang fing er mit Kleinzeugs an - Kalender, Grusskarten und kleinformatige Grafiken. Aber bald war er wieder voll im Gesch�ft und der Laden lief besser als je zuvor.

Vor und nach dem zweiten Weltkrieg

Shunsen Natori 1886-1960
Natori Shunsen - Biografie
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Morita Kanya - 36 Kabuki Schauspieler

Die zweite grosse Herausforderung f�r Watanabe war eine schwindende Nachfrage nach japanischen Grafiken in den Exportl�ndern w�hrend der 30iger Jahre und nat�rlich die schwierige Zeit w�hrend des Pazifischen Krieges. Gr�nde f�r die nachlassenden Exportauftr�ge waren die weltweite wirtschaftliche Depression und danach das negative Bild Japans im Ausland als Folge der politischen und milit�rischen Agression in Asien (China - Nanking Massaker von 1937).

Watanabe musste versuchen schwindende Exportauftr�ge mit Auftr�gen aus dem heimischen Markt zu kompensieren. Er organisierte Verkaufsausstellungen in Kaufh�usern. Das zeigt Watanabes grosses unternehmerisches Geschick. Er z�gerte nicht, neue Wege bei der Verkausf�rderung zu gehen. Die Tradition sogannnte Feine Kunst in Kaufh�usern anzubieten, ist bis heute in Japan lebendig. In Europa und auch in den USA ist sowas immer noch undenkbar.

W�hrend des 2. Weltkrieges befand sich die Produktion von Kunstgrafiken auf sehr niedrigem Niveau. Die Materialien waren begrenzt verf�gbar und die Leute hatten andere Sorgen als sich mit Grafikkunst zu besch�ftigen.

Nach dem Krieg kehrte Watanabes Gesch�ft zur Normalit�t zur�ck. Aber die K�nstler der alten Garde waren inzwischen teilweise verstorben oder waren in einem Alter, in dem Rheuma oder H�ndezittern einen daran erinnern, dass es an der Zeit ist sich zur Ruhe zu setzen.

Mit dem Tod von Shozaburo Watanabe im Jahr 1962 ging die Epoche des Shin Hanga zu Ende, aber nicht das Watanabe Gesch�ft. Es wurde von seinem Sohn und sp�ter seinem Enkel weitergef�hrt. Die Watanabe Verlagsgesellschaft und Galerie kann noch immer im Zentrum von Tokio besucht werden.

Dieter Wanczura
(Juni 2002, �berarbeitet Juni 2009)

Literaturquellen f�r diese Shozaburo Watanabe Biographie

Helen Merritt, "Modern Japanese Woodblock Prints - The early years", published by University of Hawaii Press, Honolulu, 1990, ISBN 0-8248-1200-X.

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