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Van Gogh und japanische Kunst

von Gihachiro Okuyama 1907-1981
Impressionism
Impressionism
Portrait von Van Gogh, 1956
copyright Gihachiro Okuyama

This article in English: Van Gogh and Japonism

In den 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in Frankreich das Wort Japonismus als Ausdruck für die damalige Verrücktheit nach japanischer Kultur und Kunst geprägt. Auch Vincent van Gogh war, wie viele der Impressionisten und Post-Impressionisten, ein Verehrer japanischer Kunst. Der Japonismus ist in seinen Werken offensichtlich.

Die Bilder, die wir zeigen sind keine originalen Gemälde von van Gogh, sondern aus einer Serie von Farbholzschnitten des japanischen Holzschnitt-Künstlers Gihachiro Okuyama, 1907-1981, gemacht nach Bildern von van Gogh.

Die Bilder auf dieser Seite sind link-sensitiv und führen zu weiteren Artikeln zu diesem Thema oder zu anderen Web Sites, die Sie interessieren könnten.

Japonismus - Faible für alles Japanische

Mit dem Abkommen von Kanagawa im Jahr 1854 zwischen der amerikanischen Delegation, angeführt von Kommandant Matthew Calbraith Perry (1794-1858) und der japanischen Shogun Regierung, beendeten 216 Jahre japanischer Isolation. In den darauf folgenden Jahren strömten riesige Mengen an japanischen Antiquitäten, Kunstgegenständen und handwerklichen Erzeugnissen nach Europa - vor allem nach Frankreich und den Niederlanden. Die Pariser Weltausstellung von 1867 hatte einen japanischen Stand und zeigte einer erstaunten Öffentlichkeit japanische Kunstobjekte.

Alles Japanische war plötzlich in Mode. Läden mit japanischen Farbholzschnitten und anderen Artikeln aus Japan schossen in Paris wie Pilze aus dem Boden. Maler wie Claude Monet, Edgar Degas, Toulouse-Lautrec oder Paul Gauguin waren von japanischen Grafiken stark beeindruckt. Im Jahr 1875 schuf Claude sein berühmtes Gemälde La Japonaise. Es zeigt seine Frau in Kimono und mit einem Fächer in der Hand. Später nannte er das Bild verächtlich einen Haufen Mist.

Der Laden von Samuel Bing

von Gihachiro Okuyama 1907-1981
Paul Gauguin - Biografie
Paul Gauguin - Biografie
Sunflowers - Van Gogh Series, 1959
copyright Gihachiro Okuyama

Van Gogh sah japanische Farbholzschnitte zum ersten mal im Jahr 1885 in Antwerpen und kaufte einige. In den darauf folgenden Jahren legte er sich eine ganze Sammlung zu. Japanische Drucke waren damals billig. Viele waren auch nur Reproduktionen, die extra für den Export in den Westen angefertigt wurden.

Im Jahr 1886 zog Vincent van Gogh nach Paris. Van Goghs Bruder Theo betrieb eine Kunstgalerie auf dem Montmartre. Auch er brachte Vincent mit Ukiyo-e in Kontakt. Auf dem Montmartre gab es einen kleinen Laden mit japanischen Holzschnitten, genannt die Bing Galerie nach ihrem Eigentümer, Samuel Bing. Herr Bing hatte tausende von Drucken auf Lager. Die Bing Galerie war nur einen Katzensprung von van Goghs Wohnung entfert und Vincent verbrachte ganze Tage in dem Laden.

Kopien japanischer Grafiken

Im Jahr 1887 fertigte van Gogh zwei Kopien von Holzschnitten des berühmten japanischen Meisters Hiroshige an. Eines ist die Brücke im Regen und die andere zeigt einen Zwetschgenbaum in Blüte. Hiroshige war einer der wenigen Künstler in Japan, die westliche Elemente in ihren Entwürfen verwendeten - am offensichtlichsten der Gebrauch von Perspektive, sichtbar in der Brücke im Regen.

Beide Kopien van Goghs sind ziemlich freie Übersetzungen. Vincent fügte den Originalen Ränder hinzu und dekorierte diese mit japanischen Schriftzeichen - bzw. dem was er dafür hielt. Und auch die Farben geben die Originale nicht exakt wieder. Van Gogh benutzte vielmehr sein Konzept komplementärer Farben.

"Ich beneide die japanischen Künstler wegen ihrer unglaublichen Klarheit. Es ist nie langweilig und man hat nie den Eindruck, dass sie in Eile arbeiten. Es ist so einfach wie atmen. Sie malen mit ein paar Strichen eine Figur mit derartig unfehlbarer Leichtigkeit als wäre es so einfach, wie das Zuknöpfen der Jacke."

Van Gogh in Arles

Im Jahr 1888 zog Vincent van Gogh nach Arles in Südfrankreich. Er kam dort im Frühjahr an und die kräftigen Farben und das Licht der Landscahft gaben ihm neue Energien. Er malte kontinuierlich - Landschaften, Stilleben und Portraits gewöhnlicher Menschen. Der japanische Einfluss ist in seinen Gemälden ersichtlich. Der Gebrauch schwarzer Konturen ist ein typisches Element des japanischen Holzschnitts.

Van Goghs Gesundheit und geistige Stabilität verschlechterten sich. Er schor seinen Kopf um wie ein japanischer Mönch auszusehen. In Arles fülte er sich als wäre er in Japan. An seine Schwester schrieb er:

"Theo m'a ecrit qu'il t'avait offert des estampes japonaises. C'est assurement le meilleur moyen pour reussir a comprendre la direction qu'a prise actuellement la peinture claire et coloree. Ici, je n'ai pas besoin d'estampes japonaises, car je me dis toujours que suis ici au Japon. Et c'est pourquoi je n'ai qu'a garder les yeux grand ouverts et peindre les impressions que je recois."
"Theo schrieb, dass er dir japanische Farbholzschnitte angeboten hatte. Das ist sicherlich der beste Weg um zu verstehen in welche Richtung sich die helle und farbige Malerei entwickelt. Ich brauche hier keine japanischen Farbholzschnitte. Ich bin hier in Japan. Deswegen muss ich nur meine Augen aufmachen und die Eindrücke malen, die ich bekomme."

Im Jahr 1890 schoss sich van Gogh eine Kugel in die Brust und starb einige Tage später am 29. Oktober 1890.

Dieter Wanczura
März 2002, überarbeitet Oktober 2009)

Literaturquellen für diesen Artikel über van Gogh und Japonismus

  • Ingo F. Walther, "Vincent van Gogh 1853-1890 - Vision and Reality", published by Thunder Bay Press, San Diege, ISBN 1-57145-098-X
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