
This article in English: From Ukiyo-e to Moku Hanga
"During the Edo period, a woodblock print was the same
price as a bowl of noodles. He advised me not to be expensive,
not to be elitist. He said it's for the public because it's printed art.
Make it accessible to the world."
("Während der Edo-Periode bekam man eine Holzschnitt-Graphik zum selben Preis, wie
eine Schüssel Nudeln. Er riet mir dazu, nicht zu teuer und nicht zu elitär zu
sein. Er sagte, es wäre für die Allgemeinheit, weil es gedruckte Kunst ist.
Mach es zugänglich für die Welt.")
(Tokuriki Tomikichiro zitiert vom Künstler Daniel Kelly)
Moku Hanga ist der japanische Begriff für "Holzschnitt-Graphik". Dies ist der erste Teil eines Essays, in dem der Autor, Dieter Wanczura, eine These für neuen Massenmarkt für japanischen Holzschnitt-Graphiken vorstellt, von einer allgemeinen Moku-Hanga-Bewegung - vergleichbar zum Konzept des Ukiyo-e (Bilder einer fliessenden Welt) im 18. und 19. Jahrhundert.
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Die Technik des Schneidens des Holzdruckstocks und des Schaffens von Abzügen auf Papier von diesen Blöcken war die einzige zugängliche Technik, Text und Bilder in Japan vor der zweiten Hälfte des 19. Jarhhunderts zu publizieren. Westliche Kunstfreunde kennen die farbenfrohen Druckwerke, bekannt als ukiyo-e. Doch nur wenige wissen, dass die Herstellung von Textbüchern auf derselben Technik basierte.

Vor dem Abkommen von Kanagawa im Jahr 1854 hatte Japan mehr als 300 Jahre lang als ein isoliertes Land existiert. Keinem japanischen Bürger war es erlaubt, das Land zu verlassen, und keinem Ausländer war es erlaubt, nach Japan einzureisen. Handel mit anderen Nationen befand sich ausschliesslich in der Hand der Holländer, die ein erfolgreiches Handelsmonopol mit Japan ausgehandelt hatten. Doch selbst die Anwesenheit der Holländer war auf eine winzige, künstliche Insel Deshima im Nagasaki-Hafen reduziert.
Während dieser Periode der totalen Isolation, erlebte Japan glücklicherweise keine Kriege. Von den Shogun regiert, einem System militärischer Führer, einst in den Händen vom mächtigen Clan der Tokugawa-Familie, lebte die Bevölkerung Japans in einer mittelalterlichen Gesellschaft, aufgebaut auf einem strengen Klassensystem.
Das Ausbleiben von Kriegen sicherte einen bescheidenen ökonomischen Wohlstand. Und eine untätige Krieger-Klasse der japanischen Samurai begünstigte die Entwicklung einer lebendigen und einzigartigen Stadtkultur, insbesondere in der Hauptstadt Edo (heute Tokyo). Historiker schätzen, dass Edo gleich nach London die größte Stadt in der Welt gegen Ende des 18. Jahrhunderts war.
Die Edo-Periode dauerte von ca. 1603 bis 1868, als der letzte Shogun abdankte. Nach der Edo-Periode folgte die Meiji-Periode, repräsentiert durch den Kaiser Meiji mit einflussreichen Provinz-Regenten hinter sich, die die wirkliche Macht ausübten.
Alle Arten der Vergnügungen wie Kabuki Theater, Bordellviertel oder populäre Sumo-Kämpfe florierten. Diese Unterhaltungsindustrie benötigte Publikationen - Werbeplakate, Theaterprogramm-Anzeigen, Kalender, Hausschmuck, Dichtung, Pornographie (" shunga-e"), Anzeigen, Geschenke für Freunde und Familienmitglieder, Veröffentlichungen neuster Nachrichten und andere. Dies war das wirtschaftliche Fundament für Ukiyo-e, die japanische Form der Holzschnitt-Graphik.
Die Japaner haben die Technik des Holzschnitts von den Chinesen gelernt. Aber sie entwickelten sie zu einer Meisterschaft, die weltweit unerreichbar bleibt. Die hohe Qualität des Ukiyo-e war einerseits das Ergebnis japanischer Isolation, die verhinderte, dass westliche Verfahren wie die Erfindung der Satztechnik oder der Lithographie ins Land kam. Andererseits wurde die ausserordentliche Qualität des japanischen Holzschnitts durch Spezialisierung erreicht. Eine Holzschnitt-Graphik ist Ergebnis einer Teamarbeit von vier Personen: dem Künstler, Holzschneider, Drucker und dem Verleger.
Der Künstler war derjenige, der die Entwürfe lieferte. Der Holzschneider und die Drucker waren für die entscheidende Aufgabe der Bereitung des Druckstocks und der Erstellung der Abzüge zuständig. Deren Arbeit war technisch die anspruchsvollste. Holzschneider und Drucker benötigten viele Lehrjahre, um die notwendige Handfertigkeit zu erlangen, ihre Aufgabe zu erfüllen.
Und da gab es schliesslich den Verleger. Er war der Arbeitgeber, der den Künstler beauftragte und den Holzschneider sowie den Drucker bezahlte. Er investierte das Geld und seine Hauptbeschäftigung war der Verkauf. Er war mit einem Filmproduzenten vergleichbar. Wie auch Filmproduzenten, wünschte der Verleger des Ukiyo-e ein kommerziell erfolgreiches Produkt. Doch damals wie heute konnten Produkte von höchster künstlerischer Qualität auf dem Markt kommerziell floppen. Aber in der Regel richteten sich Verleger nach der Nachfrage auf dem Markt und nicht nach den persönlichen Vorlieben der Künstler.
Ukiyo-e, wurde billig verkauft - zum Preis einer Schüssel Nudeln. Daher waren sie nicht nur für wenige erschwinglich, sondern für jeden Durchschnittsbürger. Ein Ukiyo-e zu erwerben war vergleichbar mit dem Kauf eines Buchs oder einer Zeitschrift.
Um Geld zu verdienen, musste jedes Motiv in grossen Mengen aufgelegt werden. Die japanischen Druckgraphiken des 18. und 19. Jahrhunderts kannten das Konzept der limitierten Auflagen nicht. Die Verleger produzierten so viele Abzüge, wie sie verkaufen konnten. Die einzige Limitierung lag in der Abnutzung der Druckplatte. Nach einigen Tausend Abzügen verschlechterte sich die Bildqualität sehr deutlich. Doch das bedeutete nicht unbedingt das Ende eines Entwurfs. Die Druckplatten konnten repariert werden und wenn dies nicht mehr möglich war, schnitten gewandte Kunsthandwerker neue Druckstöcke. Wir nennen sie heute Reproduktionen.
Es gibt eine alte Diskussion unter den Kunstliebhabern und Sammlern japanischer Druckgraphik, unter Kunstkritikern, Buchautoren etc., ob Ukiyo-e als Kunst oder als Medium zu betrachten ist. Ich möchte micht an dieser Debatte nicht beteiligen. Generell ist es eine Frage des Kunstverständnisses eines Menschen. Auf dem heutigen Kunstmarkt, wo Privatleute und Institutionen wie Museen bereit sind, einige Hunderttausend Dollar für eine weisse Leinwand zu zahlen, spielt es aus meiner Sicht für Leute oder Unternehmen wie artelino, die mit dem Verkauf von Kunst befasst sind, keine vordringliche Rolle.
Später möchte ich in diesem Artikel meine Vorstellungen über eine neue Bewegung des modernen Massenprudukts Ukiyo-e skizzieren - über populäres Moku Hanga. Was für mich zählt, ist die simple Tatsache, dass ich meine, dass es wünschenswert wäre, dass sich ganz normale Durchschnittsbürger eine handgemachte Druckgraphik an die Wand ihrer Wohnung hängen, anstatt maschinell produzierter Poster, oder zusätzlich dazu.
Nichts gegen Poster! Geschäftsleute in der Kunstbranche können eine Menge von Poster produzierenden Unternehmen lernen (Ich will es später erklären). Doch eine handgemachte Kunst-Druckgraphik repräsentiert in meinem Verständnis ein höheres Niveau der kulturellen Bildung.
Dieter Wanczura
(März 2007, überarbeitet November 2009)
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