This article in English: Traditional Tibetan Carpets
Tibetteppiche sind bis heute einzigartige Kunstwerke, die auf eine Jahrhunderte alte Tradition und Geschichte zurückblicken. Die Technik ihrer Herstellung in Handarbeit ist mit keiner anderen vergleichbar.
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Sowohl die Verarbeitung aus hochwertigen Rohstoffen wie auch die Muster sind von hoher handwerklicher und künstlerischer Qualität. Seit der chinesischen Besetzung Tibets setzte sich die Tradition der Tibetteppiche in der Herstellung der so-genannten Nepal Teppiche im Exil fort.
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Es ist kaum möglich, die Ursprünge dieses Kunsthandwerks in Tibet zu ermitteln. Die Herstellung und Verarbeitung von Wolle kann jedoch bis etwa ins vierte vorchristliche Jahrhundert zurückverfolgt werden.
Beachtet man die bis heute vielfältige Verwendung der Teppiche in Tibet, so erkennt man darin immer noch Deckung von Bedürfnissen, die mit dem Nomadenleben in Verbindung stehen. Die Nomadenstämme Tibets zogen bis in hohe, damit kalte und steinige Bergregionen des Himalaya mit ihren Pferden. Sie benötigten daher Schlafteppiche, warme Decken, Satteldecken für die Pferde, Bodenbedeckung in ihren Zelten etc.
Noch heute dienen die tibetischen Teppich vor allem als transportable Schlafunterlage, Sitzpolster, Satteldecken, aber in Anbetracht der hohen Qualität inzwischen auch als Wandschmuck vornehmer Häuser.
Die Nomaden lebten in relativ isolierten Regionen, wo die Menschen sich auf eigene Fähigkeiten und Erfindungsgabe verlassen mussten. So entstanden einzigartige Techniken, die in ihrer Qualität über Jahrhunderte der Entwicklung optimiert werden konnten. Die tibetische Technik des Teppichknüpfens und die so entstandenen Teppiche werden denn auch bis heute weltweit hoch geschätzt.
Bis zum Exotus zehntausender von Tibetern im Jahr 1959 wurde Wolle aus dem tibetischen Hochland verwendet. Die hochelastische Schurwolle der Hochlandschafe ist nicht nur an sich aufgrund ihrer langfaserigen Struktur von hoher Festigkeit. Sie enthält darüber hinaus ungewöhnlich viel Lanolin, natürliches Wollwachs, das in der schonenden Verarbeitungsmethode vollständig erhalten bleibt.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden zur Färbung der Wollfäden reine Naturpigmente, in Kupferkesseln aufgekocht, verwendet. Die besonders in den höher liegenden Regionen nicht gerade üppige Vegetation bestimmte daher die Farbpalette.
Es erstaunt dabei, welch ein Nuancenreichtum der Farben Blau, Rot, Rosa, Orange, Gelb, Braun und Grün dennoch möglich war. Weiß, Grau und Schwarz lieferte die natürliche Färbung der Wolle. Auch Beizen zur Fixierung und damit Haltbarkeit der Farbintensität wurden aus natürlichen Rohstoffen gewonnen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Verbreitung von Anilinfarben ein, die allmählich über Indien auch Tibet erreichten.
Im Unterschied zu anderen zentralasiatischen Knüpftechniken, arbeitet das tibetische Verfahren mit einem vertikalen Knüpfrahmen. Kette (Längsfäden) und Schuss (Querfäden), die das Fadengerüst eines Teppichs bilden, bestehen beim Tibetteppich aus hochwertigem, mehrfädigem Baumwollgarn. Die charakteristische Schuss-Verdoppelung sorgt für höhere Dichte und damit Festigkeit der Unterlage.
Einzigartig in der Knüpftechnik ist vor allem aber der tibetische Knoten, der eine hohe Flordichte von 7 bis 10 Knoten pro Quadratzentimeter erlaubt und in der Regel eine Florstärke von etwa 1 bis 1,5 cm - was ein Gewicht von etwa 4-6 kg/qm bedeutet - vorsieht.
Mit anderen Knüpftechniken nicht vergleichbar, bedient sich die tibetische Technik eines Eisenstabs (Rute), um den das Garn durchgehend geschlungen wird. Erst wenn eine Reihe vollständig ist, werden die einzelnen Schlingen aufgeschnitten.
In der neueren Teppichproduktion werden bisweilen einzelne Schlingen nicht aufgeschnitten, um ihre andersartige Wirkung für besondere Farbeffekte zu nutzen. Der durchlaufende tibetische Doppelknoten verleiht dem Flor die ungewöhnliche Dichte und Elastizität. Kürzer geschnittene Fäden an den Farbkonturen verleihen der Floroberfläche eine plastische Wirkung.
Abgesehen von wenigen frei gestalteten sowie durchlaufend gemusterten Tibetteppichen, folgen die traditionellen Werke einem durchaus variierenden Schema der Einteilung des Feldes in unterschiedliche Zonen: Borte, Ecken, zentrales Bildfeld, Medaillons. Die einzelnen Motive haben sich zwar eine bevorzugte Stelle gesucht, doch ist diese nicht unbedingt bindend.
So können etwa Tierdarstellungen sowohl als bildhafte Darstellung in einer "Szene" auftauchen, oder auch stilisiert den reinen Zierelementen beigefügt sein. Ikonographisch gesehen entstammen alle Elemente der Tibetteppiche der Tradition Tibets.
Der Schlüssel für die Motive ist die buddhistische Religion. So finden sich unter den Zierelementen die acht buddhistischen Glücksembleme, die acht chinesischen Grund- sowie Unsterblichkeitssymbole oder die vier Zeichen für Fähigkeiten im Wissen und vornehmen Benehmen sowie für Erfolg.
Auch die sechs Begleiter des langen Lebens finden sich darunter: alter Mann, Kranich, Kiefer, Fels, Wasserfall und Einhorn (später Hirsch). Daneben finden sich symbolträchtige Blumen und Früchte sowie diverse Naturelemente wie Wolken, Berg und See, Feuer, Koralle.
Neben diesen meistens stilisierten Elementen sowie abstrakten Mustern und Friesen finden sich aber auch Darstellungen ausgesprochen bildlicher, bisweilen szenischer Art meist von Tieren oder mythologischen Wesen. Sehr oft tauchen Darstellungen von Drachen, chinesischen Vögeln (Phönix) oder Schneelöwen auf. Manchmal sind der mantschurische Kranich, Fledermäuse oder Bienen zu sehen.
Nach dem Einmarsch der Chinesen in Tibet 1959 kam die traditionelle Herstellung der Tibetteppiche nahezu gänzlich zum Erliegen. Das Handwerk ist jedoch keinesfalls verloren.
Schon 1965 tauchten erneut Tibetteppiche auf, doch waren sie nicht in Tibet entstanden. Exil-Tibeter hatten in Nepal die Produktion der Teppiche in traditioneller Technik wieder aufgenommen. Die Nepaltibeter, wie sie im Handel genannt werden, waren aber fortan nicht mehr für den Eigengebrauch, sondern für den Export bestimmt.
In den letzten Jahren versucht man auch im chinesisch besetzten Tibet die Teppichtradition wieder in Gang zu bringen. Zentrum ist die Stadt Gangtse. Das Volumen der Teppichknüpfung in Tibet ist im Vergleich zu Nepal aber verschwindend.
rp, 2008
überarbeitet von Dieter Wanczura, April 2009
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