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Kupferstich, Kaltnadel und Radierung: die Tiefdruckverfahren

Presse
Presse
copyright Eva Pietzcker

Beim Tiefdruck handelt es sich um eine Drucktechnik, bei der die tiefer liegenden Bereiche der Druckplatte gedruckt werden. Diese werden mit einer Nadel oder einem Stichel in die Platte gekratzt bzw. geschnitten oder mit der Hilfe von Säure in die Platte geätzt. Zum Druck wird die Druckplatte so eingefärbt, dass sich die Farbe nur in den Vertiefungen befindet. Die eingefärbte Platte wird dann mit einem feuchten Papier bedeckt durch eine Presse gezogen, wobei ein seitenverkehrter Abdruck entsteht.

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Geschichte der Tiefdrucktechniken

Farben
Farben
copyright Miriam Zegrer

Die Entwicklung der Radierung ist gleichermaßen verbunden mit der Entstehung von Papiermühlen im 15. Jahrhundert und der Arbeit von Gold- und Waffenschmieden. Das Schneiden und Gravieren von Metall sowie das Einfärben der Vertiefungen waren lange bekannt und wurden möglicher Weise zum Festhalten von Entwürfen kombiniert mit dem Abreiben auf Papier. Von dort war es nur ein kurzer Schritt zum Gebrauch der Technik als einem künstlerischen Mittel der Vervielfältigung.

Die ersten Tiefdrucke sind Kupferstiche und auf die 1430er datiert. Beim Kupferstich werden die zu druckenden Linien mit stählernen Grabsticheln aus der Platte regelrecht herausgehoben. Der Tiefdruck entwickelte sich somit einige Jahrzehnte nach dem Holzschnitt. Anders als dieser wandte er sich eher an Aristokraten, was auch an der weitaus aufwendigeren Herstellung lag.

Im Vergleich mit dem Holzschnitt waren die Motive des Kupferstichs, vor allem in Italien, weitaus weltlicher. Der frühe Kupferstich entwickelte sich im deutschsprachigen Raum in der südwestlichen Ecke Deutschlands und in der Schweiz. Die ersten Kupferstecher waren Goldschmiede, deren Namen nicht mehr bekannt sind.

Erste herausragende Stiche wurden u. a. geschaffen vom "Meister der Spielkarten", dessen Hauptwerk ein Kartenspiel war, und dem Meister E.S. Auch Künstler arbeiteten mit dieser Technik wie der Maler Martin Schongauer. Bedeutende Protagonisten in den Niederlanden waren Hendrik Goltzius und Lucas van Leyden. Während sich die deutschen Künstler bei einem höheren technischen Standart stilistisch mehr an das Mittelalter anlehnten, entwickelten die italienischen Künstler der Renaissance wie Andrea Mantegna und Maso Finiguerra weitaus freiere Drucke.

Aquatinta
Aquatinta
copyright Eva Pietzcker

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam die Technik der Kaltnadelradierung auf: das direkte Einritzen von Linien in die Platte mit Hilfe einer spitzen Nadel. Als erste Drucke dieser Technik gelten die Drucke des "Meisters des Hausbuchs", der zwischen 1465 und 1500 in Deutschland arbeitete.

Da der dabei sich aufwerfende Grad auf der Platte beim Drucken schnell wieder niedergedrückt wurde und nur wenige Abzüge gedruckt werden konnten, wurde diese Technik von vielen Künstlern vor allem zum Überarbeiten von geschnittenen oder geätzten Platten verwendet.

Wie im Holzschnitt, kommt auch im Kupferstich Albrecht Dürer (1471-1528) aus Nürnberg eine besondere Bedeutung zu. Durch seine Italienreisen mit den italienischen Stichen vertraut, schuf er Kupferstiche, die diese Technik auf eine völlig neue Stufe hoben. Vorübergehend arbeitete er auch in einer damals neuen Technik, der Ätz-Radierung. Sie ermöglichte ein weitaus spontaneres Arbeiten, da Linien nicht mehr in langwieriger Arbeit in die Platte geschnitten oder gekratzt werden mussten, sondern in eine auf der Druckplatte befindliche dünne Wachsschicht gezeichnet wurden. Die Platte wurde daraufhin in ein Säurebad gelegt, in dem die freigelegten Stellen zersetzt und damit vertieft wurden.

Die Radierung wurde oft auch mit dem Stich kombiniert. Erste Künstler, die damit arbeiteten, waren der Schweizer Urs Graf und Daniel Hopfer aus Augsburg.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Ätz-Radierung als künstlerisches Ausdrucksmittel von Malern und Grafikern wie Rembrandt und Claude Lorrain oder später Tiepolo und Piranesi ausgeübt, während der Stich mehr zum Kopieren von bestehenden Kunstwerken, zur Illustration von Büchern und zur Herstellung von Landkarten genutzt wurde.

Aquatinta
Aquatinta
copyright Eva Pietzcker

Mitte des 17. Jahrhunderts kam die Flächenätzung, Aquatinta genannt, auf und damit die Möglichkeit, gleichmäßige Flächen von Grauwerten zu erzeugen. Allerdings wurde dieser Technik erst im 18. Jahrhundert allgemein bekannt. Ein Meister der Aquatinta war Francisco de Goya, der als Hofmaler am spanischen Königshof die Kehrseite der spanischen Gesellschaft in seinen "Caprichos" ausdrückte.

Mit der Erfindung der Fotografie und Lithografie verlor der Tiefdruck an Bedeutung. Die Radierung entwickelte sich zur reinen Kunstform, die auch deswegen beliebt war, weil sie das Sammeln von Kunst zu erschwinglichen Preisen ermöglichte. Sie wurde von vielen Künstlern ausgeübt wie z.B. im 19. Jahrhundert von den Künstlern der französichen "Barbizon Schule", im 20. Jahrhundert von Käthe Kollwitz und den deutschen Expressionisten, Pablo Picasso und vielen anderen.

Kupferstich

Mit Grabsticheln aus gehärtetem Stahl und von verschiedenen Querschnitten werden Linien in die Platte geschnitten. Der dabei entstehende Grad wird später mit einem Schaber entfernt. Dunkelheiten werden durch das Neben- und Übereinandersetzen von Linien erzeugt.

Kaltnadel

Linienätzung mit Aquatinta
Linienätzung mit Aquatinta
copyright Eva Pietzcker

Die Kaltnadel ist die einfachste und direkteste Zeichentechnik im Tiefdruck. Mit einer spitzen Nadel aus Stahl wird die Zeichnung direkt in eine Metallplatte geritzt. Dadurch entsteht eine Vertiefung mit einem Grad. Beim Einfärben der Platte bleibt Farbe nicht nur in der Vertiefung, sondern auch am Grad hängen, wodurch die gedruckte Linie einen spezifischen weichen und tiefen Charakter hat. Ein möglicher Nachteil dieser Technik ist einerseits, dass der Widerstand des Metalls das Zeichnen erschwert, vor allem aber die Tatsache, dass sich der Grad beim Drucken rasch abnutzt, so dass hohe Auflagen nicht möglich sind.

Radierung, Linienätzung oder Hartgrund

Dazu wird die Platte mit einer Wachs- oder Lackschicht überzogen. In diese Schicht wird mit einer spitzen Nadel hineingezeichnet, wodurch das Metall frei gelegt wird. Im Säurebad zersetzt die Säure diese freigelegten Stellen, wodurch Vertiefungen entstehen. Es ergeben sich, abhängig von der Ätzdauer, der Art der Säure und des benutzten Abdeckmediums, mehr oder weniger feine Linien.

Weichgrund oder Vernis Mou

Hier wird die Platte mit einem speziellen Wachs beschichtet, welches nicht härtet, sondern weich bleibt. Auf die beschichtete Platte wird ein dünnes Papier gelegt, auf das mit verschiedenen Zeichengeräten gezeichnet werden kann. Das Wachs bleibt an der Rückseite des Papiers kleben, wodurch das Kupfer freigelegt wird. Die bearbeitete Platte wird im Säurebad geätzt und kann nach dem Entfernen des Wachses gedruckt werden. Die Charakteristika der verwendeten Zeichenmittel zeigen sich dabei deutlich.

Aquatinta oder Flächenätzung

Kaltnadel mit Aquatinta
Kaltnadel mit Aquatinta
copyright Miriam Zegrer

Zur Ätzung von Flächen mit Grautönen wird auf die Platte ein säurefestes Raster aufgebracht. Die Platte wird dazu mit einem feinen Korn bestäubt. Traditionell wird dazu Asphalt- oder Harzstaub verwendet. Das Bestäuben geschieht mit der Hand oder in einem so-genannten Staubkasten, in dem sich der Staub befindet. Der Staub wird mit Luft in Bewegung versetzt und die Platte in den Kasten gelegt, bis sich der Staub niedergelegt hat.

Die bestäubte Platte wird von unten erhitzt, wodurch der Staub anschmilzt und in gehärtetem Zustand säurefest wird. Im Säurebad schützt das säurefeste Korn die Platte vor der Ätzung. Es wird so zwischen den Körnern in die Tiefe geätzt. Je nach Länge der Ätzzeit ergeben sich verschiedene Vertiefungsstufen, die verschieden viel Farbe aufnehmen und im Druck einen entsprechend tiefen Ton ergeben. Um diese verschiedenen Stufen zu ätzen, werden zwischen den Ätzgängen die Stellen, die nicht länger ätzen, d.h. im Druck nicht dunkler werden sollen, mit einem Lack abgedeckt.

Druck

Kupferdruckfarben bestehen aus Öl und Farbpigment. Zum Druck wird die Farbe auf der Platte verteilt, in die Vertiefungen gedrückt und dann mit Gaze weggewischt, bis die Oberfläche der Platte blank ist und sich Farbe nur noch in den Vertiefungen befindet. Im Gegensatz zum Holzschnitt ist zum Drucken der Radierung eine Presse unverzichtbar. Die eingefärbte Platte wird auf den Drucktisch gelegt, mit einem feuchten Papier und einem Filz bedeckt und durch die Presse gerollt.

Eva Pietzcker

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