This article in English: Seppuku
Seppuku ist eine japanische, rituelle Form des Selbstmordes. Hinter diesem grausamen und barbarischen Akt steht das Konzept im Denken eines Japaners, dass ein ehrenwerter Tod besser ist als ein Leben in Schande.
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Die frühesten verlässlichen Berichte über Seppuku stammen aus dem 11.Jahrhundert, als mächtige Familien Clans um die Macht im mittelalterlichen Japan kämpften. Die Gepflogenheit auf dem Schlachtfeld Selbstmord zu verüben um der Gefangennahme durch den Feind zu entgehen, ist sicherlich noch viel älter.
Die Form des rituellen Seppuku kam wahrscheinlich während der Epoche der Bürgerkriege im 15. und 16. Jahrhundert auf. Mit der endgültigen Einigung und Befriedung Japans unter Tokugawa Ieyasu, 1543-1616, und der Errichtung des Tokugawa Shogunats, war Seppuku nicht mehr länger offiziell unterstützt. Es wurde sogar durch zwei Dekrete in den Jahren 1603 und 1663 verboten. Aber die Praxis wurde trotzdem fortgesetzt. Erst im Jahre 1868 wurde es offiziell durch die Meiji Regierung abgeschafft.
Der letzte bekannte Fall stammt aus dem Jahre 1970, als Yukio Mishima, ein bekannter, rechts-gerichteter Schriftsteller Seppuku in Samurai-Art verübte.
Seppuku wurde als ein Privileg der Samurai und des Adels angesehen. Die Geschichte des japanischen Mittelalters ist voller Erzählungen besiegter Feinde, die von ihren Bezwingern genötigt wurden, Selbstmord zu begehen. Dies wurde als eine Gnade angesehen. Der Verlierer bekam die Möglichkeit, seine Ehre zu bewahren.
Wenn es die Umstände erlaubten, wurde das Selbstmordritual als formelle Zeremonie abgehalten. Sogar Zuschauer waren nichts Ungewöhnliches. Der Selbstmordkandidat war in einen weissen Kimono gekleidet. Vor dem letzten Schritt erwartete man von ihm, dass er ein Todesgedicht schrieb, früher unter den bürgerlichen Ständen ein weitverbreiteter Brauch.
Wenn es an der Zeit war, erwartete man, dass der Seppuku Kandidat einen kurzen Dolch nahm und damit von links unten am Bauch nach rechts oben den Magen aufschlitzte. Dass das extrem schmerzhaft war, bedarf keiner Erwähnung. Dann erwartete man von dem Kandidaten, dass er seinen Hals nach unten senkte. Das war das Zeichen für den Assistenen, genannt Kaishakunin, der hinter ihm stand, mit dem letzten Schritt zu beginnen - dem Abschlagen des Kopfes des Seppuku Selbstmörders - möglichst mit einem wuchtigen Schlag des Schwertes. Der Kaishakunin war oft eine nahestehende Person, oft der beste Freund. Er hatte es in der Hand, das Leiden so kurz wie möglich zu halten, indem er den Kopf mit möglichst einem kräftigen Hieb abschlug.
Samurai Krieger und Edelleute verübten oft auf dem Schlachtfeld Selbstmord. Dann fehlte für grosse Rituale die Zeit und das Prozedere wurde rasch erledigt.
Die Gründe für Seppuku waren vielfältig.
Selbstmord war keine reine Männersache. Für Frauen gab es die Praxis, sich mit einem spitzen Messer oder einer langen und scharfen Haarnadel ins Herz zu stechen.
Eine Reihe von Selbstmorden aus der Geschichte wurden nach und nach zur Legende und Gegenstand von Kabuki Schauspielen und tausenden von Büchern und Ukiyo-e Illustrationen.
Seppuku ist ein ziemlich häufiges Thema in japanischen Kabuki und Noh Schauspielen. Verglichen mit westlichen Theaterstücken zum Beispiel von Shakespeare oder Schiller im Vergleich mit italienischen Opern ist das aber nicht weiter ungewöhnlich. Hervorstechend ist dagegen die häufige Darstellung von Selbstmordszenen in den visuellen Künsten Japans, vor allem auf den traditionellen Farbholzschnitten. Davon sind die meisten wiederum Darstellungen von Kabuki Szenen.
Seppuku Szenen wurden von fast allen Künstlern entworfen, die Aufträge von den Kabuki Theatern annahmen - unter ihnen Kunisada and Kuniyoshi. Diese Bilder zeichnen sich durch intensive Verwendung der Farbe rot zur Darstellung von wahren Strömen von Blut aus. Wir haben uns entschlossen, diese Bilder auf dieser Seite wegzulassen und statt dessen eines der wenigen unblutigen Blätter von Yoshitoshi aufgenommen. Es zeigt den General Akashi Gidayu, gerade im Begriff Seppuku zu begehen, nachdem er im Jahr 1582 für seinen Herrn Akechi Mitsuhide eine entscheidende Schlacht verloren hatte.
Selbstmord spielt bis heute in der japanischen Gesellschaft eine besondere Rolle. Studenten bringen sich um weil sie das Examen nicht schaffen, Geschäftsleute aus Schande über einen Bankrott und Angestellte wegen des Verlusts des Arbeitsplatzes. Unter den industrialisierten Ländern ist die Selbstmordrate Japans die höchste.
Die Selbstmordrate in Japan ist 17, verglichen mit 11 pro 100,000 in den USA. Dagegen ist die Mordrate in Japan nur 1 im Vergleich zu 7 auf 100.000 in den USA. Die Wahrscheinlichkeit entweder durch Selbstmord oder durch Mord zu sterben ist somit in beiden Ländern mit 18 zu 100.000 gleich hoch.
Dieter Wanczura
(April 2003, überarbeitet April 2009)
Friedrich B. Schwan, "Handbuch Japanischer Holzschnitt", 2003, IUDICIUM Verlag, Postfach 701067, D-81310 München, ISBN 3-89129-749-1.
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Friday, March 12, 2010:
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