This article in English: Saigo Takamori - the Last Samurai
Der Film Der letzte Samurai zog eine Menge an Aufmerksamkeit auf Saigo Takamori - die historische Figur aus der Meiji Zeit Japans. Der Film ist beeindruckend und sehenswert. Aber die Handlung ist lediglich Fiktion, die als Basis und Inspiration auf Ereignisse und Personen aus der japanischen Geschichte zurück greift.
Aber wer war Saigo Takamori und worum ging es bei dem Aufstand der Samurai ?
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Für diejenigen unter Ihnen, die den Film gesehen haben, ein kurzer Bezug auf die Namen.
Saigo Takamori ist die geschichtliche Vorlage für Katsumoto im Film - gespielt von Watanabe Ken. Und Omura, sein Gegenspieler im Film und Anhänger einer strikten Ausrichtung des Landes nach westlichem Muster, war historisch gesehen Okubo Toshimichi, 1830-1878. Die Produzenten des Films haben sich auch ganz offensichtlich bemüht, Schauspieler auszuwählen, die den historischen Vorbildern ähnlich sehen. Das trifft jedefalls auf den vierschrötigen Katsumoto und auch auf Omura zu.
Kein historisches Vorbild gibt es dagegen für den U.S. Captain Algren des Films - gespielt von Tom Cruise. Die Satsuma Rebellion war eine rein japanische Angelegenheit.

Saigo Takamori wurde als Sohn eines niederen Samurai geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach einer militärischen Ausbildung und einigen religiösen Studien, trat er in die Dienste von Shimazu Nariakira, dem lokalen Daimyo von Satsuma. Dieses Gebiet von der Grösse einer heutigen Provinz liegt im Süden von Kyushu, der südlichsten der japanischen Hauptinseln.
Nach dem Tode seines Herrn fiel Saigo Takamori in Ungnade. Er wurde sogar ins Exil auf eine entfernte Insel verbannt. Ein Selbstmordversuch war erfolglos. Saigo wurde später rehabilitiert und wieder in den Militärdienst des Daimyo aufgenommen. Er war unter den Kommandierenden, die den erfolgreichen Marsch der Truppen aus Satsuma und Choshu gegen Kyoto befehligten.
Saigo war von beeindruckendem Äusserem. Er war 180 cm gross, für seine Zeit und für einen Japaner ein Riese. Und er war nicht nur hochgewachsen, sondern auch von massiger Gestalt - mit einem Nacken wie ein Sumo Ringer.

Die Ursprünge der Samurai als Klasse gehen auf die Zeiten der Kriege zwischen den Heike und Genji zurück. Die beiden Familien-Clans führten im 10. und 11. Jahrhundert erbitterte Kriege gegeneinander. Toyotomi Hideyoshi, 1537-1598 führte weitreichende Reformen für die Kriegerklasse ein. Um sie besser unter Kontrolle zu halten und im Kriegsfall schneller zur Verfügung zu haben, mussten die Samurai dauerhaft auf den Burgen wohnen. Vor den Reformen von Hideyoshi kultivierten die meisten Samurai ihr eigenes Stück Land und wurden nur im Kriegsfall zu den Waffen gerufen. Für die Ernährung und den Unterhalt dieser neuen Kriegerklasse wurde eine Reissteuer eingeführt.
Hideyoshi hatte ein rigides System sozialer Klassen eingeführt. An der Spitze der Hierarchie standen die Samurai, dann kamen die Bauern, dann die Handwerker und ganz zuletzt die Kaufleute. Die Japaner nennen das System abgekürzt shi-no-ko-sho (Samurai-Bauer-Handwerker- Kaufmann). Die Zugehörigkeit zu einer Klasse war durch die Geburt bestimmt. Der Auf- oder Abstieg von einer Klasse in eine andere war nicht möglich.
Die Samurai hatten weitreichende Privilegien. Nur sie durften Waffen tragen. Mit gewissen Einschränkungen standen sie über dem Gesetz und konnten zeitweise beispielsweise einen Nicht-Samurai wegen Beleidigung töten. Das Leben der Samurai wurde durch Bushido bestimmt - einem Ehrenkodex, der für Personen aus den westlichen Kulturkreisen mental nicht leicht nachvollziehbar ist. Zentrale Themen von Bushido waren die völlige Loyalität gegenüber dem eigenen Herrn und die Überzeugung, dass ein ehrenvoller Tod einem Leben in Schande vorzuziehen ist.
Nach Hideyoshi kam Tokugawa Ieyasu, 1543-1616. Er vollendete die Aufgabe der Befriedung und Einigung Japans. Ieyasu verlegte die Hauptstadt nach Edo und etablierte die Herrschaft des Tokugawa Shogunats (militärischer Führer). Diese sollte immerhin bis 1868 halten und wurde zu einer Epoche von ungefähr 265 Jahren des ununterbrochenen Friedens, der Stabilität und eines bescheidenen Wohlstands - allerdings unter den strengen Zügeln des Tokugawa Regimes.
Die Samurai Klasse machte ca. 8% der Gesamtbevölkerung aus. Aufgrund der langen Friedensepoche waren sie praktisch beschäftigungslos. Viele von ihnen nahmen Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung wahr. Aber ihrem Wesen nach waren sie eine Schicht von Müssiggängern, die von den anderen Klassen der Bauern, Handwerker und Kaufleute miternährt werden mussten.
Im Januar 1868 marschierten Truppen aus Satsuma und Choshu in einem Staatsstreich nach Kyoto, besetzten den kaiserlichen Palast und proklamierten die Wiedereinsetzung des Kaisers in seine früheren Machtbefugnisse. Der japanische Kaiser hatte über mehr als 1000 Jahre nur eine rein repräsentative Rolle inne gehabt. Die eigentliche, treibende Kraft hinter diesem Staatsstreich waren mächtige Clans und Gegner der Tokugawa aus dem Süden - vor allem aus Satsuma. Der Kaiser war mehr eine Schachfigur, den man gut brauchen konnte, um in der breiten Öffentlichkeit Zustimmung zu finden.
Im Jahr 1868 zog der junge Kaiser Prinz Mutsuhito, damals gerade 15 Jahre alt von Kyoto in seine neue Residenz Tokyo um (besser sollte man sagen: er wurde umgezogen). Dieses Ereignis markierte das offizielle Ende der Tokugawa Herrschaft und den Beginn der Meiji Epoche. Diese hatte ihren Namen durch die Namenswahl des jungen Kaisers erhalten. Meiji bedeutet soviel wie "erleuchteter Herrscher".
Am 15. Mai 1868 kam es nochmals zu einem letzten Aufstand der Anhänger der alten Ordnung des Shogunats. Dieser wurde in einer blutigen Schlacht in Ueno, dem heutigen Parkgelände in Tokyo rasch niedergeschlagen. 2000 loyale Tokugawa Anhänger wurden von kaiserlichen Truppen unter der Führung von Saigo Takamori nieder gemetzelt.
Der Kaiser hatte keine echte Macht. Aber er wurde zum Flaggschiff der neuen Epoche. Die eigentliche Macht lag in den Händen einiger Adeliger und Samurai wie Saigo Takamori und Okubo Toshimichi. Diese Männer nannte man die Oligarchen. Sie schlossen den jungen Kaiser gegen Einflüsse von aussen ab. Interessant dabei ist, dass die Meiji Regierung in den ersten Jahren per Dekrete herrschte, die allesamt auf den Kaiser lauteten und von ihm unterschrieben waren.
Erst in späeteren Jahren errang der Kaiser grössere Freiheiten und begann offizielle Reisen zu allen Landesteilen. Aber zu der Zeit war das System der Meiji Regierung bereits fest etabliert und Regierung und breite Öffentlichkeit war unter dem Dach eines neuen Nationalismus geistig eng miteinander verbunden.
Obwohl der Kampf gegen die alte Ordnung des Tokugawa Shogunats mit dem Schlachtruf sonno joi geführt worden war - was soviel heisst wie "respektiert den Kaiser und vertreibt die Barbaren" - bekamen die Befürworter eines strikten Reformkurses nach westlichen Vorbildern rasch die Oberhand. Die neue Meiji Epoche war der Anfang eines extrem ehrgeizigen Programms der Reformen in allen Bereichen der japanischen Gesellschaft. Japan katapultierte sich von einem Feudalwesen zu einer mächtigen, nach westlichem Muster ausgerichteteten asiatischen Grossmacht.
Die treibende Kraft hinter der Modernisierung war in den ersten Jahren Okubo Toshimichi. Er und Saigo Takamori kamen beide aus Satsuma und waren anfangs enge Freunde. Und auch Toshimichi war der Sohn eines Samurai niederen Ranges.
Es war klar, dass die mittelalterliche Klassenstruktur und die Gebräuche der Samurai und der regionalen Fürsten unter der neuen Führung nicht länger toleriert werden konnten. Im Jahr 1871 wurden weitreichende Reformen beschlossen, die den Stand der Samurai de facto abschafften und die einst so mächtigen Daimyo, die Regionalfürsten, enteignete.
Im Januar 1872 hatte die japanische Regierung ihre Absicht bekundet, eine nationale japanische Armee von Wehrpflichtigen nach westlichem Modell zu schaffen.
Saigo Takamori hatte in den Anfangsjahren die Reformen unterstützt. Aber als es an die Privilegien seiner eigenen Klasse ging, geriet sein konservativer Charakter in Konflikt mit der Loyalität gegen sein Land auf der einen Seite und gegen seine eigene Klasse auf der anderen.
Ein weiterer Streitpunkt zwischen Saigo und dem Rest der Regierung war an der Korea-Frage entbrannt. Takamori war ein starker Befürworter einer schnellen Invasion und Besetzung Koreas. Die Mehrheit war dagegen - weniger aus ethischen Erwägungen. Vielmehr hielt man so ein Unterfangen als verfrüht und zu riskant. Man befürchtete das Eingreifen der westlichen Mächte. Diese Diskussion wirft ein interessantes Licht auf die Ereignisse 20 Jahre später, als ein nationalistisches Japan im chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 Korea besetzte und annektierte.

Zu Beginn der Meiji Regierung fanden viele Samurai in der kaiserlichen Armee eine Anstellung. Die neue Armee von Wehrpflichtigen muss für die Samurai unattraktiv gewesen sein. Somit hatten die Samurai nicht nur alle ihre Privilegien verloren, sondern sahen sich auch aller Möglichkeiten beraubt, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und eine Familie zu ernähren.
Bald brachen örtliche Unruhen aus wie in Saga, in der Provinz von Kyushu, im Jahr 1874. Die Zentralregierung konnte Machtverluste oder gar die Etablierung unabhängiger, lokaler Kriegsfürsten nicht dulden und zerschlug diese Aufstände schnell durch Entsendung der neu formierten Nationalarmee in die Unruheregionen.
Im Jahr 1876 wurde das Tragen von Schwertern verboten und auf offizielle Feierlichkeiten beschränkt. Alles in allem eine vernünftige Entscheidung, die aber bei der Samurai Klasse einen Sturm der Entrüstung entfachte.
Im Jahr 1876 trat Saigo Takamori von seinem Regierungsamt zurück und zog sich in seine Heimatstadt Kagoshima zurück. Er gründete örtliche Militärschulen und scharte unzufriedene Samurai in grosser Zahl um sich.
Die Zentralregierung beobachtete den offenen Aufbau einer regionalen, politischen und militärischen Kraft in Satsuma mit Argwohn. Ende des Jahres 1876 kam es zum offenen Konflikt, als Samurai Rebellen Munitions- und Waffendepots der Regierung plünderten.
Die Samurai Rebellen riefen Saigo Takamori zu ihrem Anführer aus. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass er von der raschen Eskalation überrascht war und die Führung nur widerwillig annahm. Halbherzig oder nicht, Saigo organisierte den militärischen Aufstand und stellte eine Armee von circa 25.000 Mann auf, die später möglicherweise noch anwuchs, als mehr Freiwillige sich den Rebellen anschlossen.
Saigo wollte mit seiner Armee gegen Tokyo marschieren. Seine erste militärische Handlung war aber die Belagerung des kaiserlichen Garnison in der Burg von Kumamoto. Das war möglicherweise ein fataler Fehler. Während Saigos Armee durch die Belagerung gebunden war, bekam die Meiji Regierung ausreichend Zeit um die Entsendung von Truppen und den Transport von Nachschub in den Süden zu organisieren.
Die Meiji Regierung lies sich ein kaiserliches Dekret zur Zerschlagung des Aufstandes geben und sandte die Nationalarmee. Nach 54 Tagen der Belagerung mit hohen Verlusten auf beiden Seiten, wurden Saigos Truppen geschlagen und langsam aber stetig nach Süden zurück gedrängt.

Nach zahlreichen Scharmützeln und Gefechten, verschanzte sich Saigo Takamori mit einem kleinen Haufen noch übrig gebliebener 300 Samurai zum letzten Gefecht in den Hügeln von Shiroyama nicht weit entfernt von der Burg Kagoshima und mit Panoramblick aufs Meer.
Die Samurai waren jetzt zahlenmässig hoffnungslos unterlegen, ohne ausreichende Munition und Verpflegung und erschöpft. Zu allem Übel regnete es auch noch seit Tagen, was die altmodischen Kanonen der Samurai unbrauchbar machte.
Saigo und seinen letzten Getreuen war klar, dass sie keine Chance hatten und dass ihre Sache verloren war. Einzig diese (für westliche Gehirne) eigenartige Vorstellung von Ehre hielt sie vor der Kapitulation zurück. "Ein ehrenhafter Tod ist erstrebenswerter als ein Leben in Schande." Nach unbestätigten Berichten hatte der Kommandierende der kaiserlichen Truppen an Saigo einen letzten Brief gesandt und ihn darin aufgefordert, den hoffnungslosen Kampf aufzugeben.
In den frühen Morgenstunden des 24. September begann das Bombardement der Artillerie. Wir konnten über Details der Schlacht keine Angaben finden. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es zu keinem Mann gegen Mann Kampf kam, sondern der Angriff ein durch die Artillerie ausgeführtes Massaker war - gegen eine kleine Gruppe von Aufständischen, die buchstäblich zu ihrer Verteidigung nur noch ihre Schwerter besassen.
Die Körper von Saigo Takamori und seiner engsten Mitsteiter wurden enthauptet gefunden. Die letzten Samurai hatten Seppuku verübt, indem sie sich gegenseitig mit dem Schwert den Kopf abschlugen. Dies war die traditionelle Samurai Art des Selbstmordes auf dem Schlachtfeld wenn keine Zeit für den rituellen Selbstmord war.

Saigo Takamori wurde von der japanischen Bevölkerung als Held verehrt. Und diese Haltung hat bis heute nichts von ihrer Popularität eingebüsst. Seine Wertschätzung in Kagoshima ist ungefähr so wie die für den General Robert E.Lee in Texas.
Im Zentralpark von Kagoshima steht eine Statue von Saigo Takakamori in voller (westlicher) Unifrom. Und eine weitere findet man im Ueno Park in Tokyo. Sie zeigt den grossen Staatsmann und "letzten Samurai" lässig mit einem Kimono bekleidet, wie er seinen Hund spazieren führt.
Viele Jahre später machte die Meiji Regierung einen geschickten Schachzug, indem sie den populären Helden posthum begnadigte und gleich noch mit etlichen Ehrungen und Beförderungen überhäufte. Und man tat sein Bestes um Saigo Takamori als tragischen Helden zu vermarkten.

Die Nachrichten von der Satsuma Rebellion hatten in der Öffentlichkeit eine grosse Neugierde nach mehr schriftlichen und bildlichen Informationen geweckt. Viele einfache japanische Bürger konnten nicht oder nur schlecht lesen und schreiben. Und die Photografie war noch im Anfangsstadium. Deshalb waren Bilder in traditioneller Holzschnittmanier immer noch das wichtigste Mittel um aufregende Neuigkeiten an die Öffentlichkeit zu bringen.
Japanische Zeitungen vergaben an Ukiyo-e Künstler Aufträge oder beschäftigten sie direkt, wie später den populären Yoshitoshi. Und für Verleger war es ein gutes Geschäft in einem insgesamt rückläufigen Markt.
Die Druckqualität dieser Blätter ist nicht immer die beste. Grafiken, die vom Tagesgeschehen berichteten, mussten schnell produziert und auf den Markt gebracht werden. Die ersten machten das Geschäft und die letzten hatten das Nachsehen. Sammler sollten das wissen und Kompromisse eingehen. Der Reiz dieser Blätter liegt im Design und dem historischen Thema und der Seltenheit eines Entwurfs. Auch Yokohama-e, Bilder von Fremden aus dem Westen und deren Gebräuche und Errungenschaften fallen in diese Qualitätskategorie.
Holzschnitte mit Bezug zur Satsuma Rebellion wurden von nahezu allen Künstlern der Zeit entworfen, wie Kunichika oder Yoshitora. Ganz vorne dran war natürlich Yoshitoshi - der führende Künstler für Sensationsthemen und jede Menge an Blut.
Für Yoshitoshi, der für viele Jahre nicht mal genug zum Essen hatte, kam die grosse Nachfrage nach populären Illustrationen der Satsuma Rebellion wie ein Wendepunkt in seiner Karriere. Er wurde mit Aufträgen geradezu überhäuft. Und 5 Jahre später, im Jahr 1882 erhielt er sogar eine feste Anstellung bei Tokyos führender Zeitung.

In dem Film Der letzte Samurai spielt Tom Cruise die Rolle des Captain Algren, der für die Meiji Regierung als militärischer Berater und Trainer kommt und am Ende für die Sache der Samurai kämpft. Die Figur des Captain Algren ist reine Fiktion. Kein Nicht-Japaner war unter den Aufständischen.
In den frühen Tagne der Meiji Regierung gab es allerdings einige Militärberater aus dem Westen. Aber die kamen aus Frankreich und Preussen. Kein Amerikaner war beim Aufbau der japanischen Armee beteiligt.
Im 1871 wurde ein Dekret verabschiedet, das allen Personen mit öffentlichen Ämtern oder höherer Stellung empfahl, westliche Kleidung zu tragen und den traditionellen Pferdeschwanz der Samurai durch einen modernen Kurzhaarschnitt zu ersetzen. Das war aber eine Empfehlung und es wurde kein physischer Zwang ausgeübt.
Der grösste Mythos im Film ist das Bild der tapferen Samurai, die mit Pfeil und Bogen und mit Schwertern gegen Kanonen und moderne Gewehre kämpfen. Und dabei wird der Eindruck erweckt, als geschähe das aus Verachtung gegenüber modernen Feuerwaffen.
Unter historischen Gesichtspunkten ist das blanker Unsinn, wenn man von der allerletzten Schlacht absieht, bei der die Samurai keine Munition mehr hatten. Feuerwaffen wurden bereits im 16. Jahrhundert von den Portugiesen ins Land gebracht. Oda Nobunaga hatte sofort den Wert von Feuerwaffen für die Kriegsführung entdeckt und integrierte die neue Waffe schnell in sein eigenes Heer. Im Lauf der Zeit fügten die Japaner einige Verbesserungen hinzu und Gewehre und Kanonen wurden seitdem von den Samurai als selbstverständlich benutzt.
Saigos Samurai Rebellen waren mit Kanonen und Gewehren ausgestattet. Aber ihre Ausrüstung war der Feuerkraft der nationalen Armee unterlegen. Während die Gewehre der Samurai einen Schuss pro Minute erlaubten, waren die Gewehre der Regierungssoldaten auf 6 Salven pro Minute ausgelegt.
Die Rüstungen und Helme, die die Samurai im Film bei ihrer letzten Schlacht tragen, sahen grandios aus und wären für jedes Kostümfest eine echte Bereicherung. Aber historisch gesehen ist das Blödsinn. Die Samurai Aufständischen waren entweder in westliche Uniformen gekleidet oder trugen ihre eigenen Gewänder. Zur besseren Unterscheidung zwischen Freund und Feind trugen sie eine weisse Binde über dem Oberarm. Saigo Takamori selbst wird auf allen zeitgenössischen Illustrationen in der Uniform eines hochrangigen Offiziers nach westlichem Stil dargestellt - mit reichlich Lametta behaftet.
Dieter Wanczura
(Februar 2004, überarbeitet Juli 2009)
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