This article in English: Biography of Kunisada Utagawa
Zu Lebzeiten wurde Utagawa Kunisada von seinen Zeitgenossen als der beste Ukiyo-e Künstler angesehen. Er war bekannter und beliebter als Hiroshige, Hokusai oder Kuniyoshi. Eine Kunisada Biographie liest sich wie eine Erfolgs-Story.
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Kunisada wurde in der Nähe von Edo (heute Tokyo) als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns mit einer Fährboot Lizenz geboren. Im Alter von 15 Jahren trat er in die berühmte Schule von Utagawa Toyokuni ein und nahm den Künstlernamen Kunisada an. Wie die meisten Lehrlinge, fing auch Kunisada mit Schauspieler Porträts an. Ukiyo-e Schulen erhielten diese Aufträge als Routinearbeiten von den Kabuki Theatern.
Im Jahr 1807 schuf Kunisada sein erstes illustriertes Buch. Und im Jahr 1808 wurden seine ersten eigenen Schauspieler Drucke herausgegeben. Während andere Künstler wie Kuniyoshi Utagawa oder Hiroshige Ando für ihre Anerkennung schwer kämpfen mussten, war Kunisada von Anfang an erfolgreich. Am Ende seines Lebens war er der kommerziell erfolgreichste Ukiyo-e Künstler aller Zeiten. Sein früher Erfolg hatte keinen all zu guten Einfluss auf seinen Charakter. Kunisada soll ziemlich eingebildet gewesen sein.
Kunisada entwarf ein weites Spektrum traditioneller Ukiyo-e Themen wie Kabuki Szenen, schöne Frauen, historische Begebenheiten und etliche Shunga Grafiken. Er machte nur wenige Landschaften.
Im Jahr 1825 starb Toyokuni I. Später, im Jahr 1844, entschied sich Kunisada den Namen seines Meisters anzunehmen und nannte sich von da ab Toyokuni. Er wird aber in der Literatur als Toyokuni III geführt. Der Name Toyokuni II war nämlich schon von einem weniger bekannten und eher mittelmässigen Ukiyo-e Künstler belegt - und zwar von Toyoshige. Er war der Schwiegersohn von Toyokuni I und wurde nach dem Tode seines Schwiegervaters der Leiter der Utagawa Schule. Toyoshige wird jetzt als Toyokuni II geführt. Kunisada war außer sich als er vernahm, dass Toyoshige statt seiner zum Chef der Utagawa Schule ernannt wurde.
Die Namenswechsel der Ukiyo-e Künstler können für einen Anfänger recht verwirrend und lästig werden. Diese Liste hilft vielleicht ein wenig.
Viele der Grafiken, die die Signatur von Kunisada tragen, haben vor dem Künstlernamen Namen Kunisada, bzw. Toyokuni die Anfügung Gototei, Kochoro oder Ichiyosai stehen. In den Jahren 1844/45 benutzte Kunisada auf etlichen seiner Farbholzschnitte die Signatur "Kunisada zu Toyokuni wechselnd". Im Jahr 1845 trat Kunisada "offiziell" in den Ruhestand und nannte sich Shozo. Aber das hieß nicht, dass er keine Grafiken mehr machte.
Obwohl es zwischen Kunisada und Kuniyoshi eine lebenslängliche Rivalität gab, entwarfen und veröffentlichten die beiden Männer eine gemeinsame Serie. Utagawa Kunisada schuf auch mehrere gemeinschaftliche Farbholzschnitte mit Hiroshige I. Im Jahr 1852 entwarf er die Serie Restaurants in Edo und im Jahr 1855 die Folge Die 53 Stationen aus 2 Pinseln. in Zusammenarbeit mit Hiroshige.
Kunisada hatte auch eine gut gehende Ukiyo-e Schule. Seine besten Studenten waren Kunichika und Chikanobu, die später selbst berühmte Künstler der japanischen Grafikkunst wurden.
Die Anzahl der Kunisada Entwürfe wird auf mehr als 20.000 geschätzt. Kunisada Grafiken gehören zu denen, die Sammler am Kunstmarkt häufig finden. Die Preise bewegen sich mit Ausnahmen im mittleren und unteren Bereich. Kunstkritiker sehen seine Werke mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Während einige seiner Grafiken zu den besten Meisterwerken japanischer Ukiyo-e Kunst gezählt werden, werden heute viele nur als durchschnittlich gesehen. Die Preise auf dem Kunstmarkt spiegeln diese Meinung wieder. Und deswegen können einige der seltenen und hoch geschätzten Blätter leicht die tausend Euro Grenze überschreiten während die meisten seiner Farbholzschnitte für 100 bis 500 EURO erhältlich sind.
Wie üblich wird auch bei Utagawa Kunisada darüber spekuliert in welchem Maße er diese 20.000 Designs alle selbst geschaffen hat. Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass viele aus den Händen seiner Schüler unter lockerer Aufsicht des Meisters entstanden sind.
Das war in europäischen Kunstwerkstätten der großen Meister nicht viel anders. Dürer oder Rubens beschäftigten in ihren Werkstätten wenigsten 12 Lehrlinge, die am Entstehen der Kunstwerke aktiv beteiligt waren. Und warum auch nicht? Die Vorstellung, daß ein Kunstwerk das Ergebnis eines Augenblicks göttlicher Eingebung ist, entstand erst im 20. Jahrhundert mit seiner Betonung von Kreativität. Die japanische Kultur des Edo Zeitalters sah Ukiyo-e als Kunsthandwerk an - bestenfalls.
Dieter Wanczura
(November 2001, überarbeitet Mai 2009)
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