Katsunori Hamanishi bevorzugt eine sehr arbeitsaufwendiges Druckverfahren - den Mezzotinto. Diesen beherrscht er wie kein anderer in Perfektion. Die Möglichkeit der fliessenden Farbübergänge bietet dem international preisgekrönten Künstler das ideale Mittel, seine surrealistisch-abstrakten Kompositionen mit fotorealistischer Präzision umzusetzen.
Katsunori Hamanishi ist 1949 auf der zweitgrössten japanischen Insel Hokkaido geboren. Das Studium an der Tokai Universität in Kanagawa Präfektur beendete er 1973 mit dem Master für Bildende Künste. In den Jahren 1987/88 absolvierte Hamanishi erneut ein Kunststudium absolvierte, diesmal mit einem Stipendium des Kultusministeriums in den USA an der University of Pennsylvania.
Zu diesem Zeitpunkt war Katsunori Hamanishi bereits ein anerkannter Künstler und sowohl in Europa wie auch in Nordamerika bei renommierten Ausstellungen ausgezeichnet worden. Seine internationale Präsenz blieb fortan bestehen und gewann vor allem in den USA große Aufmerksamkeit. Zwei Gast-Lehraufträge in den USA, an der University of Pennsylvania sowie an der Bradley University, belegen Hamanishis Renommee.
Die aus dem Europa des 17. Jahrhunderts stammende Kunst des Mezzotinto, die Katsunori Hamanishi vor allem benutzt, erfordert viel Zeit und Ausdauer. In dieser Hinsicht steht das Verfahren dem aufwendigen traditionellen Farbholzschnitt nicht nach.
Die Kupferplatte wird zunächst mit Spezialwerkzeugen komplett gleichmässig angerauht. Je enger dabei das Rasternetz oder die Körnung (vom Werkzeug abhängig) ist, umso satter und intensiver fallen die dunklen Stellen aus. Mit einem Schabeisen wird anschliessend durchs Glätten und Polieren die Farbsättigung - entsprechend der übertragenen Vorzeichnung - wieder zurückgenommen, der Bildgegenstand somit als Negativ plastisch herausmodelliert. Gänzlich strukturlose, glatt polierte Stellen, die also keine Farbe aufnehmen können, ergeben im Druck weisse Stellen.

Katsunori Hamanishi betreibt schon beim Präparieren der Kupferplatte einen aussergewöhnlich hohen Aufwand. Bis zu 13 Stunden investiert er dafür, die Druckplatte mit einem engen Raster - vertikal, horizontal und diagonal - zu überziehen.
Umso arbeitsintensiver gestaltet sich das anschliessende Glätten. Die üppige Farbintensität an den dunkelsten Stellen, die bei Hamanishi bis zu einem tiefen Schwarz reichen kann, bietet viel Raum, weiche Farbverläufe sowie feinste Farbnuancen zu meistern. Dadurch sind nicht nur malerische Wirkungen möglich, sondern auch Räumlichkeit und Plastizität.

Katsunori Hamanishi ist sowohl in der japanischen Tradition wie auch in der westlichen Kunstgeschichte zu Hause. Seine Motive und Bildelemente entstammen dem traditionellen japanischen Repertoire.
Es sind architektonische Elemente, mit vorliebe Fenster, Pflanzen, nicht selten von symbolischer Bedeutung, zuweilen auch landschaftliche Elemente. Ihre Verarbeitung zwischen surrealistischen Visionen und abstrakten Kompositionen orientiert sich vorwiegend an der westlichen Kunst. Die jüngsten Arbeiten des Künstlers enthalten zudem Applikationen aus Gold, Silber, Kupfer, Blei und Glimmer-Staub.
Die künstlerische Praxis führte Katsunori Hamanishi von der fotorealistisch aufgefassten Gegenständlichkeit allmählich zur Abstraktion. Die Übergänge bleibend dabei fliessend, da auch die gegenständlichen Darstellungen einer abstrakten Flächenkomposition folgen. Wie den Surrealisten Dalí oder Magritte gelingt es Hamanishi dadurch, beide Sujets in einem Bild zu verbinden.
rp (September 2007)
(gekürzt und überarbeitet von Dieter Wanczura, Mai 2009)
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