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Das grosse Kanto Erdbeben und japanische Grafiken

Lithografie von unbekannt
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Inferno bei Nihonbashi
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This article in English: Kanto Earthquake

Das grosse Kanto Erdbeben war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Menschheit und das schlimmste bekannte Erdbeben in der Geschichte der japanischen Inseln.

Das Bild links zeigt Zelte zur Unterbringung der Verwundeten vor dem St. Luca Krankenhaus in Tsukiji an einem regnerischen Herbsttag des Jahres 1923.

Die Ereignisse

Am 1. September um 11:58 trifft ein verheerendes Erdbeben die dicht bevölkerte Region von Tokyo und Yokohama. Die Erdstösse erreichten bis zu 7.9 auf der Richter Skala. Die Folgen, die durch die sofort ausbrechenden Feuer entstehen, sind bei weitem schlimmer als die des Erdbebens selbst. Als das Beben einsetzte, waren viele Kohleöfen in Betrieb um das Mittagessen zu kochen. Und leichte bis kräftige Winde unterstützten das rasche Ausbreiten der Feuer, die erst nach 3 Tagen zum Erliegen kamen.

Die Zahl der Toten war fürchterlich. 140.000 Menschen verloren ihr Leben - 58.000 davon in Tokyo. Die typischen japanischen Häuser waren Leichtbauten mit hölzernen Dachziegeln. Feuer waren deshalb in japanischen Städten immer schon eine grosse Bedrohung gewesen. Die Häuser waren zudem im bevölkerungsreichen Japan sehr eng aneinander gebaut. Als die Katastrophe passierte, hatten die Menschen keine Freiflächen auf die sie sich retten konnten. Die meisten Opfer erstickten oder verbrannten.

Tokyo und Yokohama wurden zu 70 bis 80 Prozent zerstört. Photographien nach dem Desaster zeigen komplett flach gemachte Stadtviertel. Heute erinnert das Kanto Earthquake Museum in Tokyo an die Katastrophe und gedenkt der Toten.

Nach dem Erdbeben

Saiten Tamura 1889-1933
Japanische Grafiken - Überblick
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Zelte beim St.Luca Hospital
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Am 2. September 1923 rief die japanische Regierung den Notstand aus.

Die Kommunikation zwischen der betroffenen Region und dem Rest Japans und der Welt war fast komplett abgeschnitten. In den ersten Tagen und Wochen nach dem Erdbeben waren handgeschriebene Zettel wie sie auf der Grafik von Saiten Tamura (unten) zu sehen sind, die einzige Möglichkeit die Bürger zu informieren und die Rettungsarbeiten organisatorisch zu unterstützen.

Die Nachricht von der schrecklichen Katastrophe wurde zuerst von Schiffen, die im Hafen von Tokyo und Yokohama ankerten, an die Aussenwelt übermittelt. Als die ersten Meldungen in den Hauptstädten der Welt eintrafen, wurden von den USA und anderen Ländern rasche Hilfsmassnahmen eingeleitet.

Nach den Rettungsarbeiten und den Abräumen der Trümmerhaufen begann der Wiederaufbau - zuerst recht langsam und zögerlich. Ab 1926 nahm der Wiederaufbau ein geradezu atemberaubendes Tempo an und bis zum Jahr 1932 waren Tokyo und Yokohama moderne, pulsierende Städte geworden. Im Jahr 1932 war die Einwohnerzahl in der Präfektur von Tokyo von 3,7 Millionen im Jahr 1920 auf 6 Millionen angestiegen.

Das Kanto Erdbeben und japanische Grafiken

Saiten Tamura 1889-1933
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Barackendorf im Hibiya Park
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Künstler haben in der Geschichte immer schon grosse Naturkatastrophen und Kriege in ihren Werken behandelt. Schriftsteller, Filmemacher, Maler und Grafiker sind oft sensible Menschen und wollen die Ereignisse innerlich aufarbeiten. Das war in der Kunst so nach den beiden Weltkriegen und nach Vietnam und jetzt nach den Terroranschlägen gegen das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington DC kann es wieder beobachtet werden.

Japanische Grafikkünstler in der Tokyo Region wurden von dem Erdbeben hart getroffen. Der berühmte Watanabe Print-Shop wurde völlig zerstört und hunderte von Holzblöcken gingen für immer verloren. Die meisten Künstler wie Kawase Hasui hatten ihre Häuser oder Wohnungen verloren.

Der Shin Hanga Verleger Watanabe Shozaburo und seine Mitarbeiter und die mit ihm zusammenarbeitenden Künstler mussten wieder von vorne anfangen. Am Anfang produzierten sie kleine Grusskarten und Kalender.

Die Unterstützung seiner ausländischen Kunden aus Nordamerika und Europa in Form von grösseren Aufträgen halfen Watanabe und seinem Kreis sich rasch von der Katastrophe zu erholen. Viele der populärsten Grafikentwürfe wurden neu aufgelegt.

Japanische Grafiken, die die Zerstörungen und Szenen aus der Zeit unmittelbar danach zeigen, sind selten. Unichi Hiratsuka begann eine Serie mit dem Titel Szenen nach dem Tokyo Erdbeben - Tokyo shinsai ato fukei. Zwölf Grafiken wurden davon zwischen 1923 bis 1926 aufgelegt. Und während die ersten Entwürfe noch die Zerstörungen zeigen, sind auf den späteren Grafiken die Aufbauarbeiten zu sehen.

Grafiken mit Darstellungen des Wiederaufbaus der Stadt nach dem Erdbeben sind bei weitem in der Mehrzahl. Kishio Koizumi entwarf und schnitzte die Serie 100 Ansichten von Gross-Tokyo in der Showa Epoche von 1928 bis 1937. Die Farbholzschnitte sind eine beeindruckende Dokumentation der enormen Wiederaufbauarbeiten.

100 Ansichten von Tokyo
Kishio Koizumi - Biografie
Kishio Koizumi - Biografie
Kishio Koizumi 1893-1945
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Von 1929 bis 1932 wurde die Serie Einhundert Ansichten des neuen Toykyo - Shin Tokyo Hyakkei - veröffentlicht. Es war eine Gemeinschaftsarbeit mit Beiträgen der Künstler Koshiro Onchi, Maekawa Senpan, Sumio Kawakami, Fukazawa Sakuichi, Fujimori Shizuo, Henmi Takashi und Suwa Kanenori. Die Serie zeigt Ansichten der wiederaufgebauten Stadt und spiegelt den ungebrochenen Geist der Bürger Tokyos wieder.

Die Grafik von Saiten Tamura zeigt eine hastig errichtete Barackenstadt im Hibiya Park im Herbst 1923 mit verschiedenen Hinweisen des japanischen Roten Kreuzes.

Dieter Wanczura
(Oktober 2002, überarbeitet April 2009)

Literaturquellen

  • Helen Merritt, "Modern Japanese Woodblock Prints - The early years", published by University of Hawaii Press, Honolulu, 1990, ISBN 0-8248-1200-X
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