This article in English: Emperor Meiji
Als er den kaiserlichen Thron im Jahr 1868 bestieg, war er erst 15 Jahre alt. Und als er im Jahr 1912 starb, war Japan von einem mittelalterlichen, feudalen Land zu einer nach westlichem Muster geformten asiatischen Grossmacht aufgestiegen. Obwohl der Kaiser Meiji niemals die tatsächliche Macht ausübte, wurde er zur Gallionsfigur einer neuen Ära, die seinen Namen trug.
Die japanischen Kaiser waren seit dem 9. Jahrhundert AD ohne Macht gewesen. Im Jahr 1192 machte sich Yoritomo, Oberhaupt des mächtigen Minamato Clans, zum ersten Shogun Japans. Das Shogunat war ein System militärischer Herrschaft, das erst im Jahr 1868 zu Ende ging, als der letzte Shogun, Yoshinobu aus der Tokugawa Familie, zum Rücktritt gezwungen wurde. Der Tokugawa Clan hatte Japan seit 1603 regiert.
Während der Tokugawa Herrschaft war Japan von der Aussenwelt vollständig isoliert. Kein Japaner durfte das Land verlassen und kein Ausländer durfte Japan betreten. Der Handel mit der Aussenwelt war nur über die holländische Ostindische Handelsgesellschaft erlaubt. Die Anwesenheit der Holländer war auf eine Enklave beschränkt - die kleine Insel Deshima im Hafen von Nagasaki.
Die Verhältnisse änderten sich über Nacht als eine US Flotte eiserner Schiffe unter dem Kommandanten Matthew Calbraith Perry (1794-1858) im Jahr 1853 und ein zweitesmal ein Jahr später in der Bucht von Tokyo ankerte. Beim zweiten Besuch wurde Japan im Abkommen von Kanagawa gezwungen seine Grenzen zu öffnen.
Im Nachgang der erzwungenen Öffnung des Landes kam es zu Unruhen und Bürgerkrieg zwischen dem Tokugawa Shogunat und dessen Gegnern, die von den Familien der Satsuma und Choshu angeführt wurden. Die Gegner des Shogunats waren strikt gegen die Öffnung des Landes für Fremde. Die Position der Tokugawa Regierung wurde zusätzlich von einer verheerenden wirtschaftlichen Depression mit Hyper-Inflation und einer Hungersnot aufgrund von Missernten erschwert.
Die Gegner des Tokugawa Shogunats scharten sich um den Kaiser Komei. Die kaiserliche Residenz befand sich seit Jahrhunderten in Kyoto. Im Januar 1868 bewegten sich die Truppen des Shogun Tokugawa Yoshinobu auf Kyoto zu. Sie wurden in der Schlacht von Toba geschlagen und mussten sich nach Edo (Tokyo) zurück ziehen. Der Schlachtruf der siegreichen Samurai Krieger der Satsuma and Choshu war sonno joi - Respektiert den Kaiser und vertreibt die Barbaren.
Am 15. Mai 1868 kam es zu einer letzten Rebellion der Kräfte des Shogunats an der Stelle, an der sich heute in Tokyo der Ueno Park befindet. Zwei tausend Anhänger der alten Tokugawa Ordnung wurden von kaiserlichen Truppen unter der Führung von Saigo Takamori, dem Oberhaupt des Satsuma Clans, in der blutigen Schlacht von Ueno vernichtend hingemetzelt.
Prinz Mutsuhito, erst 15 Jahre alt, hatte bereits ein Jahr zuvor, 1867, als 122. Kaiser Japans den Thron bestiegen. Er nahm den Namen Meiji an, was soviel wie erleuchteter Herrscher bedeutet. Der junge Kaiser verlegte seine dauerhafte Residenz von Kyoto nach Tokyo. Alle Edikte wurden in seinem Namen veröffentlicht, obwohl die wirkliche Macht bei anderen lag, vor allem bei den Satsuma und Choshu Familien.

Überraschend war, wie die Fremdenfeindlichkeit der siegreichen Truppen um den jungen Kaiser von einem Tag zum anderen ins Gegenteil wechselte - in eine Haltung, die alles ausländische mit offenen Armen aufnahm. Sonno joi wurde durch den neuen Slogan bummei kaika - Zivilisation und Erleuchtung ersetzt.
Die japanische Nation unterzog sich einer Ochsentour, um sich nach westlichen Vorbildern komplett umzugestalten. Ein Staatsmann der Meiji Regierung, Ito Hirobumi, wurde zur treibenden Kraft der Verwestlichung Japans. Obwohl er von einfacher Herkunft war, wurde er die einflussreichste Persönlichkeit der Meiji Epoche. Im Jahr 1909 wurde er ermordet.
Der Prozess der Verwestlichung wurde mit grösster Energie angegangen. Delegationen für alle Bereiche von Wissenschaft und Technik wurden nach Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika ausgesandt, um die politischen, ökonomischen, technischen und kulturellen Systeme zu studieren. Tausende von japanischen Studenten wurden ermuntert ins Ausland auf westliche Universitäten zu gehen. Gleichzeitig wurden tausende von Ausländern als Ingenieure, Wissenschaftler und Lehrer ins Land geholt.
Die Japaner verfolgten die Anpassung an den Westen und die Industrialisierung so gründlich, dass das Land in Gefahr geriet sein eigenes kulturelles Erbe über Bord zu werfen. Ironischerweise war es eine Handvoll einflussreicher Asuländer, die an japanischen Universitäten lehrten, wie zum Beispiel Ernest Fenellosa (1853-1908), die die Japaner überzeugten, ihre reichen Traditionen zu erhalten.
Historiker vertreten die Ansicht, dass die Ereignisse in China die wichtigste Antriebskraft hinter Japans grossen Anstrengungen war. China, das über hunderte von Jahren für Japan immer die Rolle des grossen Schulmeisters inne hatte, war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwach gewesen. Dadurch wurde es zum Spielball westlicher imperialistischer Mächte wie England und musste schmerzhafte territoriale und wirtschaftliche Konzessionen machen.
Kaiser Meiji hatte bei der Verwestlichung Japans nur eine repräsentative Rolle. Dennoch war seine Unterstützung äusserst wichtig. Die ländliche Bevölkerung sah im Kaiser eine Gott-gleiche Figur. Somit wurde alles was er tat rasch kopiert und akzeptiert - wie beispielweise das Tragen westlicher Kleidung.
Kaiser Meiji und Kaiserin Haruko waren ständig bei repräsentativen Auftritten unterwegs. Der Kaiser war mit dem Bewusstsein aufgezogen worden, dass seine wichtigste Pflicht der Dienst für das Vaterland war. Er und die Kaiserin spielten die Rolle einer modernen westlichen Familie, die das Land auf seinem Weg zu "Zivilisation und Erleuchtung" anführten. Eines der Hauptanliegen des Kaisers war das Erziehungswesen. Während seiner Regierungszeit wurde ein Pflichtschulsystem eingeführt.
Trotz der ständigen repräsentativen Auftritte des kaiserlichen Paars bei Gelegenheiten wie der Eröffnung einer neuen Eisenbrücke oder einer neuen Eisenbahnlinie, sickerte wenig über das Privatleben des Kaisers nach aussen. Interviews, die nach dessen Tod im Jahr 1912 mit einigen der Männer aus seiner Umgebung geführt wurden, enthüllte entweder Trivialitäten oder gegensätzliche Aussagen. Die einzige originäre Quelle, die einen privaten Einblick in seine Seele gestatten würde, sind die Gedichte, die er schrieb. Sie werden Gyosai genannt und zeigen eine eher sensible Persönlichkeit.

In den Jahren 1894/1895 errangen die Japaner einen leichten Sieg gegen China im chinessich-japanischen Krieg. Der Konflikt war über Japans Streben nach hegemonialer Kontrolle über Korea ausgebrochen. Zehn Jahre später in den Jahren 1904/1905 besiegten die japanischen Streitkräfte die russische Flotte und eine russische Land-Armee. Der Streit ging um die Manchurai. Beide Kriege wurden aufgrund der überlegenen japanischen Waffen-Technologie gewonnen.
Die westliche Welt staunte nicht schlecht. Japan hatte sich innerhalb von nur 30 Jahren von einem Feudalland in eine überragende asiatische Macht gewandelt.
Am 30. Juli des Jahres 1912 starb Kaiser Meiji. Sein Sohn Yoshihito folgte dem Vater auf den Thron. Mit ihm endete die Meiji Epoche und die Taisho Epoche begann.
Die Meiji Restauration brachte auch neue Themen für japanische Farbholzschnitte mit sich. Holzschnitte waren ein Mittel um ein breites Publikum mit Neuigkeiten zu versorgen. Die erste Welle neuartiger Themen zeigte die Fremden mit ihren Familien und deren technische Errungenschaften wie Dampfschiffe oder Eisenbahnen. Dieses Genre wird Yokohama oder Nagasaka Grafiken genannt - nach den Enklaven, in denen die Fremden in den ersten Jahren residierten.
Nach der Proklamation der Meiji Restauration wurden Holzschnitte mit Szenen vom kaiserlichen Hof oder der industriellen Entwicklung Japans populär. Diese Grafiken wurden von Künstlern wie Toyohara Chikanobu, Kunichika, Watanabe Nobukazu oder Hiroshige III geschaffen und deckten einen klaren Marktbedarf ab. Unabsichtlich hatten sie auch eine propagandistische Funktion. Die meisten Holzschnitte mit Darstellungen des Kaiserpaars wurden als Triptyche verlegt. Chikanobu konzentrierte sich auf Entwürfe mit höfischen Szenen. Hiroshige III hatte sich auf die Darstellung von Transportmitteln und herausragenden öffentlichen Gebäuden spezialisiert.
Die Anziehungskraft der Farbholzschnitte dauerte nur bis zur Zeit des chinesisch-japanischen Krieges der Jahre 1894/95. Sogenannte Kriegsdrucke, die die Ereignisse von der Front in Korea und der Manchurai zeigten, waren in den Jahren 1894/95 noch ein blühendes Geschäft. Nur zehn Jahre später während des russisch-japanischen Krieges hatte die Photographie den Farbholzschnitt als Illustrationsmedium ersetzt.
Dieter Wanczura
(November 2002, überarbeitet Juni 2009)
Japan at the Dawn of the Modern Age, Woodblock Prints from the Meiji Era, 1868-1912, MFA Publications, Museum of Fine Arts Boston, ISBN 0-87846-619-3 softcover.
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