In aller Stille ist in Deutschland ein neues Buch zum Thema des japanischen Holzschnitts erschienen, das in seiner Art einzigartig ist. Hinter dem schlichten Titel Handbuch Japanischer Holzschnitt verbirgt sich eine Neuerscheinung, die es bisher in dieser Form zu diesem Thema nicht gegeben hat.
Das Buch lässt sich nicht so einfach beschreiben. Es ist einseits ein Handbuch zum japanischen Holzschnitt, das in Teil II unter der Kapitelüberschrift "Das Produkt" alle Aspekte des japanischen Holzschnitts systematisch und ausführlich behandelt.
Es ist aber mehr als ein Handbuch nur über den japanischen Holzschnitt. Es wartet nämlich mit einer Fülle von Hintergrundinformationen zu den Themen auf, die auf japanischen Holzschnitten behandelt werden. Das umfasst die Geschichte Japans, die Kultur und das soziologische Umfeld.
Man lernt von diesem Buch Dinge, die man selbst als intensiver Kenner der Materie bisher nicht wusste und auch in keinem der üblichen Bücher über Ukiyo-e finden wird. Der Autor, Friedrich B. Schwan, berichtet in unzähligen Kapiteln über das Leben der Menschen in Japan im Edo Zeitalter. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. Man erfährt zum Beispiel die ungeschminkte und traurige Wahrheit über das Leben der Prostituierten in den lizensierten Vergnügungsvierteln wie Yoshiwara. Die prächtigen Bilder schöner Frauen, auch Bijin-ga genannt, gaukeln eine Scheinwelt vor.
Zeitangaben, eine Bibliographie und ein Register vervollständigen das Werk, das mit 833 Seiten auch ein physisches Schwergewicht darstellt.
Der Autor, Robert F. Schwan, begann mit der systematischen Beschäftigung mit dem Thema des japanischen Holzschnitts und dem Veröffentlichen von Artikeln vor 20 Jahren. Das Buch ist das Kompendium seines über diesen Zeitraum erworbenen und aufgezeichneten Wissens.
Das Handbuch japanischer Holzschnitt ist mit einem Preis von 130 EURO nicht unbedingt billig. Aber erstens kann so ein Buch nicht billig sein und zweitens lohnt es sich wirklich. Während ich die üblichen, reich bebilderten Ukiyo-e Bücher häufig kurze Zeit nach Kauf mehr oder weniger ungelesen in das Bücherregal stelle, lese ich dieses Buch kontinuierlich in kleinen Portionen.
Der einzige Nachteil ist das Fehlen einer englischen Ausgabe. Das Buch erreicht nicht mehr als 5 Prozent der weltweiten Gemeinde von Ukiyo-e Begeisterten. Immerhin verdient der Verlag Respekt für den Mut, so ein Buch in deutsch mit einem vergleichsweise kleinen Markt zu publizieren.
Dieter Wanczura
(April 2003, überarbeitet April 2009)
Friedrich B. Schwan, "Handbuch Japanischer Holzschnitt", 2003, IUDICIUM Verlag, Postfach 701067, D-81310 München, www.iudicium.de, ISBN 3-89129-749-1.
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Saturday, November 21, 2009:
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