Eine Reise durch das winterliche Japan - dargestellt an Farbholzschnitten. Vortrag von Dr. Andreas Grund, Januar 2002 Rotary-Club Darmstadt-Kranichstein - Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Autors; copyright Dr. Andreas Grund.
In Raum Kyoto / Nara finden wir eine gro�e Zahl von Tempeln und Schreinen. Der hier gezeigte leuchtend rote Kamigamo Tempel l��t fast erahnen, wie der Druck entstanden ist, wohl durch eine Weitwinkelaufnahme. Es war seit etwa 1930 durchaus �blich, Fotografien zur Grundlage eines Holzschnitts zu machen. Dies sparte Zeit, auch konnte man rasch diverse Varianten konzipieren, ohne jedesmal erneut eine gezeichnete Vorlage anzufertigen.
Bambus ist ein winterfestes Gew�chs, zumindest in japanischen Breiten. Dieser h�bsche Druck zeigt einen Bambushain, tief im Schnee. Davor, in traditioneller Tracht, eine Geisha auf ihren hohen Geta Sandalen. Der Nanendo Tempel hat einen eigenwilligen sechseckigen Grundri�, sehr ungew�hnlich f�r ein solches Bauwerk.
Mittlerweile haben wir Kyoto, unser Ziel, erreicht. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang durch den Maruyama Park und begeben uns dann in den Abendstunden an die Peripherie der Stadt, wo wir mit einem Blick auf die beeindruckende Holzkonstruktion des Kiyumizudera Abschied nehmen.
Handwerklich trat der Niedergang des japanischen Holzschnitts sowohl qualitativ und quantitativ ab etwa 1850 ein, beschleunigt seit etwa 1900 durch die Verf�gbarkeit moderner Drucktechniken und Reproduktionsverfahren. Die shin hanga Bewegung - w�rtlich "Neue Drucke" aus der Periode 1920 ? 1950 -, die sich auch als Reaktion auf die Zuwendung der japanischen K�nstler, vor allem der Maler nach Europa hin betrachtete, konnte dies nur f�r eine kurze Zeitspanne und in begrenztem Umfang beeinflussen.
Die hier gezeigten Farbholzschnitte, die fast alle dieser Gattung der shinhanga zuzuordnen sind, zeigen in weiten Bereichen eine verkl�rte, romantische Welt Japans, wie sie eigentlich nie vorgelegen hatte. Die shinhanga K�nstler integrierten dabei westliche Elemente, ohne jedoch die traditionellen Werte des historischen Holzschnitts aufzugeben.
Inspiriert durch den europ�ischen Impressionismus f�hrte man vor allem ausdrucksstarke Lichtstimmungen ein. Ziel war dennoch prim�r, die Klientel der K�ufer, die zu einem gro�en Teil bereits damals aus Ausl�ndern bestand, zum Kauf zu bewegen. Ungeachtet des Inhalts, der aus subjektiver Sicht die gesamte Spanne von Kitsch und Kunst umfa�t, haben fr�he Editionen mittlerweile nach einer Phase der langj�hrigen Mi�achtung einen Stellenwert auf dem Kunstmarkt erreicht, der wertm��ig bei einigen der namhaften K�nstler dem der klassischen Holzschnitte entspricht.
Heute sind nur noch wenige Kunsthandwerker in Japan in der Lage, Bl�cke zu schneiden und in hoher Qualit�t Holzschnitte zu drucken. Sammlern kann man daher die Empfehlung aussprechen, rasch zuzugreifen.




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