This article in English: Japanese Tattoo Art
Japanische Tattoo Kunst hat verschiedene Namen - 'irezumi' oder 'horimono' in der japanischen Sprache. 'Irezumi' ist das Wort für das traditionelle, sichtbare Tattoo, das große Teile des Körpers, wie zum Beispiel den Rücken bedeckt. Die japanische Tattoo Kunst hat eine sehr lange Geschichte.
Seitdem der Konfuzianismus und der Buddhismus Einfluss auf die japanische Kultur haben, ruft die Kunst des Tattoo für die Mehrheit des japanischen Volkes negative Assoziationen hervor. In den Augen eines durchschnittlichen Japaners ist ein Tattoo eine Markierung für Yakuza - Mitglieder der japanischen Unterwelt - oder ein Macho Symbol für Mitglieder der unteren Klassen.
Archäologen glauben, dass die frühen Siedler Japans, die Ainu, sich mit Gesichts-Tattoos schmückten. Chinesische Dokumente berichten über das Volk der Wa - der chinesische Name für ihre japanischen Nachbarn - und deren Gebräuche nach Fischen und Muscheln zu tauchen und den ganzen Körper mit Tattoos zu schmücken. Diese schriftlichen Berichte sind 1700 Jahre alt.
Für die höher entwickelte chinesische Kultur war Tätowieren ein Akt der Barbarei. Als der Buddhismus von China nach Japan kam und mit ihm ein starker Einfluss der chinesischen Kultur, erhielt Tätowieren den Beigeschmack des Negativen und Primitiven. Kriminelle wurden mit Tattoos markiert um sie zu bestrafen und in der Gesellschaft kenntlich zu machen.
Während der Edo Epoche - 1603-1868 - wurde die Kunst des japanischen Tattoos ein Teil von Ukiyo-e - der Kultur der fließenden Welt. Damit gemeint war alles Weltliche und alles, was Spaß macht. Prostituierte - yujos - aus den Vergnügungsvierteln benutzten Tattoos um sich für Freier attraktiver zu machen. Körper-Tattoos wurden von Arbeitern und den Feuerwehrmännern benutzt. Letztere standen in Japan seit jeher im Ruf eines wilden Haufens von Rowdies.
Ab 1720 wurde das Tätowieren von Kriminellen eine offizielle Bestrafung und ersetzte die Amputation der Nase und der Ohren. Der Kriminelle erhielt ein Ring-ähnliches Tattoo um den Arm für jedes begangene Verbrechen oder ein tätowiertes Schriftzeichen auf die Stirn. Das Tätowieren von Kriminellen wurde bis 1870 praktiziert - als es per Gesetz durch die neue Meiji Regierung des japanischen Kaisers abgeschafft wurde.
Diese sichtbare Bestrafung schuf eine neue Klasse von Geächteten, für die es in der Gesellschaft keinen Platz gab. Zu diesen Ausgestoßenen gehörten auch die Ronin - herrenlose Samurai. Für sie gab es keine Alternative als sich in Banden zu organisieren. Diese Männer formten die Wurzeln der heutigen Yakuza - der organisierten Kriminellen im Japan des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 1827 veröffentlichte der Ukiyo-e Künstler Kuniyoshi die ersten 6 Blätter der 108 Helden der Suikoden. Die Suikoden waren eine Art von chinesischen Robin Hoods - ehrenwerte Banditen. Die Geschichte basierte auf einem klassischen chinesischen Roman aus dem 13. und 14. Jahrhundert - Shui-Hi-Chuan. Der Roman wurde im Jahr 1757 von Okajima Kanzanion erstmals ins japanische übersetzt. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde die Geschichte erneut publiziert - diesmal mit Illustrationen von keinem Geringeren als Katsushika Hokusai. Die Erzählung von den 108 ehrenwerten Banditen war in Japan sehr populär und löste unter der japanischen Stadtbevölkerung einen Suikoden Kult aus.
Kuniyoshis Suikoden Grafiken zeigen die Helden in farbenfrohen, reich geschmückten Ganzkörper-Tattoos. Die Kunst des Tätowierens wurde damals zu einer Mode. Tattoos wurden als iki angesehen - cool. Aber diese Modeerscheinung war auf die unteren Klassen beschränkt.
Der dekorative Reichtum und die Phantasie der Tattoos auf den Grafiken von Kuniyoshi werden noch bis in die heutige Zeit von einigen Tattoo Künstlern benutzt.
In dem Streben sich der westlichen Zivilisation anzupassen, hatte die kaiserliche Meiji Regierung das Tätowieren als Relikt einer barbarischen Zeit gänzlich verboten. Das Lustige daran war, dass die japanischen Tattoo Künstler trotzdem nicht ganz arbeitslos wurden. Sie bekamen neue Kunden - die Seeleute von den ausländischen Schiffen, die jetzt in japanischen Häfen ankerten. So verbreitete sich die Kunst des japanischen Tattoos in den Westen.
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb das Tätowieren in Japan eine verbotene Kunst bis zum Jahr 1948 als das Verbot offiziell aufgehoben wurde. Einige meinen, daß der Schritt unumgängglich geworden war um die Nachfrage der amerikanischen Besatzer nach japanischen Tattoos zu legalisieren.
Obwohl einige jüngere Leute das Tätowieren als chic ansehen mögen, ist es in der Meinung der Mehrheit der Japaner immer noch mit Unterweltgangstern verbunden oder bestenfalls eine schlechte Angewohnheit der unteren Klassen. Jüngere Japaner, die Tattoos als iki ansehen - eine Minderheit unter der japanischen Jugend - tendieren zu einem kleineren Tattoo nach westlichem Vorbild, zumeist am Oberarm, wo man es nicht sofort sieht.
Dieter Wanczura
(Mai 2001, revidiert Januar 2009)
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