
Japanische Kriegsgrafiken zeigen Szenen aus dem Chinesisch-Japanischen Krieg von 1894-1895 und dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904-1905. Im englischen Sprachgebrauch werden diese Grafiken von Ukiyo-e Sammlern als War Prints bezeichnet.
Japanische Kriegsgrafiken zu sammeln ist ein Spezialgebiet. Die meisten Sammler ziehen Bilder von schönen Frauen den finsteren und manchmal grausigen Bildern des Krieges vor. Wie auch immer - japanische Holzschnitte, die den chinesisch-japanischen und den russisch-japanischen Krieg glorifizieren, sind ein wichtiger Teil der Geschichte des Ukiyo-e. Die meisten haben einen künstlerischen Wert und sind ein wichtiges Zeugnis einer Zeit, die jetzt so weit entfernt scheint.
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Im Jahr 1867 trat der letzte Shogun zurück und die Macht ging zumindest formal an den Kaiser Mutsushito, der den Namen Meiji annahm, was soviel wie "Der Erleuchtete" heisst. Unter der Ära des Kaisers verwandelte sich Japan von einem feudalen, mittelalterlichen Staat zu einer Nation westlichen Zuschnitts und Technolgie. Ausländische Experten wurden zu tausenden in das Land gerufen um die japanische Wirtschaft, Gesellschaft und die Armee zu modernisieren. Junge Japaner wurden in grosser Zahl ins Ausland geschickt um westliche Methoden zu studieren. Mit diesem Kraftakt wurde Japan innerhalb kurzer Zeit zu einer ernsthaften wirtschaftlichen und militärischen Macht.

Japans Konflikt mit China brach über die Frage der Vorherrschaft über Korea aus. Nach einigen Scharmützeln und Aufständen von pro-chinesischen gegen pro-japanische Gruppen in Seoul, landeten chinesische und japanische Streitkräfte in Korea. Am 14.Juli 1984 begannen die Kämpfe bei Phungtao zwischen chinesischen Schiffen und der japanischen Flotte. Innerhalb von weniger als einem Jahr besiegte Japan die chinesischen Streitkräfte beinahe mühelos.
Der Chinesisch-Japanische Krieg endete mit dem Vertrag von Shimonoseki. China musste territoriale Zugeständnisse machen (Taiwan und einige Inseln) und musste an Japan hohe Reparationszahlungen leisten. Die Unabhängigkeit Koreas wurde förmlich bestätigt. Aber de facto wurde Korea ein Teil der japanischen Hemisphäre.
Während des chinesisch-japanischen Krieges hatte Japan 140.000 Soldaten mobilisiert. Nur 1.400 fielen als Folge von Kampfhandlungen. Aber weit mehr starben als Folge der harten Winter-Wetterbedingungen in der Mandschurei. Der rasche Sieg der japanischen Truppen war ein Ergebnis der massiven und systematischen Modernisierung Japans nach der Meiji Restoration. Die chinesischen Truppen waren keine ebenbürtigen Gegner für die Japaner, die mit neuester Technologie kämpften. Ausserdem wurde der Krieg durch eine Welle nationalen Enthusiasmus in Japan unterstützt.
Die Holzschnitte gaben die militärische Situation und die agressive japanische Expansion wieder. Die chinesischen Feinde werden als eine Art von Barbaren und Hinterwäldler dargestellt, die mit Speeren bewaffnet sind, während die entschlossen dreinblickenden japanischen Soldaten mit modernsten Gewehren angreifen.

Im Jahr 1898 mietete Russland die Hafenstadt Port Arthur von China. Zwei Jahre später, im Jahr 1900, nahm Russland den Boxer Aufstand in China als Vorwand um die Mandschurei zu besetzen. Eine Ausdehnung nach Korea schien unmittelbar bevor zu stehen. Nachdem Verhandlungen zwischen den beiden Ländern gescheitert waren, begann die japanische Flotte im Jahr 1904 einen Angriff auf Port Arthur.
Der Russisch-Japanische Krieg wurde zu Land und zur See geführt. Die Japaner blieben in verschiedenen Landschlachten bei hohen Verlusten auf beiden Seiten siegreich.
Der Ausgang des Krieges wurde aber in einer Seeschlacht entschieden. Japan hatte gegen die russischen Schiffe in Port Arthur eine Seeblockade errichtet. Russland entsandte ihre baltische Flotte mit insgesamt 45 Schiffen zum Entsatz. Die Russen wurden in der Seestrasse von Tsushima zwischen Japan und Korea abgefangen und restlos besiegt.
Der russisch-japanische Krieg endete mit dem Friedensvertrag von Portsmouth, New Hampshire und war von Präsident Theodor Roosevelt vermittelt worden. Russland akzeptierte die japanische Hoheit über Korea und stimmte einem langfristigen Mietvertrag über die Halbinsel Liaodong zu. Zehn Jahre später wurde Korea förmlich als japanische Provinz anektiert.

Bis ungefähr zum Jahr 1900 war Ukiyo-e ein Medium um Nachrichten zu illustrieren oder Ankündigungen mit kommerziellem Hintergrund zu propagieren. Und es war ein Werbemittel. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass der chinesisch-japanische Krieg ein ganzes Schneegestöber an Holzschnitten hervorbrachte.
Der Krieg war unter den Japanern populär und die Leute wollten die letzten Neuigkeiten von der Front sehen. Es war so was wie eine Mischung aus Boulevardzeitungsbeilage und Bildermagazin. Verleger und Künstler beeilten sich, mit ihren Holzschnitten die ersten am Markt zu sein. Die Situation ist vergleichbar mit der Hast, mit der Verleger heute am Ende eines grossen Ereignisses wie den olympischen Spielen oder einer Fussballweltmeisterschaft die ersten in den Verkaufsregalen zu sein versuchen.
Auch während des Krieges gegen Russland wurden Holzschnitte hergestellt und rasch veröffentlicht. Aber diesmal erwiesen sie sich als Ladenhüter. Die Leute wollten lieber die neuesten Photografien der Kriegsberichterstatter sehen. Welchen Unterschied nur ein Jahrzehnt ausmachen kann.

Holzschnitte mit Szenen der beiden Kriege wurden von allen bekannten Künstlern der damaligen Zeit und von einer Vielzahl Unbekannter geschaffen. Die Grafiken aus den Händen der bekannten Ukiyo-e Künstler wie Kiyochika, Gekko, Toshihide oder Toshikata sind in der Regel künstlerisch anspruchsvoller und subtiler in der Gestaltung.
Hier ist eine Liste in alphabetischer Reihenfolge, geordnet nach Vorname, der bekannteren Künstler. Die Liste wurde von dem Buch Impressions of the Front mit kleineren Modifizierungen übernommen.

Das Sammeln dieser Drucke gefällt auf jeden Fall ihrer Brieftasche. Seit dem Ende des II.Weltkrieges haben die Japaner eine ausgeprägte Antipathie gegen Krieg und möchten möglichst wenig von den Greueltaten hören, die ihre Truppen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verübten. 200 bis 400 EURO für ein gutes Triptych sind ein vernünftiger Preis auf dem Internet. Alles deutlich über 500 EURO ist entweder etwas sehr Rares und Besonderes oder Sie kaufen auf New York's Fifth Avenue ein.
Holzschnitte mit Themen des chinesisch-japanischen Krieges sind leicht zu finden. Diejenigen aus dem russisch-japanischen Krieg sind seltener und deswegen auch teurer. Szenen von Schiffsschlachten sind gesucht - vor allem unter britischen Sammlern.
Die meisten Kriegsgrafiken wurden als Triptyche - ein Satz von 3 Blättern - aufgelegt. Die Blätter sind entweder einzeln oder zusammengeklebt. Aus Sicht des Sammlerwerts ist diese Frage unerheblich. Allein der Zustand und die Attraktivität der Darststellung zählen.
Dieter Wanczura
(April 2001, überarbeitet Juli 2009)
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Saturday, February 11, 2012:
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