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Die Holländer in Nagasaki

Japanische Kunstgeschichte - Teil I
Japanische Kunstgeschichte - Teil I
Hölländisches Schiff, ca. 1800
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This article in English: The Dutch in Nagasaki

Im Jahr 1600 landeten 23 halb-verhungerte Holländer und ein Engländer unter der Führung von Kapitän Will Adams in Usuki Bay in Kyushu, der südlichsten der japanischen Inseln.

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Das holländische Handelsmonopol während der Edo Epoche

Dies sollte der Beginn eines erfolgreichen holländischen Handelsmonopols mit Japan werden, das bis 1854 dauerte. Die Anwesenheit der Holländer während dieser Epoche war jedoch auf die kleine, künstliche Insel Deshima im Hafen von Nagasaki begrenzt.

Die Portugiesen und Spanier in Japan

Oda Nobunaga
Oda Nobunaga
Holländisches Paar, ca. 1861
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Die Holländer waren nicht die ersten Europäer in Japan. Im Jahr 1543 waren die Portugiesen auf der Insel Tanegashima gelandet. Zur Zeit ihrer Ankunft war Japan ein vom Krieg zerrissenes Land, in dem mächtige Feudalherren gegeneinander um die Vorherrschaft im Lande kämpften. Die Portugiesen besassen etwas, das sofort die Aufmerksamkeit der japanischen Kriegsherren auf sich zog - Feuerwaffen. Schnell entstand ein schwunghafter Handel zwischen den Daimyo, den Provinzfürsten, und den Portugiesen.

Aber mit den portugiesischen Schiffen kamen nicht nur Feuerwaffen ins Land, sondern auch christliche Missionare in Gestalt der Jesuiten. Deren Missionierung zur Christianisierung Japans begann sehr erfolgsversprechend. Oda Nobunaga, 1534-1582, der erste der drei Einiger Japans, unterstützte die christlichen Missionare als Gegengewicht gegen die militanten und mächtigen buddhistischen Klöster, die sich dem Herrschaftsanspruch Nobunagas widersetzten.

Toyotomi Hideyoshi, 1537-1598, sein Nachflger und der zweite Einiger Japans, hatte ein eher ambivalentes Verhältnis zu den Jesuiten und den später ins Land gekommenen, agressiveren Franziskaner Missionaren. Er schwankte zwischen Tolerierung und einem totalen Verbot, das zwar ausgesprochen, jedoch niemals mit Nachdruck umgesetzt wurde.

Japan unter dem Tokugawa Shogunat

Toyotomi Hideyoshi
Toyotomi Hideyoshi
Holländisches Schiff
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Tokugawa Ieyasu, 1543-1616, war der dritte und letzte Einiger Japans. Er schaffte es, im Lande einen anhaltenden Frieden umzusetzen. Aber der Preis war eine völlige Abschottung Japans von jeglichen Kontakten mit der Aussenwelt. Ieyasu sah in den portugiesischen und spanischen Missionaren eine Bedrohung für seine Herrschaft und verbot das Christentum im Jahr 1587.

Die Reise der Liefde

Im Jahr 1600 kam ein holländisches Schiff, die Liefde in der Bucht von Usuki mit 24 halb-verhungerten Matrosen an Bord an - 23 Holländer und ein Engländer. Sieben von ihnen starben später trotz der Pflege durch die Japaner. Die ausgemergelten Seeleute waren die Überlebenden einer Expedition von ursprünglich 5 Schiffen, die am 27. Juni 1598 den Hafen von Rotterdam verlassen hatten.

Sie waren zu einem riskanten Abenteuer ausgelaufen mit dem Ziel, spanische und portugiesische Siedlungen in Afrika und Asien zu überfallen und mit Pfeffer und anderen Gewürzen aus Asien zurück zu kehren. In jener Zeit konnte man mit Pfeffer schnell reich werden. Das Wort "Pfeffersack" als Synonym für eine sehr reiche Person hat sich bis heute in der deutschen Sprache erhalten.

Will Adams war der Kapitän der Liefde. Nach und nach gewann er das Vertrauen von Tokugawa Ieyasu, während die Portugiesen vergeblich versuchten, die Holländer als Piraten zu denunzieren. Dies war der Beginn eines Exklusiv-Handels zwischen Japan und der Holländischen Ost-Indien Gesellschaft, der fast 250 Jahre lang Bestand haben sollte.

Die Holländische Ost-Indien Gesellschaft in Dejima

Japanische Kunst Geschichte - Teil II
Japanische Kunst Geschichte - Teil II
Holländische Gesellschaft, ca. 1800
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Im Jahr 1636 hatte der Shogun den Bau der künstlichen, winzigen Insel Deshima befohlen. Sie war ursprünglich für die Unterbringung der portugiesischen Kaufleute gedacht, die auf der Insel von der japanischen Bevölkerung abgeschottet werden sollten. Aber zum Zeitpunkt als die Arbeiten abgeschlossen waren, waren die Portugiesen endgültig aus dem Land gewiesen worden und die Holländer, die bisher in Hirado waren, zogen in Deshima ein.

Üblicherweise landeten zwei holländische Schiffe pro Jahr im Hafen von Nagasaki. Die Ankunft war jedesmal ein grosses Ereignis, vor allem natürlich für die Bewohner von Dejima. Die ständige Vertretung bestand aus einem Direktor der Ost-Indischen Gesellschaft und circa 10 Angestellten - Buchhalter, Lagerverwalter, ein Arzt, ein Koch und ein Schmied.

Titia Cock Blomhoff

Ausländische Frauen waren auf Dejima nicht erlaubt - wohl aber japanische Prostituierte. Eine tapfere Frau namens Titia begleitete ihren Gatten, Jan Cock Blomhoff, den frisch ernannten Direktor im Jahr 1817 auf seiner Mission nach Deshima. Auf Geheiss der japanischen Regierung musste sie 3 Monate später das Land verlassen. Immerhin wurde sie damit die erste Frau aus dem Westen, die ihren Fuss auf japanischen Boden setzte. Leider starb die arme Frau nur 4 Jahre später von ihrem Ehemann getrennt in der fernen Heimat.

Arita und Imari Porzelan

by Gihachiro Okuyama 1907-1981
Imari Porzelan
Imari Porzelan
Hollander, 1973
copyright Gihachiro Okuyama

Die holländischen Schiffe importierten vor allem Seide aus China und Güter aus Südostasien und Europa. Auf der Rückreise nach Europa waren sie vor hauptsächlich mit japanischem Porzellan beladen. Arita, Imari und andere japanische Keramiken waren in den Niederlanden und in anderen europäischen Ländern sehr begehrt. Die japanischen Kunsthandwerker verstanden es trefflich, für den europäischen Geschmack zu produzieren. Viele Keramiken wurden sogar mit holländischen Motiven verziert. Zeitweise konnte die Nachfrage nicht mehr gedeckt werden und die Niederländer begannen japanisches Porzelan im eigenen Land in grossen Mengen zu kopieren.

Philip F. von Siebold 1796-1866

Im Jahr 1823 kam Philip F. von Siebold als Arzt nach Dejima. Er nutzte seinen Aufenthalt für intensive Studien über Japan. Nach seiner Rückkehr nach Europa veröffentlichte er sein Wissen in einem Buch - Nippon. Seine Anwesenheit in Japan hatte aber auch dort grosse Auswirkungen. Er brachte als erster westliche Medizin nach Japan.

Prozessionen der Ergebenheit

von Ken Tagawa 1906-1967
Japanische Kunst
Japanische Kunst
Holländer Palast
copyright Ken Tagawa

Ieyasu Tokugawa hatte die Daimyo gesetzlich verpflichtet, dem Shogun alle zwei Jahre in einer grossen, formalen und aufwendigen Prozession nach Edo (Tokyo), der Residenz des Shogun, ihre Aufwartung zu machen. Die Absicht dahinter war, sich der Loyalität der Daimyo zu versichern und sie ausserdem mit den finanziellen Kosten einer solchen Reise nicht zu stark werden zu lassen.

Die Holländer waren von solchen Loyalitätsbeweisen nicht ausgenommen. Ihr Prozessionskalender schrieb eine solche Pilgerreise zuerst jährlich und später alle 4 Jahre vor. Wenn es an der Zeit war, zogen die Holländer mit Pauken und Trompeten von Nagasaki nach Edo. Dabei durften sie nicht mit leeren Händen ankommen. Der Shogun erwartete grosszügige Geschenke. Die Holländer waren kluge Diplomaten und einfallsreich. Sie importierten exotische Tiere wie Elephanten und sogar ein Kamel als Geschenke für den Shogun.

Das Abkommen von Kanagawa

von Sumio Kawakami 1895-1972
Sumio Kawakami - Biografie
Sumio Kawakami - Biografie
Nanbansen
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Im Jahr 1853 und erneut im Jahr 1854 ankerte eine Flotte der Vereinigten Staaten von Amerika unter ihrem Kommandanten Matthew Calbraith Perry (1794-1858) vor Japan und zwang Japan mit etwas Kanonendonner in Verhandlungen über eine Öffnung des Landes für den Handel mit Amerika einzutreten. Bei der zweiten Ankunft von Perry unterzeichneten die amerikanische Delegation und die japanische Regierung das Abkommen von Kanagawa. Ähnliche Abkommen folgten kurz darauf mit anderen Ländern - England, Frankreich, Russland und den Niederlanden.

Donker Curtius war der letzte holländische Direktor auf Deshima. Im Jahr 1855, ein Jahr nach den Amerikanern, erreichte er den Abschluss eines Handelsabkommens mit der Shogun Regierung. Damit konnte der Einfluss der Holländer gewahrt werden. Aber das eisnt so profitable Handelsmonopol mit Japan endete im Jahr 1855 mit dem Abkommen von Kanagawa.

Nagasaki-e

Japanische Farbholzschnitte mit Abbildungen der Holländer, ihren Schiffen oder ihren exotischen Tiergeschenken, werden als Nagasaki-e bezeichnet. Die Blütezeit dieser Bilder war von 1800 bis 1860. Nagasaki-e wurden für die Japaner selbst gemacht und von denen gekauft, die kaum eine Chance hatten einmal selbst zu sehen, wie einer dieser rothaarigen, ausländischen Barbaren in Natur aussehen.

Yokohama-e

von Iku Nagai born 1930
Yokohama Holzschnitte
Yokohama Holzschnitte
Mädchen und fremdes Schiff
copyright Iku Nagai

Nagasaki-e sind sogar noch seltener als Yokohama-e. Diese späteren Grafiken zeigen Ausländer und ihre technischen Errungenschaften aus der Enklave von Yokohama.

Weder Nagasaki-e noch Yokohama-e gehören zu der Kategorie der aufwendig gearbeiteten und mit Zierrat wie Mica oder Hochdruck versehenen Graphiken. Sie waren an ein breites Publikum gerichtet und entsprachen mehr Bilderbuch Niveau. Der Reiz dieser Holzschnitte liegt in den historischen Motiven.

Nichts desto trotz gehören Nagasaki-e und Yokohama-e zur Kategorie der gesuchten und damit teuren japanischen Farbholzschnitte.

Dieter Wanczura
(März 2003, überarbeitet Oktober 2009)

Literaturquellen für diesen Artikel:

  • Ann Yonemura, "Yokohama - Prints from Nineteenth-Century Japan", Arthur M.Sackler Gallery, Smithonian Institution, Washington D.C.
  • Conrad Totman, "Tokugawa Ieyasu Shogun", Heian International Inc., 1983, ISBN 0-89346-210-1
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