
This article in English: Hiroshi Yoshida
Hiroshi Yoshida (1876-1950) schuf während seines Lebens insgesamt 259 Farbholzschnitte. Viele der Darstellungen entstanden auf seinen Reisen ausserhalb Japans und bei seiner bevorzugten Freizeitbeschäftigung, dem Bergsteigen. Über die Farbholzschnitte von Yoshida in chronologischer Form zu schreiben, ist so wie wenn man über sein Leben schreibt.
Im Jahr 1920 war Hiroshi Yoshida 44 Jahre alt. Er war zu dieser Zeit ein erfolgreicher, etablierter Öl- und Aquarellmaler, der sich auf Landschaften spezialisiert hatte. Er präsentierte seine Werke regelmässig in den grossen Ausstellungen Japans und hatte bereits mehrere Preise gewonnen.
Shozaburo Watanabe war damals im Jahr 1920 fünfunddreissig Jahre alt. Er hatte seinen eigenen grafischen Verlag in sehr jungen Jahren gegründet. Um 1907 herum hatte er damit begonnen Farbholzschnitte in modernisiertem aber doch traditionellem Stil zu publizieren - vor allem für die Exportmärkte in Europa und Nordamerika. Er war desswegen ständig auf der Suche nach guten Künstlern, die bereit waren mit ihm zusammen zu arbeiten.
Irgendwie kamen die beiden Männer zusammen. Und nachdem der erste Farbholzschnitt von Hiroshi Yoshida Anerkennung gefunden hatte, schuf der Künstler von 1921 bis 1922 die ersten sieben Grafiken im Auftrag von Watanabe.
Der Heilige Garten in Meiji Schrein war Yoshidas erster Farbholzschnitt. Er wurde als Rollbild mit den Massen 30.3 x 126.8 cm gefertigt. Der Auftraggeber war die Die Gesellschaft zur Unterstützung des Meiji Schreins und der Verleger war Shozaburo Watanabe. Das Werk wurde mit einer Auflage von 3.000 Kopien produziert.
Ein Blick auf die ersten sieben von Yoshida gefertigten Farbholzschnitte ist hochinteressant. Die Nummer 1, Der Heilige Garten des Meiji Schreins ist eine gute Arbeit, die einfach dem entspricht, was der Auftraggeber haben wollte - mit wenig künstlerischem Spielraum für Hiroshi und begrenzt durch das Rollbildformat - sehr lang und dafür umso schmäler.
Der erste von Watanabe beauftragte Farbholzschnitt, der Nachmittag auf der Weide zeigt vier Kühe auf einem ebenen Weideplatz in verhaltenen Farben. In meiner sehr persönlichen Meinung hat dieser Farbholzschnitt (Hiroshi vergib mir!) die gleiche Faszination wie ein Paar grauer Socken - vielleicht gut gemacht aber langweilig.
Aber sehen Sie sich die Grafiken ab der Nummer 3 an - was für ein Unterschied ! Gewagte Farben, faszinierend - etwas das einen einfach von den Socken haut ! Der Unterschied ist so offensichtlich und ich frage mich, wie es dazu kommen konnte. Hat hier etwa Watanabe mit seinem untrüglichen Gespür für den Marktgeschmack eingegriffen und Yoshida nach der "Kuh-Grafik" sanft in diesen ansprechenderen Stil gedrängt. Dies ist nur meine ganz persönliche Vermutung. Ich wüsste gerne mehr darüber.

Die Zusammenarbeit der zwei Männer hätte sich vermutlich über die Jahre fortgesetzt. Aber das Leben ist keine berechenbare Zeitlinie und manchmal passiert das Unvorhergesehene und verändert alles über Nacht.
Am 1. September 1923 erschütterte das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und eines der schwersten in der Weltgeschichte die Gegend um Tokyo. Circa 140.000 Menschen fanden den Tod. Die schlimmsten Schäden richteten die unkontrollierten Feuer an, die drei Tage lang in Tokyo wüteten. Auch Watanabes Grafikladen wurde ein Opfer der Flammen und mit ihm alle dort gelagerten Druckstöcke und der grösste Teil der Farbholzschnitte.
Im Dezember 1923 verliessen Hiroshi und seine Frau Fujio Japan und bestiegen das Schiff in Richtung der Vereinigten Staaten mit einem Koffer voll von eigenen Gemälden und denen von Erdbeben geschädigten Kollegen und mit einigen übrig gebliebenen Farbholzschnitten aus der Watananbe Produktion. Das Paar hatte die USA bereits 19 Jahre vorher bereist. Dieses mal verliessen sie Japan in der Hoffnung ihre Arbeiten in den USA verkaufen zu können.
Dieter Wanczura
(Juli 2002, überarbeitet Mai 2009)
"The complete Woodblock Prints of Yoshida Hiroshi", published by ABE Corporation, ISBN 4-87242-121-3.
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Saturday, February 11, 2012:
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