
Heute �berrascht wohl der Anblick der Burganlage hoch �ber der Stadt Himeji sehr, liegt sie doch mitten im modernen Harima-Industriegebiet der Region Kinki am Setonaikai-Binnenmeer. Die Stadt und ihre Pr�fektur Hyogo sind im S�den der Hauptinsel Honshu gelegen.
Die Stadt Himeji blickt mit seinem Gr�ndungsjahr 1889 auf keine besonders lange Historie zur�ck, musste nach dem Zweiten Weltkrieg zudem komplett neu aufgebaut werden, z�hlt aber heute bereits �ber eine halbe Million Einwohner. Die Burg Himeji - Himeji-jo - ist hingegen weitaus �lter und z�hlt zu den sch�nsten Anlagen Japans. Die imposante Anlage aus Stein und Holz wurde auch zu den nationalen Kultursch�tzen des Landes erhoben und 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.
Die Bezeichnung "Burg" ist trotz der hoch entwickelten, einst als uneinnehmbar geltenden Verteidigungsanlagen in Himeji nicht im westlichen Sinne zu verstehen. Architektonisch sind in Japan die �berg�nge zwischen Schloss und Burg fliessend. Zum Kern der Himeji-Anlage geh�ren denn auch palastartige Bauten, die zwar mit wehrhafter Wucht die Landschaft beherrschen, doch im Detail durchaus elegant gestaltet sind. Zudem pl�diert der eigentliche Name der Anlage, Shirasagi-jo, was "Schloss Weisser Reiher" bedeutet, eben eher f�r die noblere Bezeichnung "Schloss".

Die Urspr�nge einer Festungsanlage gehen an dieser Stelle auf das Jahr 1333 zur�ck. Erste Geb�ude einer Vorg�ngerburg sollen zu Beginn der Muromachi-Zeit 1346 vom Baumeister Akamatsu Sandanori erbaut worden sein, der zuvor den Shomyoji-Tempel am Fusse des Berges errichtet hatte. Im Zuge einer Erweiterung auf den Grundmauern dieser Bauten liess Toyotomi Hideyoshi 1580 erstmals repr�sentative Bauwerke in der Anlage aufrichten, weit sichtbare dreist�ckige Burgt�rme.
Nach der Schlacht von Sekigahara fiel die Burganlage an Tokugawa Ieyasu, der sie aber sogleich seinem Schwiegersohn und siegreichen Feldherren Ikeda Terumasa �bergab, einem klugen Herrscher von herausragenden F�higkeiten. So gelang es ihm auch in einer lediglich achtj�hrigen Bauzeit von 1601 bis 1609 das Schloss zu dessen heutigen Prachterscheinung mit typischen Elementen der Momoyama-Zeit auszubauen. 1618 erfolgte die letzte Erweiterung. 48 Schlossherren residierten danach in Himeji, doch das Bauwerk blieb unver�ndert und wurde 1964 umfassend restauriert.

Japanische Burgen, Schl�sser oder Palastanlagen sind niemals einzelne Geb�ude, sondern komplexe Ensembles aus vielen Bauwerken, �berragt vom Hauptgeb�ude, dem Tenshukaku ("Himmelsschutzkabinett"), das in Himeji mit f�nf Stockwerken die Anlage erst derart imposant erscheinen l�sst. Die gesamte Anlage von Himeji umfasst insgesamt 83 einzelne Geb�ude und ist von weit ausladenden Gr�ben und W�llen umgeben. Gerade das nahezu komplette Programm einer klassischen japanischen Schlossanlage macht das Shirasagi-jo in Himeji so ausserordentlich.
Die zentrale Rolle spielt das Haupt-Tenshukaku, das in Himeji auf einem hohen Steinsockel steht und auch die gestuften Irimoya-D�cher sowie die geschwungenen Chidori-Hafu-Giebel mit Shachihoko-Verzierungen ("Giebelkarpfen": Fabelfisch mit Tigerkopf) nicht vermissen l�sst. Daneben findet sich auch ein kleiner Tenshukaku, der im unteren Bereich mit dem Hauptgeb�ude verbunden ist. Im Inneren der Geb�ude ist es ziemlich dunkel und im Winter sehr kalt, da es nur kleine �ffnungen und keine Glasscheiben gibt. Die Treppen sind eng und oft sehr steil. Die R�ume nehmen stets die ganzen Etagen ein.
Der Grundriss der gesamten Anlage ist komplex und verwinkelt, was in Hinblick auf die Verteidigungsaufgabe von Nutzen war. Der Weg durch die Verteidigungsanlage f�hrt labyrinthartig durch G�rten, mehrere Torbauten und an kleinen T�rmen (Yagura) vorbei. Auch Brunnen geh�ren zur Anlage, um im Falle einer Belagerung die Wasserversorgung zu sichern. Wie �berall auf der Welt, befanden sich die Behausungen der armen Untertanen am Rande der Anlage, w�hrend die Bauwerke zum Berggipfel hin aufsteigend solider und repr�sentativer erscheinen.

Aufwendige Verteidigungsanlagen waren in Japan einst sehr zahlreich. Etwa 25.000 sind �berliefert, worunter sich mehr als 430 Burgen befanden. Es waren aber nicht nur Kriege, Br�nde, Erdbeben oder sonstige Naturkatastrophen, die f�r ihre drastische Reduzierung verantwortlich gemacht werden k�nnen. Im 17. Jahrhundert bestimmte Shogun Tokugawa, dass in jeder Provinz lediglich eine einzige Burg stehen darf, was den Bestand ordentlich verkleinerte. Eine weitere Vernichtungswelle kam 1873 unter der Meiji-Regierung, die im Zuge der Abrechnung mit der feudalistischen Vergangenheit 144 Schl�sser dem Boden gleich machte.
Die verbliebenen 39 Anlagen wurden schlie�lich vom Zweiten Weltkrieg weiter auf 12 reduziert. Die gr�ssten Sch�tze Japans sind auf diese Weise unwiederbringlich verloren gegangen. So auch wesentliche Teile des Kaiserpalastes in Tokio, der einst weltweit zu den gr�ssten Festungen geh�rte. Die Burganlage von Himeji ist zwar auch in den letzten Kriegstagen bombardiert worden, doch wie durch ein Wunder blieben die Bauwerke unbesch�digt.
Selbst wer nicht viel �ber Japan weiss und noch nie dort war, k�nnte bereits die Bekanntschaft mit dem Himeji-jo gemacht haben. Das Schloss ist n�mlich nicht nur ein h�ufiges Motiv in der Kunst Japans, sondern auch ein beliebter Film-Schauplatz:

Die Darstellung des Schlosses Himeji auf japanischen Holzschnitten ist vor allem von K�nstlern der Shin Hanga Bewegung des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Motiv gewesen. Es passte gut in das Shin Hanga Konzept popul�rer und gef�lliger Darstellungen von Landschaften, Monumenten der japanischen Geschichte, sch�ner Frauen, Schauspielern und Blumen und V�geln. Die bekanntesten Shin Hanga K�nstler von denen wir Holzschnitte kennen, sind Hasui Kawase, Hiroshi Yoshida und sein Sohn Toshi Yoshida. Auch zeitgen�ssische K�nstler wie Paul Binnie haben sich dieses Motivs angenommen.
Aus dem 19. Jahrhundert sind uns keine japanischen Holzschnitte bekannt auf denen die Burg Himeji als zentrales Motiv verewigt w�re.
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