This article in English: Georges Seurat - Biography
Stellen sie sich vor, Sie sind Maler und Sie schaffen Ihre Bildwerke indem sie winzige kleine Punkte in Primärfarben nebeneinander auf die Leinwand setzen. Am Anfang mag es noch lustig sein, dann wird es vermutlich langweilig und irgendwann treibt es Sie vermutlich zur Verzweiflung.
Allein schon aus diesem trivialen Grund konnte sich der Pointillismus , wie sich diese Maltechnik nennt, niemals zu einer Hauptkunstrichtung durchsetzen. Sie blieb eine kurzlebige, nette kleine Episode in der Kunstgeschichte.
Der Erfinder und wichtigste Vertreter des Pointillismus war Georges Seurat. Er starb sehr früh im Alter von nur 31 Jahren. Sein "Pünktchen" Manifest lebte nur von 1880 bis ungefähr 1990.
In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als der Impressionismus anfing in den Augen der Öffentlichkeit langsam populär zu werden, war er in Wirklichkeit schon wieder in der Krise. Seine Gründungsväter wie Claude Monet, Auguste Renoir oder Edgar Degas waren selbst zu einem Teil des Kunst Establishment geworden und waren untereinander zerstritten. Jüngere Künstler dachten, dass es an der Zeit für etwas Neues war - möglichst auf wissenschaftlicher Theorie basierend und nicht nur auf Spontaneität.
Georges Seurat war einer dieser jungen Maler auf der Suche nach einem neuen Stil. Er kam aus einer Mittelklassen Familie und hatte ein beträchtliches Sümmchen von seinem Vater geerbt. Obwohl nicht eigentlich reich, musste er sich um Geld keine Sorgen machen - anders als van Gogh oder Paul Gauguin. Seurat besuchte die Ecole des Beaux Arts wo er lernte naturgetreue Zeichnungen von griechischen Statuen und von nackten Modellen anzufertigen.
Während seiner Zeit an der Akademie machte Seurat Bekanntschaft mit den Farblehren von Charles Blanc (1813-1882), Eugene Chevreul (1786-1889) und dem New Yorker Amateurmaler Ogden Nicholas Rood (1831-1902). Chevreul hatte im Jahr 1839 ein Buch geschrieben, in dem er die Prinzipen der Komplimentärfarben niederlegte und die Entdeckung beschrieb, dass sich alle Farben auf rot, gelb und blau zurückführen lassen.
Im Jahr 1879 verließ Georges Seurat die Ecole des Beaux Art und mietete sich ein kleines Studio in Paris. Dort lebte er zurückgezogen und beschäftigte sich von früh morgens bis spät abends damit, Farbtheorien auf Leinwände umzusetzen.
Im Jahr 1883 begann Seurat mit den Arbeiten an seinem ersten grossformatigen Gemälde, Badende bei Asnieres. Zur Vorbereitung des eigentlichen Bildes fertigte er zahlreiche, akribische Zeichnungen und Ölstudien an. Diese Arbeitsweise behielt er bis an das Ende seines kurzen Lebens. Seurat malte übrigens in seinem kleinen Pariser Studio und nicht im Freien wie die Impressionisten.
Das Revolutionäre an Seurats erstem wichtigem Bild war die Anwendung der Farbentheorie von Cheuvreul. Die Grundfarben rot, gelb und blau erreichen das Auge mit unterschiedlichen Wellenlängen und werden erst auf der Retina des menschlichen Auges miteinander vermischt. Konsequenterweise vermischte Seurat die Farben nicht auf seiner Palette, sondern setzte kleine Tupfer komplimentärer Farbpigmente auf die Leinwand. Auch die Farbe schwarz war von Seurats Palette verbannt.
Das Gemälde Badende bei Asnieres erregte bei der Jury des offiziellen Salon wenig Begeisterung und wurde abgelehnt. Aber es erhielt viel Beachtung von jüngeren Malerkollegen. Paul Signac war einer von ihnen und sollte einer der stärksten Befürworter des Pointillismus werden.
Nach den Badenden bei Asnieres, schuf Seurat sein nächstes großformatiges Gemälde, Ein Sonntag auf Grande Jatte. Es ist der Inbegriff des Pointillismus und heute eine der Hauptattraktionen des Chicago Kunst Instituts.
Nach Sonntag auf Grande Jatte, schuf Georges Seurat weitere Bilder in seiner akribischen Punkte-Technik - Landschaften, einige Aktstudien und ein Portrait seiner Lebensgefährtin Madelaine Knobloch, einer Frau aus der Arbeiterklasse mit der er ein Kind hatte und die trotzdem von seiner Familie nie akzeptiert wurde.
Gegen Ende seines Lebens schuf Georges Seurat mehrere Bilder mit Zirkus Themen. Sie sind alle durch ziemlich stylisierte Kompositionen gekennzeichnet. Der Zirkus wurde im Jahr 1891 gemalt aber niemals beendet - genauso wie das Leben des Künstlers. Heute ist das Gemälde im Musee d'Orsay in Paris ausgestellt.
Seurat war von der Idee besessen, dass seine Mission die Erfindung einer neuen Form von Kunst sei. Und dieser Mission widmete er sein Leben - ohne Kompromisse.
Georges Seurat starb im Alter von nur 31 Jahren an Diphtherie. Nach seinem Tod verfolgten einige Künstler wie Paul Signac den Stil des Pointillismus noch eine Zeitlang weiter. Aber die Stilrichtung verschwand bald im nichts. Sie hatte keine Chance sich zu einer Hauptkunstrichtung zu entwickeln und blieb eine nette und reizende Episode in der modernen Kunstgeschichte - nicht mehr aber auch nicht weniger.
Die Arbeiten von Georges Seurat beeinflussten spätere Maler des Fauvismus und des Kubismus. Seine Werke haben einen festen Platz in der Kunstgeschichte. Das New York Metropolitan Museum zeigte in den Jahren 1991/92 eine grosse Retrospektive.
Dieter Wanczura
(September 2002, überarbeitet April 2009)
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