This article in English: Ghost Story of Okiku
Geistergeschichten sind ein beliebtes Thema auf japanischen Farbholzschnitten. Die Geistergeschichte von Okiku, einem ünglücklichen Dienstmädchen, ist eine der bekanntesten in Japan. Sie wurde als Kabuki Theaterstück und in unzählige Bucherzählungen umgesetzt.
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In dem Kabuki Theaterschauspiel Bancho Sarayashiki ist Okiku ein Dienstmädchen im Herrenhaus des Samurai Tessan Aoyama. Der Samurai möchte das niedliche Mädchen gerne verführen. Aber sie weist seine Annäherungsversuche zurück. Aoyama benutzt einen Trick. Er versteckt einen von 10 wertvollen holländischen Tellern und droht Okiku, dass er sie öffentlich des Diebstahls bezichtigen wird wenn sie ihm nicht zu Willen ist. In ihrer Verzweiflung ertränkt sich Okiku in einem Brunnen.
Okikus Geist steigt jede Nacht aus dem Brunnen hervor, zählt langsam bis 9 und bricht dann in ein Herz zerbrechendes Schluchzen und Heulen aus. Der Bösewicht verfällt unter dem Eindruck der nächtlichen Erscheinungen dem Wahnsinn.
Für die Geistergeschichte von Okiku gibt es eine Reihe unterschiedlicher Versionen. Gemeinsam ist ihnen nur die Beschreibung der nächtlichen Erscheinung des Geistes von Okiku, der aus dem Brunnen aufsteigt, bis 9 zählt und dann in ein fürchterliches Schluchzen ausbricht.
In einer der unterschiedlichen Versionen zerbricht Okiku tatsächlich einen Teller und wird dafür von ihrem Herrn im Zorn ermordet. Ihre Leiche wird in den Brunnen geworfen.
In einer nochmals anderen Version, zerbricht die Frau des Samurai Aoyama den Teller. Um ihre Schuld zu verdecken, schmeisst sie die Scherben in den Brunnen und beschuldigt Okiku des Diebstahls. Auch in dieser Version wird sie von ihrer Herrschaft ermordet und in den Brunnen geworfen.
Auch für das Ende der Geschichte gibt es eine Variante. Um das nächtliche Schluchzen zu stoppen, wird ein Freund der Familie von Aoyamas Frau angeheuert. Dieser versteckt sich des Nachts in der Nähe des Brunnens. Nachdem Okiku aus dem Brunnen aufgestiegen ist und bis 9 gezählt hat, tritt er hervor und ruft laut "zehn". Von da an war der Geist nie mehr gesehen.
Eine der Touristenattraktionen auf der Himeji Burg ist der Okiku Brunnen. In der Himeji Version war Aoyama ein Verwalter, der gegen seinen Herrn einen Umsturzversuch im Schilde führte. Okiku, das Dienstmädchen, bekam die Umsturzpläne zufällig mit und berichtete sie ihrem Liebhaber, einem loyalen Krieger. Der Umsturzversuch wurde damit abgewendet.
Als Aoyama rauskriegt, dass er das Scheitern Okiku zu verdanken hat, beschliesst er sie zu töten. Unter der Anschuldigung einen von 10 wertvollen Tellern gestohlen zu haben, lässt er sie zu Tode foltern und anschliessend in den Brunnen werfen. Der Rest ist dann wieder wie gehabt.
Okikus Brunen auf der Himeji Burg steht sozusagen im Wettbewerb mit einer anderen Brunnenstelle - und zwar im Garten der kanadischen Botschaft in Tokyo, die auf Land errichtet worden war, das von der Aoyama Familie erworben worden war. Schaut so aus als gäbe es wenigstens genauso viele Okiku Brunnen wie unterschiedliche Versionen ihrer Geschichte.
Alle Variationen der Geistergeschicht haben gemeinsam, dass ein armes Mädchen aus einer unteren Klasse extrem ungerecht und grausam behandelt wurde. Aber im Gegensatz zu der Geistergeschichte von Yotsuya ist Rache nicht das grosse Leitmotiv.
Unter den Ukiyo-e Künstlern, die Geisterthemen bearbeiteten, muss Yoshitoshi Tsukioka (1839-1892) an vorderster Stelle genannt werden. Yoshitoshi glaubte fest an die Existenz von Geistern und war überzeugt, selbst übernatürliche Erscheinungen erlebt zu haben.
Der Farbholzschnitt Der Geist von Okiku am Teller Herrenhaus war Teil der Serie Shinkei Sanju-roku Kai Sen. Zusammen mit den Einhundert Ansichten des Mondes war es Yoshitoshis letzte Serie vor seinem Tod. Die Serie wurde von 1889 bis 1892 verlegt. Im englischen Sprachraum findet man die Serie unter unterschiedlichen Bezeichnungen wie New Selection of 36 Apparitions oder Thirty-six New Ghosts.
Gegen Ende seines Lebens wurden die Themen von Yoshtoshis Grafiken vorwiegend aus der japanischen Geschichte und Kultur genommen. Es war ein Aufruf des Künstlers an seine Landsleute bei ihren westlichem Modernisierungsstreben nicht ihre eigenen traditionallen Werte zu vergessen und aufzugeben.
Dieter Wanczura
(Mai 2002, überarbeitet September 2009)
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