Lange Zeit definierte sich der Wert chinesischer Kunst über die Verkäufe im westlichen Kunsthandel und über die bei Auktionen renommierter Häuser erzielten Preise. China interessierte aber nicht nur Sammler, sondern schon lange auch westliche Künstler. Mitte November vergangenen Jahres meldete Chriestie's in New York eine Rekordsumme von 15,5 Mio $ bei der Versteigerung des zwei Meter hohen Mao-Porträts von Andy Warhol.
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Bis vor wenigen Jahren blieb dabei die westliche Welt unter sich. Doch das ist nun anders, denn der Wirtschaftsboom brachte auch in China Neureiche empor, die bereit sind, in Kunst zu investieren. Villensiedlungen für Millionäre schießen in China wie Pilze aus dem Boden und wollen reich ausgestattet werden.
Die auf dieser Seite gezeigten Werke stammen von Frau Xiong Xiqiu, Jahrgang 1979, und von Herrn Zhou Lu, Jahrgang 1973. Beide gehören zu den führenden Kunst-Grafikern im heutigen China. Jeder von den beiden steht für eine bestimmte Kunstrichtung, die seit dem Beginn des neuen Milleniums in China aktuell sind. Frau Xiong Xiqiu repräsentiert eine Art von chinesischer Pop Kultur vergleichbar mit Andy Warhol. Herr Zhou Lus Stil ist den von westlichen Kunstkritikern so bezeichneten "kritischem Realismus" zuzuordnen.
Die "Antiquitäten Zeitung" (Nr.24,34.Jg.) weiß von einem regen Kunsthandel zu berichten:
"Alle paar Tage finden in den Metropolen entlang der reichen Ostküste, von Beijing (Peking) über Shanghai bis Guangzhou (Kanton), Kunstauktionen statt. Die mittlere Preiskategorie liegt dort inzwischen bei circa $ 30.000. Michael Trautmann, der Asiatica-Experte des Stuttgarter Auktionshauses Nagel mit Repräsentanten in Hongkong und Peking, meint, daß sich die Preise Jahr für Jahr verdoppeln, das Interesse an der Kunst jedoch vor allem wirtschaftlich motiviert sei."
Das Vorgehen ist also spekulativ, vergleichbar mit dem Immobilienmarkt. Eine Erscheinung, wie man sie bereits in den neunziger Jahren auf Taiwan erlebte, als Künstler zu enormen Preisen gehandelt wurden, um anschließend in Vergessenheit zu geraten - heißt es dort. Doch die gestiegene Nachfrage ließ auch in China Konkurrenz unter den chinesischen Künstlern aufkeimen, wie die "Antiquitäten Zeitung" weiter berichtet:
"... alleine im Shanghaier Künstlerquartier "M50" haben über hundert Maler ihre Ateliers eingerichtet."
Diese Nachfrage veränderte jedoch inhaltlich wenig:
"Gefragt sind vor allem realistische Gemälde in ausgefeilten Techniken. Letztere werden oft aus dem Westen übernommen, aber die Empfindungen sind sehr chinesisch."

Die älteren Meister haben bei Verkäufen die Nase vorne, so etwa Xu Beihong (1895-1953). Eins seiner Gemälde stellte bei Christie's in Hongkong den Rekord für asiatische Ölbilder auf: umgerechnet 5,2 Mio Euro. Die Preise für zeitgenössische Kunst bleiben noch weit darunter, gewinnt aber auf dem Kunstmarkt rasant an Terrain. Zhang Xiaogangs "Platz des Himmlischen Firedens" erzielte bei derselben Auktion bereits den Preis von umgerechnet 1,7 Mio Euro. Auch dies war das bisher höchste Gebot bei asiatischer Gegenwartskunst.
Dabei steckt der Kunstmarkt in China erst in den Kinderschuhen. Die "Antiquitäten Zeitung" berichtet darüber:
"Da ausländische Auktionshäuser auf dem Festland nicht operieren dürfen, tun Chriestie's und Sotheby's dies von Hongkong aus. Lokale chinesische Kunstversteiger wie das 1993 in Peking gegründete China Guardian und Hosane, seit Anfang der neunziger Jahre in Shanghai tätig, erzielten laut "Art & Auction 2004" einen Umsatz von einer Milliarde $, davon ein Viertel mit aktueller Kunst. Über achtzig Prozent der Bieter bei Sotheby's, Hongkong, kommen aus Taiwan, China, Singapur, Korea und Indonesien."
Man ahnt hier die gigantischen Entwicklungsmöglichkeiten, die wohl erst nach der Marktöffnung für ausländische Versteigerer zur Geltung kommen werden. Die olympischen Spiele 2008 nennt Trautmann als einen wahrscheinlichen Zeitpunkt dafür. Doch bis dahin wird sich in der Kunst gewiss eine Menge getan haben. Eine der Neuentwicklungen machte die "Antiquitäten Zeitung" bereits aus:
"Während die Auktionshäuser noch realistische Kunst zu Rekordpreisen versteigern, macht die Szene bereits den nächsten Schritt, hin zu graphischen Werken. Die neue chinesische Künstlergeneration, im Zeitalter von Internet, E-Mail und SMS aufgewachsen, verarbeitet ihre Eindrücke in Form von Comic-Bildern."
rp - Januar 2007
(überarbeitet April 2009 - Dieter Wanczura)
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