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This article in English: Chinese Propaganda Posters
"You say you want a revolution
Well you know
We all want to change the world
You tell me that it's evolution
Well you know
We all want to change the world
But when you talk about destruction
Don't you know you can count me out."
(John Lennon/Paul McCartney, 1968)
Diejenigen unter uns, die im Jahr 2004 in den Fünfzigern oder älter sind, werden sich sicherlich noch an die "Mao Poster" erinnern. Politisch korrekt sprechen Kunstkritiker jetzt von "chinesischen Propaganda Postern". Inzwischen ist das Geschichte geworden und diese Plakate haben sich zu einem neuen Gebiet für Kunstsammler entwickelt. Sic tempora mutant - so ändern sich die Zeiten.
Die Bilder auf dieser Seite sind link-sensitiv und führen zu weiteren Artikeln zu diesem Thema oder zu anderen Web Sites, die Sie interessieren könnten.
In den westlichen Ländern war der Kult um Mao Zedong sicherlich auf eine kleine Minderheit beschränkt, zumeist unter den protestierenden Studenten. Aber diese Bewegung hatte einen starken Einfluss auf die westliche Kultur der damaligen Zeit.
Die sechziger Jahre waren das Zeitalter, in dem eine neue Pop Kultur den konservativen Jahren nach 1945 folgte, in denen die Kriegsgeneration mit der Beseitigung des Schutts der Luftbombardements und dem Aufbau ihrer zerstörten Städte und Volkswirtschaften mehr als genug beschäftigt war. Die neue Welle begann mit einem revolutionären Stil in der Musik, der Mode, der kommerziellen Graphik und in der Kunst. "Pop Art" war die dominierende Kunstrichtung und wurde von Künstlern wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein verkörpert. In der Musik war es der Sound und auch das Auftreten der Beatles und vielen anderen damals berühmten Bands. Diese Jungs beeinflussten eine ganze Generation Jugendlicher wahrscheinlich mehr als die offiziellen Erziehungseinrichtungen wie zum Beispiel öffentliche Schulen.
Der Mao Kult wurde ein Teil der westlichen Pop Art Epoche - weniger in politischem Sinne als vielmehr als kulturelles Phänomen. Das berühmte Siebdruck Portrait des Vorsitzenden Mao von Andy Warhol aus den Jahren 1972/73 oder der Beatles Song "Revolution" aus dem Jahr 1968 sind ein lebhaftes Zeugnis.
Als die Rote Armee von den Truppen Chiang Kai-sheks im Jahr 1934 eingekreist war, konnten 90.000 Männer und Frauen durch die Belagerungslinien brechen. Unter der Führung von Mao Zedong begannen Sie den "langen Marsch" (1934-1935) über eine Entfernung von fast 10.000 Kilometern um den Truppen der Nationalisten zu entkommen und sich zu reorganisieren. Während des "langen Marsches" wurden grafische Blätter produziert und an die Bevölkerung entlang des Marschwegs verteilt um deren Unterstützung zu gewinnen und die kommunistische Ideologie zu verbreiten.
Diese grafischen Blätter waren die Vorläufer der chinesischen Propaganda Poster. Sie waren in schwarz/weiß gemacht, ziemlich einfach und unter künstlerischen Aspekten nicht besonders aufregend. Heute sind sie extrem rar und Sammler zahlen dafür hohe Preise.
Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949, wurden Plakate ein wichtiges Mittel als Sprachrohr der kommunistischen Partei gegenüber der Bevölkerung. Die Plakate waren wahrscheinlich das wichtigste Propagandamittel überhaupt, was auch nicht verwundert, da vor allem in den ländlichen Regionen die Leute nicht lesen und schreiben konnten. Radios und Fernseher gab es in den fünfziger und sechziger Jahren für die Mehrheit der Bevölkerung nicht und waren auch in den siebziger Jahren noch die Ausnahme. Plakate waren einfach und billig zu produzieren. Die gesamte Produktion wird über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren auf mehrere Milliarden geschätzt.
Im Jahr 1958 startete Mao Zedong den "Großen Sprung vorwärts" - ein ehrgeiziges Programm um das Land mit seiner riesigen Bevölkerungszahl zu einer modernen, industrialisierten Nation nach dem Muster der kommunistischen Ideologie zu formen. Das Programm war ökonomisch eine einzige Katastrophe. Historiker schätzen, dass zwischen 4 und 40 Millionen Menschen verhungerten weil sie nichts zu essen hatten - ein kaum vorstellbarer Horror!
Mao verlor an politischem Einfluss. Im Jahr 1966 wurde von ihm und seiner Frau die Kulturrevolution inszeniert. Millionen von zumeist jugendlichen Städtern, wurden als "Rote Garden" mobilisiert und aufs Land geschickt um Maos Ideologie einer neuen Gesellschaft zu verbreiten und die "Vier alten Übel" zu bekämpfen (alte Ideen, alte Kultur, alte Bräuche und alte Gewohnheiten).
Das Ergebnis was wirtschaftlich und gesellschaftlich ein weiteres Disaster. China stürzte in Chaos und Zerstörung. Die Kulturrevolution dauerte bis zu Maos Tod im Jahr 1976. Unter Deng Xiaoping bekamen schließlich die Reformer langsam die Oberhand und die Kontrolle über das Land zurück.
Chinesische Propaganda Plakate sind untrennbar verbunden mit dem Bildnis von Mao Zedong - oft als die aufgehende Sonne, die über einem Meer von roten Fahnen schwebt. Der Eindruck ist richtig und falsch. Richtig, da das die Plakate mit den höchsten Auflagen waren. Falsch, weil die Mehrzahl der Motive ganz anders waren.
Die beherrschenden Bilder waren Darstellungen dessen, was die kommunistische Partei als Ideal eines besseren Lebens und richtigen sozialen Verhaltens ansah. Wirtschaftliche Prosperität für die bäuerliche Bevölkerung und die Arbeiter in den Städten waren die hauptsächlichen Themen. Ein weiteres Ideal war ein uneigennütziges Leben im Dienste der Gemeinschaft und des Landes.
Die Mehrzahl der Motive stellen Darstellungen aus dem Leben der ländlichen Bevölkerung in "Musterrollen" dar. Männer und Frauen sehen gut genährt und gesund aus und haben ein breites Lachen im Gesicht. Sie sind sauber gekleidet und gehen mit Frohsinn der Arbeit nach. Und wenn sie nicht bei der Arbeit gezeigt werden, dann sollten sie in ihrer freien Zeit Gemeinschaftsdienste leisten oder sich wissbegierig über die "Weisheiten" des großen Vorsitzenden Mao Zedong stürzen.
Natürlich gibt es auch die Darstellungen vom Typus "Klassenkampf". Aber im großen und ganzen sind die Mehrheit der Bilder, die bis zum Beginn der Kulturrevolution aufgelegt wurden, eine Spiegelung der Sehnsucht des durchschnittlichen chinesischen Bürgers nach einem besseren Leben.
Mit dem Beginn der Kulturrevolution im Jahr 1966 kann eine gewisse Veränderung der Darstellungen festgestellt werden. Die jetzt abgebildeten Szenen werden aggressiver und hässlich. Während die typische Pose auf den "alten" Propaganda Plakaten die der strahlenden Augen und freundlichen Gesichter war, sieht man plötzlich Mienen voller Hass. Selbst die Kinder wurden nicht ausgelassen.
Sie werden als kleine Erwachsene mit Furcht erregenden und hasserfüllten Blicken gezeigt, die aktiv an der Jagd und Vernichtung der "vier alten Übel" teilnehmen - alte Ideen, alte Kultur, alte Bräuche und alte Gewohnheiten. Das Plakat auf dieser Seite mit dem Titel "Mit Kämpfen aufwachsen" ist ein gutes Beispiel.
Die Plakate wurden von professionellen Künstlern und Kunsthandwerkern entworfen und hergestellt, die an Chinas Kunstakademien und Verlagshäusern ausgebildet waren. Produziert wurden sie von nationalisierten Firmen wie dem Shanghai Verlagshaus des Volkes.
Die künstlerischen Wurzeln für die Entwürfe kamen aus drei hauptsächlichen Quellen. Zum einen war es der sogenannte Sozial-Realismus, der sich in der Sowietunion entwickelt hatte. Eine andere und wichtige Quelle waren die alten, traditionellen Neujahrsgrafiken der chinesischen Volkskunst. Dies waren billige Holzschnitte, die vom einfachen Volk, vor allem auf dem Land, als Glückssymbole gekauft wurden, um die bösen Geister fernzuhalten und die Wohnungen und besonders die Eingangstüren zu schmücken. Das Motiv des gutgenährten Babys ist das beste Beispiel für den Rückgriff auf chinesische Volkskunst-Holzschnitte.
Eine weitere Quelle waren meines Erachtens die Muster der westlichen Werbegrafiken aus den fünfziger Jahren. Da die Botschaft der meisten Propaganda Poster ein glückliches Leben im Wohlstand war, mit Radios, Kühlschränken und all den Annehmlichkeiten die die westliche Werbung zeigte, machte es Sinn für die chinesischen Künstler diesen Stil in ihre Arbeiten mit zu integrieren.
Chinesische Propaganda Poster haben sich zu einem ernsthaften Sammelgebiet entwickelt - vergleichbar mit den Kunstwerken aus der Epoche des russischen Realismus. Die Preise für die Plakate sind noch im Rahmen. Für seltene Exemplare werden aber inzwischen schon mehrere hundert Dollar gezahlt.
Sogar Fälschungen existieren. Es hört sich ironisch an, aber das ist immer ein Zeichen für einen gesunden und wirtschaftlich interessanten Kunstmarkt. Wenn Sie Informationen über Fälschungen aus erster Hand bekommen möchten, dann ist die Web Site von Chris TO, einem Experten und Sammler aus Hong Kong, eine gute Anlaufstelle. Sie finden die URL am Ende dieses Artikels.
Aktualisierung Juli 2005: Die Fälschungen auf dem Internet haben in letzter Zeit stark zugenommen. Sie können ganze Seiten finden mit angeblich "authentischen" Mao Postern zu billigen Preisen - in Wirklichkeit Fälschungen. In China werden die Fälschungen auf Flohmärkten billig angeboten.
Wenn Sie mit dem Thema noch nicht vertraut sind, aber mit dem Erwerb eines chinesischen Propaganda Plakats liebäugeln, sollten Sie wissen, dass die Papierqualität nicht mit Büttenpapier vom Typ "Rives BK" vergleichbar ist wie es für westliche Kunstgrafiken im oberen Qualitätssektor verwendet wird. Das Papier, das die chinesischen Verlage verwendet haben, ist ziemlich dünn und von bescheidener Qualität.
Die von Kunstgrafiken bekannten Wertekriterien werden auch für die chinesischen Propaganda Poster angewandt. Eine Erstausgabe ist begehrter als eine spätere Auflage. Engagierte Sammler versuchen ihre Objekte genau zu beschreiben - mit Angabe des Verlagshauses und dem Datum der Veröffentlichung. Oft sind die Künstler, die den Entwurf gemacht haben, bekannt. Aber sie werden nicht immer erwähnt.
Propaganda Plakate sind ein Teil der sozialen Geschichte des chinesischen Volkes und ein Teil von Chinas Kunstgeschichte. Meiner Meinung nach sind sie vor allem ein Ausdruck der Sehnsucht der chinesischen Bevölkerung nach einem besseren Leben und besseren Zukunftsaussichten nach Jahrhunderten der Unterdrückung, der Hungersnöte und des Analphabetentums.
Die Meinungen über chinesische Propaganda Plakate mögen differieren. Aber eines wäre völlig unangebracht - jegliche Form von Hohn oder Gefühle westlicher Überlegenheit.
Ist es Kunst ? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Es hängt davon ab, was man persönlich als Kunst ansieht. Wer japanische Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts als Kunst ansieht, ist eher geneigt den chinesischen Propaganda Plakaten den gleichen Status anzuerkennen. Beide wurden in großen Mengen produziert und wurden zu ihrer Zeit für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen. Der Zweck japanischer Farbholzschnitte war kommerziell, derjenige der chinesischen Propaganda Poster war politisch.
In den frühen achtziger Jahren leiteten chinesische Künstler die große Wende ein. Obwohl die meisten von ihnen an Kunstakademien angestellt waren und damit von einem Einkommen abhängig waren, das vom Staat kam, begannen etliche radikal mit dem Schaffen individueller Kunstwerke. Die meisten stützten sich auf den traditionellen chinesischen Holzschnitt und auf traditionelle Themen wie Landschaften und Naturszenen. Westliche Techniken und Stilelemente wurden vorsichtig aufgegriffen aber mit Augenmaas. Bilder aus der bunten Welt der ethnischen Bevölkerungsminderheiten in China wurden bald genauso häufig wie Aspekte der Erhaltung der Naturschönheiten Chinas.
Die Rückkehr zu traditionellen chinesischen Werten, gemischt mit westlichen Elementen in einer politisch ziemlich entspannten Kunstszene, hat erstaunliche Ergebnisse hervorgebracht. Zeitgenössische, chinesische Kunst ist auf dem besten Weg ein geschätzter und bewunderter Teil der internationalen Kunstwelt und ein Faktor im Kunstgeschäft zu werden.

Dank dem Internet haben sich eine kleine Gruppe von ernsthaften und kundigen Sammlern zusammen gefunden. Sie nutzen das Netz zur gegenseitigen Kommunikation und zur Information einer breiten Öffentlichkeit über ihre Sammel-Leidenschaft. Neben Chris TO, sollte Stefan Landsberger erwähnt werden. Er hat eine herausragende Web Site mit einer Fülle an Informationen und Bildern aus seiner Sammlung zu bieten.
Stefan Landsberger's Chinese Propaganda Poster Pages - externer Link
"You say you'll change the constitution
Well you know
We all want to change your head
You tell me it's the institution
Well you know
You better free your mind instead
But if you go carrying pictures of Chairman Mao
You ain't going to make it with anyone anyhow."
(John Lennon/Paul McCartney, 1968)
Dieter Wanczura
(Juli 2004, überarbeitet April 2009)
"Chinese Propaganda Posters - from a Collection by Michael Wolf", Taschen Verlag, Köln London Los Angeles Madrid Paris Tokyo, ISBN 3-8228-2619-7.
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