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This article in English: Chinese New Year Prints
Volkstümliche chinesische Holzschnitte sind im Westen allgemein als chinesische Neujahrsbilder bekannt. Die westliche Bezeichnung ist etwas irreführend. Diese nianhua - Neujahrsbilder - waren keineswegs auf die Neujahrsfeiern beschränkt.
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Viele dieser Grafiken wurden an Toren und Türen angebracht und vor dem Neujahrsfest erneuert. Andere wurden als Glücksbringer bei den Neujahrsfeiern verbrannt. Daher hat sich der Ausdruck "Neujahrsbilder" etabliert. Aber nicht nur Türen, sondern auch Laternen oder Fächer wurden mit nianhua dekoriert.
Der volkstümliche chinesische Holzschnitt hat in China über mehr als tausend Jahre dominiert. Die Themen und die Technik des Holzschnittdrucks haben ihn zu einer Kunstform mit unverkennbaren Charakteristiken gemacht. Von Anfang an lagen die Wurzeln im Gebrauch durch breite Bevölkerungskreise.
Die frühen Ursprünge der chinesischen Neujahrsbilder können bis mindestens auf die Tang Dynastie (618-907 AD) zurück verfolgt werden. Bilder von Göttern wurden an die Tore von Tempeln und gewöhnlichen Häusern angebracht. Eine wissenschaftliche Analyse der Buddha Bilder, die man in den Höhlen von Mogaoku gefunden hat, beweist den Gebrauch des Holzschnittdrucks auf hohem Niveau zur Zeit der Tang Dynastie.
Seit der Song Dynastie (960-1127 AD) hatte sich der volkstümliche chinesische Holzschnitt zu einem verbreiteten Geschäftszweig und einer festen Gewohnheit im Leben der Bevölkerung entwickelt. Der Gebrauch dehnte sich über das ganze chinesische Reich aus. Während der Yuan Dynastie (1279-1368 AD) blieben die "Neujahrsbilder" in Gebrauch aber stagnierten.
Die Ming Dynastie (1368-1644 AD) sah eine Renaissance des volkstümlichen Holzschnitts. Die Themen, Techniken und Stile veränderten und erneuerten sich. Berühmte Zentren für die Herstellung von Neujahrsbildern waren Yangliuqing in der Proving Tianjing, Yangjiabu in Weifang und Taohuawu in Suzhou.
Bis zur Qing Dynasty (1644-1911 AD) standen die Bilder in voller Blüte. Vergleichbar mit dem volkstümlichen japanischen Holzschnitt während der Edo und Meiji Epoche, erschienen die chinesischen Holzschnitte mit neuen Motiven aus Gebieten wie der traditionellen Chinesischen Oper, Romanen, dem Tagesgeschehen. Landschaftsbildern oder Bildern von Vögeln und Blumen.
Der volkstümliche chinesische Holzschnitt lässt sich gut nach Motiven gliedern. Die Themen haben ihren Ursprung in der Buddhistischen Religion oder alten Volkserzählungen. Und obwohl die Variationen fast unendlich sind, gibt es auch so etwas wie ikonographische Grundmuster.
Der Druckvorgang ist praktisch identisch mit der Technik wie sie Kunstliebhaber des japanischen Farbholzschnitts kennen. Auch das Konzept der Teamarbeit ist das gleiche - Künstler, Blockschnitzer und Drucker arbeiten zusammen.
Der Künstler macht einen Entwurf auf einem dünnen, durchschtigen Papier. Ein Holzschnitzer mit hohem handwerklichem Können schneidet den Block mit den Umrisslinien des Designs - alles andere wird entfernt.
Von diesem Ursprungsblock werden ein oder mehrere schwarz/weiss Abzüge gezogen. Darauf kennzeichnete der Künstler die verschiedenen Flächen mit den Farben, die er haben wollte. Pro Farbe musste ein Block geschnitzt werden.
Der abschliessende Druckvorgang wurde von dem drittem Mann im Team durchgeführt. Der Drucker war dafür verantwortlich die Farbe gleichmässig aufs Papier zu bringen. Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden Pflanzenfarben verwendet, später Anilinfarben.
Während der Kulturrevolution unter Mao Zedong wurde die Kunst des volkstümlichen chinesischen Holzschnitts buchstäblich ausradiert. Schlimmer als die systematische Jagd nach alten Holzschnitten war die Zerstörung der alten Blöcke.
Einige der alten ikonografischen Muster wie das Bild des wohlgenährten Babys wurden in kommunistische Propagandadrucke transformiert. Sie wurden von akademisch ausgebildeten Künstlern gemalt und als Poster in grossen Mengen produziert. Aus heutiger Sicht war dies eine sehr kurzlebige, sehr spezifische Seitenlinie der volkstümlichen chinesischen Bilder. Trotzdem sind sie Teil der Geschichte und damit wert gesammelt zu werden.
Seit den achtziger Jahren hat die Kunstform des volkstümlichen chinesischen Holzschnitts eine bemerkenswerte Belebung erfahren. Künstler wie Tai Liping haben die alte Tradition buchstäblich aus der Asche geholt und wiederbelebt.
Unter einer liberaleren chinesischen Regierung, die "Neujahrsbilder" als historisch und kulturell wichtiges Erbe des chinesischen Volkes ansieht, haben sich mehrere Kunsthandwerkszentren etabliert.
Der Schwerpunkt ist in der Provinz Shanxi, berühmt für seine Bilder mit Tür Göttern, mit den Orten Hanzhong, Fengxiang, Shenmu, Pucheng und Changan. Die führende Rolle nimmt Fengxiang ein. Allein in Fengxiang werden über 40 verschiedene Designs von Tür Göttern in Handarbeit geschaffen. Sie zeichnen sich durch einen kühnen Stil und kräftige Farben aus.
In der westlichen Hemishpäre besitzt die Britische Muban Stiftung in London eine grössere Sammlung von "Neujahrsbildern".
Zurückblickend auf eine Entwicklung von weit mehr als tausend Jahren, ist der volkstümliche chinesiche Holzschnitt der Spiegel ästhetischer Standards und Gedanken von breiten Kreisen des Volkes und ein Teil des way of life - heute vor allem noch stark unter der ländlichen Bevölkerung. Aus historischer und kultureller Sicht sind die chinesischen "Neujahrsbilder" eine ausgeprägte, eigenständige Kunstform.
In der westlichen Welt wartet der volkstümliche chinesische Holzschnitt noch darauf entdeckt zu werden.
Dieter Wanczura
(August 2003, überarbeitet September 2009)
Ellen Johnston Laing, "Art & Aesthetics in Chinese Popular Prints, Selections from teh Muban Foundation Collection", Center for Chinese Studies, The University of Michigan - Ann Arbor, ISBN 0-89264-154-1.
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