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Chinesische Holzschnitte

Chinesische Holzschnitte I
Druck-Techniken - weitere Artikel
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Druckvorgang
copyright Eva Prietzcker

This article in English: Chinese Woodblock Prints

Obwohl in China das Papier und der Holzschnitt erfunden wurden, war in den letzen Jahrzehnten in den westlichen Ländern über den chinesischen Holzschnitt soviel wie nichts bekannt. Mit der Öffnung Chinas lernen Kunstfreunde plötzlich eine neue und faszinierende Welt kennen - moderne chinesiche Holzschnitte, basierend auf traditionellen Techniken, die sich von denen für japanische Holzschnitte unterscheiden.

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Geschichte des chinesischen Holzschnitts

Wie das Papier wurde auch der Holzschnitt in China entwickelt. Das weltweit älteste bekannte Holzschnittbuch, das Diamant-Sutra aus Dunhuang, auf 868 datiert, ist technisch so weit fortgeschritten, dass von einer weitaus früheren Entwicklung des Holzschnitts ausgegangen werden muss.

770 war als erstes Beispiel eines Druckwerks mit Text in Japan der Druck der dharani beendet worden, offensichtlich stark von China beeinflusst. Diese buddhistischen Gebete waren auf Auftrag der Kaiserin Shotoku in einer Auflage von einer Million Exemplare gedruckt worden, wobei allerdings unklar ist, ob die Druckstöcke aus Holz oder anderen Materialien bestanden.

Die ersten Holzschnitte waren somit religiöser Art. Für Gläubige des Buddhismus wurden damit Heiligenbilder und Amulette vervielfältigt. Während der Song-Zeit (960 - 1278) wurden mit dem Holzschnitt bereits reich illustrierte Bücher publiziert.

In der Ming-Zeit (1368 - 1644) wurde er zu künstlerischen Zwecken eingesetzt mit der Reproduktion von Tuschmalereien, Brief- und Gedichtpapieren, wie den "Schriften und Bilder der Zehnbambushalle". Diese wurden 1622 - 1627 vom Beamten und Künstler Hu Cheng Yen (1582? - 1672?) herausgegeben, der als Entwickler der dafür typischen Technik mit verlaufenden Farben gilt.

Chinesische Holzschnitte als Kunst

Chinesische Holzschnitte II
artelino - Kunstauktionen
artelino - Kunstauktionen
Chinesischer Baren
copyright Eva Prietzcker

Der Holzschnitt wurde in China jedoch nicht als eine eigene Kunstform gesehen, sondern galt der absolut exakten Reproduktion vorhandener Malereien. Anfang des 20. Jahrhundert änderte sich das, als Künstler begannen, ihre Holzschnitte selber zu entwerfen und zu schneiden.

In den 30er Jahren rief der Intellektuelle Lu Xun eine Holzschnittbewegung ins Leben, indem er den Holzschnitt als ein Medium zur Aufklärung und politischem Ausdruck propagierte. Graphiken von Käthe Kollwitz, von Lu Xun in China vorgestellt, hatten starken Einfluss auf den damaligen Holzschnitt. Es entstanden viele sozialkritische Schwarz-Weiß-Drucke.

Ab den 40er Jahren begann sich der Holzschnitt aufgrund politischer Verordnung an den sowjetischen sozialen Realismus anzulehnen und wurde in den nächsten Jahrzehnten als Propaganda-Instrument genutzt.

Heute, in der lebendigen Druckgraphikszene Chinas, wird der Holzschnitt als auf vielerlei Art praktiziert: mit Öl- und Wasserfarben und mit diversen Register-Systemen.

Technik

Chinesische Holzschnitte III
Chinesische Grafiken
Chinesische Grafiken
Faustmesser, Quan Dao
copyright Eva Prietzcker

Die folgenden Erklärungen zur Technik des Holzschnitts beziehen sich auf den traditionellen Holzschnitt, der immer noch in einigen Druckateliers praktiziert wird.

Der Entwurf wird auf ein spezielles dünnes Papier gezeichnet bzw. gemalt. Zum Transfer auf den Holzblock wird dieser mit Reispaste eingerieben und das Papier mit der Vorderseite von einer Seite zügig aufgeklebt. Danach wird die Hinterseite des Papiers vorsichtig mit der Hand abgerieben, bis nur noch die Malerei auf dem Block bleibt.

Als Holz wird vorzugsweise Birne, aber auch Jujube verwendet. Geschnitten wird vor allem mit einem speziellen Messer, dem Faustmesser (Quan Dao). Dieses Messer wird der Faust perfekt angepasst. Es stammt aus der Tang-Zeit (618 - 907). Es ist bogenförmig geschliffen (im Gegensatz zum japanischen hangi-to mit dessen gerader Kante) und hat zwei Spitzen. Mit der vorderen werden die Linien geschnitten, mit der hinteren das Holz um den Schnitt herum abgekratzt bzw. abgesprengt. Auf diese Art können detaillierte Stellen ausschließlich mit diesem Messer geschnitten werden. Für großflächigere Stellen werden zusätzlich Hohleisen verwendet.

Im Gegensatz zum japanischen und westlichen Holzschnitt werden die verschiedenen Details nicht in einen Holzblock geschnitten, sondern auf mehrere kleinere Druckstöcke verteilt, die im rechten Abstand auf dem Drucktisch befestigt werden. Dazu werden die Druckstöcke mit einem Harz, das in erwärmten Zustand weich wird, auf den Drucktisch geklebt.

Paper, Colors and Baren

Chinesische Holzschnitte IV
Chinesische Grafiken
Chinesische Grafiken
Die Materialien
copyright Eva Prietzcker

Gedruckt wird auf trockenes Papier oder Seide. Zum Druck werden alle zu bedruckenden Papiere aufeinander gestapelt, rechts neben einem Spalt im Drucktisch an der Kante unter einer Leiste festgeklemmt, und über ihre Kante geschlagen, wobei die Druckstöcke links davon auf den Tisch geklebt werden.

Zur Positionierung wird durch das erste Blatt der eingespannten Papiere, eine Skizze, mit der Hand die richtige Lage der Druckstöcke erfühlt. Für jeden Druck wird mit einem Druckpinsel, der aus Fasern von Palmblättern besteht, die Farbe aufgenommen und gleichmäßig auf dem Druckstock verteilt. Traditioneller Weise werden Farben auf pflanzlicher Basis verwendet, die zur Herstellung der gewünschten Intensität mit Wasser verdünnt werden.

Für Farbverläufe kann die Farbe mit einem anderen Pinsel verstärkt oder ebenfalls mit Wasser verdünnt werden. Daraufhin wird das zu druckende Blatt über die Blöcke gelegt und mit einem Reiber abgerieben, wobei die Beschaffenheit der Druckfarbe (konzentriert, verdünnt, pastos, fast trocken, sehr nass) und der beim Drucken ausgeübte Druck viel Einfluss auf das Ergebnis haben.

Der verwendete Reiber hat einen Kern aus Holz und ist mit Fasern von Palmblättern und über diesen mit Pferdehaar bespannt. Nach dem Druck wird das Papier in den Spalt fallengelassen. Wenn alle Papiere getrocknet sind, kann die nächste Farbe gedruckt werden.

Eva Pietzcker (Juli 2004)
(redaktionell überarbeitet von Dieter Wanczura, April 2009

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